Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (1876)

Österreichs Kriege seit 1495. Chronologische Zusammenstellung des Schlachten, Gefechte, Belagerungen etc., an welchen kaiserliche Truppen auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen entweder allein, oder mit ihren Alliirten theilgenommen haben - Eine Episode aus der Schlacht bei Magenta den 4. Juni 1859

68 Eine Episode aus der Schlacht bei Magenta den 4. Juni 1859. deckten, dass die Vertheidiger des uns gegenüberliegenden Eckhauses dasselbe ebenfalls geräumt hatten. Wir verblieben jedoch in der Villa, weil wir einerseits die Hoffnung nicht aufgaben, die Unsrigen mit neuen Kräften wiederkehren zu sehen und, weil wir anderseits, von unserm bisherigen Erfolg ermuthigt, uns leicht bis dahin halten zu können glaubten. Der Feind drang um 7 Uhr durch die Hauptstrasse sowohl unter unseren Fenstern vorbei, als auch durch alle Nebengassen in den Ort. Zuaven (das 2. Regiment) hatten nun die specielle Aufgabe erhalten, unser Haus zu nehmen. Den Divisions-General l’Espinasse, welcher zu Fuss marschirte, an der Spitze, stürmten sie in dichten Haufen heran und versuchten den Eingang in’s Haus zu erzwingen; ein ver­heerender Kugelregen machte sie nach vergeblichen Anstrengungen zurückweichen; sie trugen ihren tödtlich verwundeten General mit sich auf den Bahnhof, wo sie gedeckte Stellung nahmen, um unser Feuer eine Weile ziemlich wirkungslos zu erwidern. Die anderen französischen Truppen waren, ohne sich mit uns aufzuhalten, weiter in die Stadt vorgedrungen. So waren wir ausser alle Verbindung mit unserer Armee ge­kommen und vom Feinde umringt. Unseres speciellen Feindes, der Zuaven, wenig erfolgreiches Feuern dauerte nicht lange; sie hatten einstweilen, Abtheilungen in unsere Flanken und Rücken sendend, den Angriff vorbereitet und packten auf ein gegebenes Signal mit Wuth- geheul von allen Seiten an; todesverachtend drangen sie vor; bald waren wir von ihnen umzingelt, hatten nach allen Seiten Front zu machen und wurden auch über die von ihnen besetzte, das Nachbar­haus begrenzende Mauer beschossen. Unsere Leute hielten sich brav, und die besteh Schützen, denen fortwährend frisch geladene Gewehre gereicht wurden, sandten keine Kugel unter die dichtgedrängten Feinde, die nicht getroffen hätte; es ist buchstäblich zu nehmen, dass sich rings um die Villa die Todten anhäuften, und von ihren Kameraden mitunter als Deckungsmittel gebraucht wurden. Unsere Lage war jetzt, wo wir aus unmittelbarer Nähe beschossen wurden, gefährlicher geworden; während es durch die Fenster hagelte, Hessen sogar schon die dünnen Wände Flintenkugeln durch. Die Ver­wundungen mehrten sich und, was das grösste Übel war, die Munition, den ganzen Tag schon beansprucht, ging zur Neige. Während wir diese Besorgniss erwogen und den Schützen die restliche Munition zutheilten, bemerkten wir, dass das Feuer des Feindes schwächer wurde, dass er sich aus unserem Schussbereiche zurückziehe. Eine unendliche Freude bemächtigte sich unser, —wir wähnten, dass dies seinen Grund in dem erneuerten Vorrücken der österreichi­schen Truppen haben müsse. Doch bald sollten wir eines Andern belehrt

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