Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (1876)

Österreichs Kriege seit 1495. Chronologische Zusammenstellung des Schlachten, Gefechte, Belagerungen etc., an welchen kaiserliche Truppen auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen entweder allein, oder mit ihren Alliirten theilgenommen haben - Eine Episode aus der Schlacht bei Magenta den 4. Juni 1859

Eine Episode aus der Schlacht bei Magenta den 4. Juni 1859. 67 Nachbarhause schied es eine 61—71 hohe Mauer, durch diese führte ein Pförtchen; den Garten umfasste eine niedrige Mauer. Das Gebäude, ein italienisches Landhaus von sehr leichter Bauart, hatte ganz schwache Riegelwände. Ein geräumiges Thor führte auf die Strasse. Wir bemühten uns, die Villa schnellstens in Vertheidigungszu- stand zu setzen, verrammelten die Zugänge und sammelten den grössten Theil der Mannschaft im ersten Stocke, von wo vorderhand die günstigste Feuerwirkung zu erwarten war. Wir schlossen die Jalousien, verrammelten die Fenster mit Betten, Büchern u. dgl. und Hessen Schiessöffnungen frei. Wir postirten die Mannschaft zu den Fenstern des ersten Stockes und einzelne Posten im Erdgeschoss, vertheilten die besten Schützen, bildeten in jedem Geschosse eine Reserve und übertrugen diesen die Bewachung der Eingänge. Die Stiege vom Erd­geschoss in den ersten Stock wurde mit Holzgeräthe verbarrikadirt, denn wir dachten an die Möglichkeit, dass die Vertheidiger des Erd­geschosses in den höher gelegenen Räumen würden Zuflucht suchen müssen, und hatten deshalb in der Barrikade, welche uns später sehr unbequem werden sollte, nur eine schmale Öffnung gelassen. In der Villa waren: Oberst Hauser, Hauptmann Schulz, die Oberlieutenants Howorka und Mudroch, Lieutenant Lenz und vom Oberjäger abwärts 150 Mann ‘). Hinter dem Eisenbahndamme und auf demselben kämpften unsere Truppen gegen die Anstürmenden mit wechselndem Glücke; Leiche neben Leiche bedeckte den Kampfplatz. Nirgends unterschied man eine bestimmte Kampflinie, — es war ein unbeschreibliches Chaos. Aber auch in den Flanken und fast schon in unserm Rücken musste man aneinander gerathen sein, denn deutlich konnte man auch von dort her das Kampfgetöse vernehmen. Eine Viertelstunde etwa mochten wir so dem Kampfe unbe- theiligt zugesehen und zugehört haben, als die Unsrigen in den Ort zurückwichen; französische Colonnen (Zuaven an der Spitze) erschienen gedankenschnell bei dem Bahnhofe, bemächtigten sich desselben und nahmen nach kurzem Bedenken einen Anlauf, um von allen Seiten in den Ort einzudringen. Jetzt war der Zeitpunkt unseres Handelns gekommen. Ein leb­haftes Feuer wurde aus den besetzten Fenstern eröffnet, und die Feinde, die ungedeckt auf kaum 30 Schritte beschossen wurden, stürzten haufenweise und unterbrachen den Angriff; man sah und hörte das An eifern ihrer Officiere. Unsere Truppen, welche sich mittlerweile wieder etwas geordnet hatten, versuchten einen Gegenstoss, — zurück­geworfen aber wichen sie in das Innere der Stadt zurück. Wir ent- *) *) Ferner Hauptmann Anton Kurulecz des 11. Grenz-Infanterie-Regimentes, der sich dem 2. Jäger-Bataillon anschloss. (Kriegs-Archiv, Fase. 1859, I. Corps, 6, 59 b.) 5*

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