Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (1876)

Die Schlacht von Königgrätz

Die Schlacht von Königgrätz. 39 An der Spitze der einen ritt auf hohem weissenRoss mit aus­gezeichneter Bravour ein Commandeur, der, bald genug todt zusammenbrechend, das schmerzlichste Bedauern auch seiner Feinde weckte. Und nun eröffneten die Grenadiere heftiges Schnell­feuer; die österreichischen Massen wankten und liefen die Höhe hinab. Sie erlitten dabei furchtbare Verluste; ihre Todten und Verwun­deten lagen dort so dicht gehäuft, dass es unmöglich war, den Raum zu Pferde zu passiren. Auch Oberst v. Catty fiel hier schwer verwundet, ein Opfer seiner hingebenden Thätigkeit, aber auch ein Beispiel energischen Zu­sammenraffens in gefährlicher Lage. Die preussischen Gre­nadier-Compagnien dagegen verloren keinen Mann, weil die öster­reichischen'Schützen viel zu hoch anschlugen. Wären jedoch die Colonnen nur noch 60 Schritt weiter vorgerückt, so hätten sie die preussischen Compagnien unter ihren Fersen zertreten müssen; denn hinter diesen stand, so weit das Auge reichte, nicht ein Mann. Aber sie thaten es nicht etc.“ (pag. 238 und 239). Der österreichischen Artillerie zollt der Verfasser seine volle Bewunderung und Anerkennung, indem er sich darüber, wie folgt, äussert: „Bei dem Abzüge des 10. österreichischen Armee-Corps aus der Stellung von Lippa behauptete die Artillerie des 3. Armee-Corps grösstentheils noch dieselbe Position, welche sie vom Anfang der Schlacht an inne gehabt, und setzte das Feuer gegen die erste preus- sische Armee lebhaft fort, obgleich ihre ganze Infanterie sie verhess, und von Seiten der Armee des Prinzen Friedrich Carl die Artillerie des pommer’schen Armee-Corps, sowie die Spitzen von Infanterie- Colonnen gegen die so lange dominirende österreichische Höhen­stellung in vollem Anmarsch waren. Diese ruhmvolle Bestän­digkeit musste die kaiserliche Artillerie mit schweren Verlusten bezahlen etc.“ (pag. 333). „Sechszehn österreichische Geschütze feuerten aus einer Position bei Lipa bis zum letzten Augenblick auf die vorbrechenden preussi­schen Colonnen. Als eine der letzteren in eine der Batterien einge­drungen war, von der fast die ganze Bespannung nieder­gestreckt lag, feuerte noch ein nur von drei Kanonieren be­dientes Geschütz den letzten Schuss ab. Die braven Österreicher wehrten sich wie Verzweifelte mit Pistolen, Wischern und Setzstöcken und versuchten die Geschütze zu vernageln etc.“ (pag. 334). „Der Commandirende der Elbe-Armee hielt die 16. Infanterie- Division, „als die einzige verfügbare Reserve, vorerst noch zurück, weil die Lage sich noch nicht vollständig übersehen Hess“. Dieser auffallende Umstand war ganz vorzugsweise die Folge des heldenmüthigen

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