Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (1876)
Die Schlacht von Königgrätz
40 Die Schlacht von Königgrätz. Standhaltens der österreichischen Artillerie, und um ihn würdigen und verstehen zu können, müssen wir etwas zurückgreifen und dem interessanten, alle soldatischen Sympathien erregenden Schauspiele folgen, welches die kaiserlichen Batterien darboten, indem sie, Schritt für Schritt weichend, mit der grössten Aufopferung den Schleier fest zusammenhielten, welcher das Chaos der Retirade den Augen der Sieger verbarg etc.“ (pag. 424). „Die österreichische Artillerie ist trotz ihrer grossen Einbusse an Geschützen mit hoher Auszeichnung aus der Schlacht hervorgegangen. Vom Beginn bis zum Ende derselben focht sie allenthalben ausdauernd und gut. Inmitten der Panik, mit welcher der Tag endete, blieb sie bei voller Besinnung und liess erkennen, welch’ mächtigen Factor das Vertrauen zur eigenen Waffe bildet etc.“ (pag. 492). So freigiebig der Verfasser mit Lobeserhebungen für die brave österreichische Artillerie ist, so wenig will er die Leistungen, die Hingebung und den Ruhm der k. k. Cavallerie gelten lassen. Er schreibt unter Anderem darüber Folgendes: „Die österreichischen Cavallerie-Divisionen Prinz Holstein und Graf Coudenhove beschlossen, voll von edlem Reitersinn und in klarer Erkenntniss der Nothwendigkeit, die retirirende k. lc. Armee vor dem zu befürchtenden Massenchoc der preussischen Cavallerie zu schützen, dieser letzteren sofort mit aller Kraft entgegenzutreten. Hiemit begann nun die in den leicht gewellten, von schmalen Wiesenstreifen durchzogenen Feldmarken von Langenhof und Stfesetic ausgefochtene Reiterschlacht von Königgrätz, die der Gegenstand so verschiedenartiger Beurtheilung gewesen ist, und bei deren Darstellung die Parteien sich nicht nur gegenseitig auf’s Ausserste bedingen, sondern geradezu in der entschiedensten und kaum zu ermittelnden Weise widersprechen“ (pag. 385). „Die Division Prinz Holstein betritt den Kampfplatz und kommt mit der preussischen Cavallerie in’s Handgemenge. Die feindlichen Cürassiere wehrten sich sowohl hier gegen einen Zug Uhlanen als in dem Kampfe mit drei Escadronen Zieten-Huszaren musterhaft; doch fiel es auf, dass ihre Pferde nicht recht wendig erschienen, und auch die Zügel meist lang herunter hiengen. Da die Huszárén bald merkten, dass der Hieb die flatternden dichten Reitermäntel der österreichischen Cürassiere nicht durchdringe, so verständigten sie sich durch lautes gegenseitiges Zurufen, stechen zu wollen, obgleich das sonst branden- burgische Art nicht ist. Nach 10 bis 15 Minuten war der Kampf zu Gunsten der Preussen entschieden, und die Ferdinand-Cürassiere, die schon durch das Infanterie-Feuer ebenso bedeutende Verluste als Erschütterungen erlitten, stoben auseinander und wälzten sich in der Richtung auf Bor zurück. Mit ihnen gemischt, verhessen