Militär-Oekonomie-System der kaiserlichen königlichen österreichischen Armee 8. (Wien, 1821)

* In diesem letzten Falle wird das Pferd mehr mit dem Cap-Zaumzügel, als mit de­nen des Wischzaumes bearbeitet. Bey Führung des Wisch - und Cap - Zaumes werden die Zügel des ersteren in die ganze Faust von unten hinauf, und die des Cap-Zaumes zwischen dem kleinen und Goldfinger in die Faust genommen. Der Zweck dieser Lection ist, den Willen des Reiters dem Pferde verständlich zu ma­chen, ihm eine seinem Körperbaue angemessene aufrechte Stellung mit Hals und Kopfbey- zubringen, um es in seinem freyen Gange noch mehr auszubilden. Die Fauste sollen keineeweges dergestalt gehalten werden, daß die Nagel alle herab gegen den Unterleib gedreht werden, wodurch die Aufarbeitung des Pferdekopfes nie aus­wärts , sondern nur abwärts erfolgen kann. Der Sinn ist, die Pferdeköpfe auswärts zu bearbeiten, um das Pferd nach und nach in sein Gleichgewicht zu bringen. Unter dem Gleichgewichte wird verstanden, daß sich das Pferd selbst tragen ler­ne, das heißt: den Vordercheil mehr aufwärts, und daher dessen eigene und des Reiters Last mehr auf seinen Hmtertheil zu bringen, Würden daher die Hände des Reiters immer gegen den Unterleib zu den Pferdekopf arbeiten, so wird das Gegentheil erzielet, und das Pferd wird bey seiner Anreitung aus solche Art selbst schon seinem Untergange zugeführt. Der eigentliche Bau des Pserdehalses und Kopfes bestimmt, in wie fern bey dessen Anreitung die Hände des Anreiters höher oder tiefer geführt werden müssen. Bey einem mehr geraden und kurzen Halse müssen die Hände etwas höher geführt wer­den, als bey Anreitung eines Pferdes mit einem längeren und mehr aufrecht gebauten Halse. Mit der Anlegung des Schenkels ist die äußere Crupe zu verwahren, daher die An­legung des äußeren Schenkels nur dann gebraucht wird, wenn die Crupe auszufallen droht. Unter dem Ausfallen der Crupe versteht man, wenn das Pferd von seiner betretenden geraden Linie mit dem Hintertheile auswärts abmeicht. Unter dem Verwahren versteht man, wenn der aufmerksame Reiter mittelst Anlegung des Schenkels diesem Ausfallen vorbeuget. Da in dieser Lection die Halste des Schenkels vorkömmt, so ist es erforderlich, daß, ehe der Reiter das Pferd auf der Volte zu reiten anfangt, er das Pferd mit seinen zu ge­benden Hülfen bekannt mache, diese bestehen: i) Daß der Reiter zuerst sanft die Schenkel sitzen lasse, und dadurch den Druck der Wa­den so lange zunehmend fühlbar mache, bis das Pferd darauf Folge leistet, s) Wenn diese Hülfe nicht hinreichend seyn sollte, so kann der Reiter gelinde die Schul­ter mit dem flachen Fuße berühren. 3) Wenn auch dieses nicht hinreichend wäre, so ist das Pfeifen der Ruthen zugleich mit zu verwenden, welches auf der Reitbahn allein immer dem Schnalzen mit der Zun­ge vorzugehen hat. . §. 9279. 5. Lection. Ausarbeitung an der C0rda. Der Endzweck ist das Pferd, welches in den vorigen Lectionen, von denen die gegen­wärtige nur eine Wiederhohlung ist, im Schritte und gemäßigten Trabe mit dem Willen des Reiters vertraut und bekaunt geworden ist, nur das Vordertheil mehr zu erleichtern, es ins Gleichgewicht zu setzen, und das Pferd überhaupt zur Annahme eines lebhafteren, erhabenen, geistreichen, nicht zu übertriebenen, sondern vielmehr versammelten tactmaßrgen Trabes anzuhalten. Bey dem Zurücktreten in die Crupe ist der Sinn keineswsges, daß solches vom Pferde gleich regelmäßig gefordert werde, sondern sich mit dem Willen und der Anschickung zur Folgeleistung des Rücktretens benützt werden müsse. XXXV. Hauptstück. IV. Ab sch n itt. e) líuáar&eituitg an Oer ;

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