Militär-Oekonomie-System der kaiserlichen königlichen österreichischen Armee 8. (Wien, 1821)
» WM, HaupkftücL XXL Abschnitt. Bald darauf stellt sich eine größere Blase dar, welche in kurzen zerspringet. Diese zeigt auf der angewachsenen Erhärtung einen kohlschwarzen Grund, wovon der Rand ringsumher purpurroth, auswärts aber rosenroth ist. An den Sterbenden fällt diese Geschwulst, ihr Rand wird bleyfarbig, und zeigt in der Mitte eine schwarze Vertiefung, dagegen hält die Entzündung bey jenen Kranken, welche zur Heilung schreiten, an, und erweitert manchmahl mehr, manchmahl weniger den Brand. Wenn sie nachläßt, so entsteht zwischen dem gesunden und brandigen Fleische eine feuchte Rinne, wobey die Elbsonderung anfängt, und nach der Stärke des Brandes und nach dem Zustande der Kräfte des Kranken, 4 z 8, 10 und mehrere Tage dauert. Zuletzt fällt der brandige Kuchen weg, und hinterläßt ein offenes Geschwür. Je eilfertiger die Pestkranken sterben, desto gewisser äußern sich die Petechien; sie sind am ganzen Körper wie die Kinderpocken zerstreut; Kranke, welche später sterben, oder fett sind, bekommen kleinere. Die Farbe, die man an den ersteren und letzteren bemerkt, ist Anfangs rörhlich, hernach braun uni> zuletzt schwarz. Gelbe, grüne werden selten, außer an Leichen, die lange unbegraben sind, beobachtet. Sehr breite Mahle und Flecken entdecket man nach dem Tode meistens an den Schenkeln, den Lenden und am Rücken; sie sind lichtbraun, bläulich oder bleyfarbig, manchmahl auch schwarz. Die an der Pest Verstorbenen sehen ganz entstellt, drohend, trotzig, und überhaupt scheußlich aus. Die Augenlieder, die Nasenflügel, fcte Nägel und Lippen sind viel bläulicher und schwärzlicher, als es in gemeinen Todesfällen immer verkommen mag. Alle diese Zeichnungen der äußeren Haut deuten eine ungemeine und ganz besondere Art der Krankheit und des Todes an; wenn man also nur weiß, daß sich das Uebel als ein Fieber betragen, und nicht länger, als bis gegen den dritten oder vierten Tag gewähret hat, so ist gar nicht mehr zu zweifeln, daß es die Pest gewesen sey. Der fernere Beweis hängt von den übrigen dazu kommenden Umständen des Ganges der Krankheit, vor allem aber von der Gegenwart der Knoten, der Beulen und Karbunkeln ab, obgleich die letzteren nicht so allgemein an jedem Kranken, wie die ersteren, verkommen. H. 6224. Diese mörderische Krankheit bringt den Säften und ausdünstenden Feuchtigkeiten eines jeden daran Sterbenden ein samenähnliches und ansteckendes Gift bey; sie streuet es in den Gemächern (mb Stuben der pesthaften Kranken aus, theilt es durch die umgebende Luft den Mitbewohnern, Wärtern und Besuchenden mit; sie hängt es auch mit ihrem Schmutze an die Kleider, womit der Pestkranke gekleidet, bedeckt und umgeben ist, und behält es in diesen zum Verderben derjenigen auf, welche dergleichen Kleider an den Leib nehmen, oder ferner tragen werden. Hieran hat man zwey Gelegenheiten, wodurch gesunde Menschen die pestilenzischen Dünste, den Pestsamen, das Pestgift und die darin verborgene Hauptanlage der bevorstehenden Krankheit sowohl, als die nächste Pestgefahr, an ihre Körper bekommen. Das Pestgift besitzt von allen bekannten ansteckenden Giftarten eine sonderbare und vorzügliche Reitzbarkeit. Diese wird thätig, und hebet die Pest wirklich aus, durch den Anfang und die ersten Empfindungen gemeiner Krankheiten, durch sich ergebende Unordnungen in der Gesundheit, welche, ohne Pestgift, keine Krankheit nach sich ziehen würden, und endlich durch öftere Unpäßlichkeiten, welche an sich selbst nichts Gefährliches haben. Elllein und aus eigener Kraft verursacht dieses Gift demnach keinesweges die Krankheit, aber sie bringt einem jeden Menschen, der es in den Leib bekommt, die nächste Gefahr, in dieselbe zu verfallen, wie es auch in der That geschieht, so oft das Pestgift und der Ausbruch einer gemeinen Krankheit oder zunehmenden Unpäßlichkeit in einem Menschen einander begegnen und zugleich emtreffen. tfnflecfung ö« am 4. SStawSS« G *438„