Marisia - Maros Megyei Múzeum Évkönyve 9. (1979)

I. Arheologie

DIE SPÄTRÖMISCHEN SIEDLUNGEN IN SIEBENBÜRGEN (II) 67 gen, ob eine der Wurzeln der ostsiebenbürgischen Krausen nicht in das Barbarikum führt. Maßgebend für die Bestimmung und Beurteilung der Sf. Gheorghe- Kultur sind ihre Beziehungen zur Tschernjachow — Sintana de Mure?­­Kultur. Man wird in diesem Falle der ersten Bezeichnung den Vorzug geben müssen, da Tschernjachoweinflüsse in der Sf. Gheorghe-Kultur sich vermutlich bereits vor dem Beginn des Gräberfeldes von Sintana de Mure? bemerkbar machen. Neben allgemeinen gemeinsamen Kenn­zeichen wie glänzender grauer Keramik, Glättverzierung und der Vor­liebe für Schüsseln, stammen einige Elemente unmittelbar aus der Tschernjaohowkultur. Dazu dürften Krüge mit eingezogener Ausgußöff­nung gehören (Abb. 4; 5. 6; 2), vor allem aber die Kanne aus Tg. Secuiesc12 die starke Tschernjachoweinflüsse und auch das Vorkommen von Origi­nal-Stücken nachweisen. Am überzeugendsten zeigen diese Verbindung die häufigen einreihigen Kämme mit abgesetztem Mittelgriff, die aus dem Osten stammen13 und weder von einheimischen Dakern, noch von Kar­­pen getragen wurden. Zusammen mit den henkellosen konischen Tassen mit Tupfenreihen bilden sie den wichtigsten Anhaltspunkt für die Ei­genständigkeit dieser Gruppe und grenzen sie von den übrigen spät­römischen ländlichen Siedlungen in Siebenbürgen ab (Abb. 7). In diesen fehlen sie bezeichnenderweise und an ihrer Stelle werden zweireihige Kämme getragen. Schließlich kann noch auf eine frühe Fibel mit halb­runder Kopfplatte aus Hárman verwiesen werden (Abb. 4;4). Die Tschernjachoweinflüsse überspringen gleichsam das karpische Sied­lungsgebiet oder machen sich zu einer Zeit bemerkbar, als dieses in seiner kulturellen Bedeutung bereits geschwächt oder verschwunden war. Trotzdem wäre es verfehlt, die Sf. Gheorghe-Ku'ltur unmittelbar mit der Tschernjachowkultur gleichzusetzen, wie versucht wurde, oder sogar aus dem Eindringen von Tschernjachowelementen die Anwesen­heit von gotischen Volksteilen zu vermuten. Der Anteil der dakischen Kulturkomponente in der Sf. Gheorghe-Kultur ist dafür zu hoch, ent­scheidend dürften aber die Grabsitten sein. Die Sf. Gheorghe-Kultur übt weitgehend Brandbestattung im Gegensatz zu den Körpergräbern der Sintana de Mure?-Kultur, die erst westlich des Verbreitungsgebietes der Sf. Gheorghe-Gruppe auftreten. Die Gräber der Sintana de Mure?- und die Siedlungen der Sf. Gheorghe-Kultur schließen sich unseren gegen­wärtigen Kenntnissen nach im Wesentlichen aus. Die Träger der Sintana de Mure?-Kultur dringen vermutlich erst zu einem späteren Zeitpunkt in Siebenbürgen ein und gerade im Gegensatz zu der Sf. Gheorghe-Kul­tur könnten dann in ihnen auch ethnisch gotische Volksteile vermutet werden. Es werden hier nur die Siedlungen der Sf. Gheorghe-Kultur berück­sichtigt, doch soll darauf hingewiesen werden, daß auch bereits ein um­fangreiches Gräberfeld untersucht wurde, dessen Grabinventare bei ei-12 V. Párvan, Getica, Bucure$ti, 1926, 584 Abb. 439; Z. Székely, a.a.O., 76 Abb. 7; 10, Taf. 1; 2. 13 S. Thomas, Albeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenk­­maipilege, 8, 1960, 106—108; E. B. Vágó, I. Bóna, a.a.O., 201.

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