Zs. Kakuk , I. Baski (Hrsg.): Kasantatarische Volksmärchen: Auf Grund der Sammlung von Ignác Kúnos.

Texte

57 Dinge sollen vorübergehen, dann erzähle ich es dir [allein]" — sagte er. So ver­gingen einige Tage, sie assen, tranken, vergnügten sich, schlachteten ein ge­mastetes Pferd, Speise und Trank, Tanz und Gelächter, Vernichtung durch Hunger, Zusammenbruch vom Sattsein, wenn du Fleisch essen wolltest, ist kein Brot da; so ein grosses Fest war das. Das Fest ist sehr lustig vergan­gen. Der Padischah bereitete sich zum Rückzug vor. Er befahl dem dortigen Volk, das übriggebliebene Grünzeug im Garten zusammenzuklauben und weg­zutragen. Er kehrte zurück, auch den Alten setzten sie auf den Wasserwagen und brachten ihn in die Stadt zurück. Nach ihrer Rückkehr fragte den Alten: "Nun, Alter was soll ich dir für deine Dienste geben, was wünschst du?" Der Alte sagte: Wenn du mir soviel Gold gibt, wieviel ich heben kann, [59] werde ich mit dir zufrieden sein." Der Alte nahm soviel Gold, wieviel er heben konn­te und ging nach Hause. Es verging nicht viel Zeit. Plötzlich fiel dem Padischah der im Schloss eingesperrte Alte ein. Er liess den Alten herausholen, dann schickte er nach dem alten Wächter um ihn zu fragen. Was er mit dem Alten machen soll. Den Alten setzten sie auf den vorigen Wasserwagen und brachten ihn. Der Padi­schah begann den Alten gründlich nach diesen Dingen zu fragen. Der Alte be­gann dem Padischah im einzelnen die Dinge zu erzählen: "Dieser eingesperrte Alte hat zwei Jahre lang deinen Garten verdorren lassen, im dritten Jahr kam er wieder und stiess mit mir zusammen; diesen Alten darf man nicht wieder frei lassen, wenn er herausgehen könnte, würde er weder mich noch dich am Leben lassen, er würde uns beide umbringen. Das Urteil musst du fällen, ihn lassen sofort hinrichten!" Der Padischah sagte, nachdem er die Worte des Alten gehört hat: "Geht in Ordnung, sehr gut, ich werde ihn hängen und zer­stückeln lassen!" Der alte Wächter ging wieder in sein Haus zurück. Der Padischah dachte, dass er zwecks Hinrichtung des alten Diebs einen Galgen aufstellt und das Volk zusammenruft. Als eines Tages einer der Söhne des Padischahs neben dem Eisenschloss mit seinem Bogen [60] in der Hand spielte, fiel ein von seinen Pfeilen durch den Kamin in das Schloss. Da er noch ein Kind war, dachte er, dass er um jeden Preis den Pfeil wieder beschaffen wird. Das Kind schlich um das Tor des Schlosses herum. Als der Alte den Klang der Kinderschritte vernahm, sprach er von innen zum Kind: "Wenn du die Tür öffnest, werde ich dir den Pfeil geben. Ich würde ihn dir auch so geben, aber du siehst ja, die Tür ist geschlossen, ich kann sie nicht öffnen." Das Kind sagte: "Aber Väterchen, ich habe diesen Schlüssel nicht, und ich weiss nicht, wo er ist." Da sagte der Alte zum Kind: Wenn du nicht weisst vom Schlüssel, ich weiss, dieser Schlüssel liegt in der Tasche auf der rechten Seite der Brust deiner Mutter, wenn du diesen Schlüssel von deiner Mutter wegnehmen würdest, das Schloss öffnen, so würdest du deinen Pfeil bekommen." Um den Schlüssel zu nehmen, ging das Kind nach Hause und begann um die Mutter herumzulungern. Als sich die Mutter einmal bückte, umarmte das Kind die Mutter, stibitzte den Schlüs­sel, ging heimlich ins Schloss und darauf achtend, dass es niemand sieht, öffnete es das Schloss. Als die Tür offen war, [61] machte sich der Alte

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