May István: Die Briefe von Antal Reguly an A. A. Kunik, 1845–1855 (A MTAK közleményei 25. Budapest, 1990)
Die Briefe Regulys an A. A. Kunik
50 Nachfolger? Ein Exemplar des 3 e n heftes 1849 der geogr. Zapiski könnte vielleicht Koppen noch erhalten und gütigst den Karten beilegen. Ist das deutsche Original nichtvorhanden? Mit voller Achtung u. Freundschaft Reguly 31. Pesth d. 10 febr. 1855. Geehrter Freund! Nach Empfang Deines Schreibens v. 3 e n Mai v. d. habe ich Toldy, der mit dem Bibliothekar des Debrecziner Collegiums in Briefwechsel steht gebeten, die Abschrift der dort aufbewahrten Cumanischen Vaterunser zu veranlassen. Ich selbst wollte Dich unterdess über den Stand der Cumanischen u. anderer verwandten forschungen bei uns unterrichten, und habe begonnen einzelnes durchzusehen. Leider hatte mein Gesundheits Zustand bei meinen vielen amtlichen Arbeiten, meine bald folgende Reise nach Marienbad (Beginn Juli) und andere nöthige Studien seit meiner Rückkehr (ende october) mich von der Verfolgung des gegenständes abgehalten. Ich theile Dir so mit nur zwei abhandlungen von Jerney im auszuge mit, deren erstere "über die Tataren (in) Ungarn" als anhang zum ersten Bande seiner Reise erschienen, letztere "über die Paloczen" jetzt in dem beginnenden hist. Archiv der Academie gedruckt wird. Inhalt ersterer ist kurz folgender: Die Geschichte der Cumanen in Ungarn lasst (!) sich von der Zeit ihrer Einwanderung daselbst bis auf heute in ununterbrochener Folge der Jahren nach öffentlichen Urkunden (Diplomen) u. anderen authentischen Documenten, mit ziemlicher Genauigkeit verfolgen. Wir ersehen aus ihr nicht nur die Geschichte ihrer einzelnen Niederlassungen deren beinahe, da den Namen u. ort nach uns bekannt ist, sondern auch die der ganzen Völkerschaft, als eines politisch selbständigen einheitlichen Körpers. Seit ihrem Hereintreten u. ihrer Niederlassung in den J. 1241 u. 1279 bis 1848 haben sie wohl manche Schicksale zu ertragen gehabt, aber die politische Stellung u. der innere Organismus der doppelten Cumania, der sogenannten grossen u. kleinen, hat sich im Verlaufe d. Jahrhunderte nicht geändert. Immer und gleichmässig hatten sie mit weniger ausnähme im 18. Jahrh. - ihr gemeinschaftliches Oberhaupt "Comes et Judex Jazygum et Cumanorum" während ihre eintzelnen Szék's (Sitze, Kreise) von erblichen Hauptleuten aus ihrer Mitte, nach den eigenen angestammten Einrichtungen, Sitten und Gebrauchen verwaltet u. regiert wurden. Und dennoch giebt es historische Beweise welche uns überführen wollen, dass dieses Volk, welches die bedeutende Zahl von 200.000 Seelen heute noch rechnet, trotz ihrer territorialen u. politischer abgeschlossenheit ihre angestammte Sprache abgelegt u. eine fremde Nationalität angenommen hatte.