György, Josef: Die Goethe-Sammlung Balthasar Elischers in der Bibliothek der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (A MTAK kiadványai 39. Budapest, 1963)

der Universität zu Pest in deutscher Sprache Wechselrecht vor. 4 2 Er war übrigens der erste Privatdozent für Wechselrecht an der Universität und nahm als solcher schon 1851 an den Fakultätssitzungen teil. Elischers Name wurde dank seiner gründlichen Fach­kenntnisse, vor allem auf dem Gebiete des ausländischen Handelsrechtes, in immer weiteren Kreisen bekannt und mehrere Pester Handelshäuser, sowie später auch die ehemalige Österreichisch-Ungarische Bank, beriefen ihn zu ihrem Rechtsanwalt. Im Jahre 1858 nahm er an den Arbeiten der Kommission teil, welche die neue Zivilpro­zessordnung kodifizierte. 4 3 Seit 1857 war er auch Rechtskonsulent der Handels- und Gewerbekammer. Im selben Jahr erschien seine Arbeit über die Grundbestimmungen für die Hypothekenabteilung der österreichischen Nationalbank, welche schon im fol­genden Jahre neu aufgelegt wurde. Die Drucklegung besorgte die Pester Druckerei Landerer und Heckenast. 4 4 Endlich wurde er 1864 zum Wechselnotar ernannt. 4 5 Auch im Verein der Budapester Advokaten spielte Balthasar Elischer eine bedeutende Rolle. Sein ausgebreiteter Freundes- und Bekanntenkreis, sowie seine markante Erscheinung Hessen ihn zu einer stadtbekannten Persönlichkeit werden. Auch die charitative Tä­tigkeit, die er gemeinsam mit seiner Gattin Wilhelmine, geb. Flandorffer, ausübte, verschaffte ihm hohes Ansehen. Der Rettungsgesellschaft, dem Krankenhaus des Poliklinischen Vereins, dem Kollegium zu Eperjes, der National-Musikschule, deren Gründungsmitglied er war, 4 6 den verschiedenen Frauenvereinen wendete er grössere Geldsummen zu. Der Kranken- und Bestattungsverein wählte ihn und seine Frau zu Ehrenmitgliedern, „in Würdigung der Verdienste, welche sich derselbe durch Förde­rung humanitärer, sowie speziell wohltätiger Zwecke erworben." 4 7 Bevor wir die Schlussakkorde der unermüdlichen und erfolgreichen Wirksamkeit Balthasar Elischers berühren, wollen wir Antwort auf die Frage suchen, was ihn dazu veranlasst haben mag, gerade Goethe-Reliquien zu sammeln, und was es war, das ihn, den scheinbar nüchternen Paragraphen-Menschen, in schwärmerischer Verehrung zu dem grossen Genius der Weltliteratur hinzog. Elischers Goethekultus erklärt sich in erster Linie aus seiner Herkunft und seiner gesellschaftlichen Umwelt. Er gehörte jener deutschungarischen bürgerlichen Schicht an, die seit dem zweiten Jahrzehnt des XIX. Jahrhunderts an der Literatur mehr nehmend als schaffend teilnahm und das eigentliche Publikum Goethes bildete, dessen Verehrung sich hier von Generation auf Generation vererbte. 4 8 Den Kern dieses Goethe­kultus bildeten die ungarländischen Studenten deutscher Zunge, die an der Universität Jena studierten, daher Gelegenheit hatten, Goethe persönlich kennen zu lernen, mit ihm in Verbindung zu treten, und die ausser den persönlichen Andenken (Stamm­büchern, Reliquien) auch die Werke der deutschen Klassiker mit nach Hause brachten. Der Zauber, der von Goethes Persönlichkeit ausging, die grosse Wirkung seiner Werke auf die ungarische Literatur ist eine längst geklärte Tatsache, wenngleich der Besuch 42 Bescheinigung in lateinischer Sprache, vom 15. März 1854, gezeichnet Franz Vizkelety, Dekan der Fakultät. GS. — Vgl. Fr. Eckhart, а. а. O. S. 407, 412, 674. Auch Eckhart ist der Meinung, Elischer habe im Ausland studiert. 43 Pallas Nagy Lexikona. I. pótkötet (I. Ergänzungsband). S. 423. 44 A szab. osztrák nemzeti bank zálog-hitel osztályát illető alaphatározatok. 2. kiad. (2. Aufl). Pest 1859. 45 Das Gesuch um die Ernennung zum Wechselnotar, der Notariatsstempel und das Pro­testbuch Elischers : GS Personalia. 46 In früheren Biographien erscheint Elischer irrtümlich als Gründungsmitglied der Musik­akademie. Vgl. Vajdafy Emil: A Nemzeti Zenede története. [Gesch. der National-Musikschule.] Budapest 1890. S. 145. Elischer war 1851—1859 Mitglied des Direktionsausschusses. 47 Das Ehrendiplom in ungarischer und deutscher Sprache : GS Personalia. 48 Pukánszky, Béla v.: Balthasar Elischer und seine Goethe-Sammlung. DUHB Bd. 4. 1932 S. 184. 16

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