Zalai Múzeum 8. (Zalaegerszeg, 1997)

Müller Róbert: Die Agrotechnik der Späteisenzeit im Karpatenbecken

92 Millier Róbert lungsgebieten die Acker wahrscheinlich quadratförmig. Im Ackerbau konnte die Rolle der Hacke ziemlich ge­ring sein. Beim Anbau der Faserpflanzen konnte man die Gerâte benützen, deren Form mit den Tüllenbeilen und Tüllenscharen gleich war, aber aufgrund der Abnüt­zungsspuren als Hacken zu bestimmen sind. Bei den beilförmigen Geraten deutet die abgerundete Schneide oder die Abnützung an der AuBenseite darauf hin, dali das Gerát als Hacke zu bestimmen ist, bei den „Scha­ren" ist die Spitze der Klinge an der entgegengesetzten Seite der Tüllenlappen abgenützt, deshalb waren diese Spitzhacken. Das Getreide wurde mit der Hakensichel geeratet. Diese Sicheln hatten keine Griffdorae, der Holzgriff wurde allgemein mit Hilfe des am Ende der Griffplatte aufgebogenen Domes und des in der Nâhe der Klingen­wurzel befindlichen Nietnagels befestigt. Seltener kam auch die Griffbefestigung mit einer Eichel vor. Aus dem Karpatenbecken ist bisher keine authentische spateisen­zeitliche Bogensichel bekannt. Mit Hakensicheln wurde im allgemeinen sensenartig geschwungen, aber es deutet auf die Getreideerntefunktion des Gérâtes hin, dali eines der in Munkács gefundenen Gerâte (LEHOCZKY, 1907. 156. Beschreibung; DERS. 1908. Taf. V.2, Abbil­dung) ausgezackte Schneide besitzt. Damit wurde natür­lich der Getreidehalm wie mit der Bogensichel ziehend abgeschnitten. Die schwingend benützten Hakensicheln waren auch zum Futtersammeln geeignet. So entwickelte sich dar­aus die Kurzstielsense, die mit Eichel und Sensenring an den Holzstiel befestigt wurde. Die Klinge und der Stiel wurden langer als bei der Hakensichel. Oft besteht ein Unterschied zwischen den beiden Geraten nur in der Gröfte. Die Klinge und der Stiel der Kurzstielsense schlossen einen stumpfen Winkel ein, so konnte man mit ihr in beidé Richtungen schwingen. Damit kamen wir auch ans Ende der Übersicht der Gerátetypen der ungarlándischen Kelten. Deshalb habén wir auch ge­meint, dali wir gegenüber der allgemein angenommenen Ansicht über keinerlei Beweise darüber verfügen, dali sich die Kelten im Karpatenbecken mit Weinbau bescháftigt hatten. Genauso habén wir die Voraussetzung nicht ange­nommen, dali die ungarlândische Kelten den mit schau­felfórmiger Schar versehenen Pflug gekannt habén. Die­se Meinung müssen wir jetzt überprüfen, da im Jahre 1992 an der authentischen Ausgrabung von László Hor­váth in Hahót (Kom. Zala) die erste ungarlândische, spáteisenzeitliche, schaufelförmige Pflugschar ans Ta­geslicht kam. Ich bin Herra L. Horváth zu Dank ver­pflichtet, dali ich dieses Gérât hier veröffentlichen darf. Der Fundort Hahót-Vadaskert ist seit 1981 bekannt, als L. Horváth nach einer Gelándebegehung eine kleinere Sondierungsgrabung hier durchführte. Dabei wurden spatbronzezeitliche (BD-HaA) Urnengráber, eine spatbronzezeitliche (HaA 2 ) Grube und Detail eines spát­eisenzeitlichen Grubenhauses gefunden. 1992 wurde ei­ne 400 m 2 grolie Fláche erschlossen, und es kamen vier spatbronzezeitliche (HaA 2 ) Gruben bzw. drei spáteisen­zeitliche (LT-C 2 ) keltische Hâuser ans Tageslicht. Das Objekt 4 war ein bilichen unregelmáliig viereckiges, 450 x 300 cm grolies keltisches Haus mit abgerundeten Ecken, das an der O-Seite bis 95, an der W-Seite bis 110 cm eingetieft war. Der Grund war sandig, verfügte über keinen verschmierten Boden, aber er war gut abge­treten und infolge der Benützung hárter als die Erde darüber. In den Grund vertieften sich keine Pfostenlö­cher. Die Grube des Hauses wurde mit hellgrauer Erde zugeschüttet. Auf dem Fuliboden kamen zwei gröliere Schüsselbruchstücke, 10-15 cm darüber weitere Kera­mikfragmente, ein Spinnwirtel und Tierknochen zum Vorschein. Die Zeitstellung der Keramik ist eindeutig, LT-C 2 und sie datiert die in einer Tiefe von 48 cm, ge­wili unter der gepflügten Schichte, in der Einfüllung des Hauses gefundene Pflugschar. Schaufelförmige Pflugschar. Lángé: 13,1 cm, davon die Tulle: 4,1 bzw. 3,9 cm; Schulterbreite: 8,7 cm; Tül­lenbreite: 7,2-6,8 cm; innen schmálert sich die Tulle von 5,6 bis 5,0 cm; Gewicht: 0,53 kg. Die untere Ebene der Klinge und der Tülle ist ganz gerade, die obère Oberflàche ist konvex. Sie hatte schon urspriinglich eine asymmetrische Form, die rechte Seite ist trotz der stár­keren Abnützung grölier. Es wurde so hergestellt, daft die abgerundete, dreieckförmige Eisenplatte beim An­satz der Tülle eingeschnitten wurde, die Tüllenlappen wurden eingebogen und dann der Rand der Klinge scharf gehámmert. Auf die waagerecht stehende Pflug­sohle konnte sie so befestigt werden, dali sie sich etwas nach rechts neigte (Abb. 2.). Aufgrund der Pflugschar aus Hahót ist es eindeutig, daft die ungarlándischen Kelten schon in der LT-C 2 Pé­riode den mit kleiner, schaufelförmiger Schar versehe­nen Pflug gekannt und benützt haben. Deshalb haltén wir es fur wichtig, daft wir kurz die Liste der friiher fur keltisch bezeichneten, schaufelförmigen Pflugschare überprüfen. Die Schar von Velemszenhnd ist leider nicht vorzufinden, wir kennen sie nur von Foto (HUNY AD Y, 1944. LIV. 23.). Laut Maftstab erreichte ihre Lange kaum das 9 cm, auch im Textband wurde diese Lange angegeben (HUNYADY, 1957. 27. als Spaten be­stimmt). Dieser mufi aber falsch sein, nàmlich in diesem Fall betrug die Breite der Schulter nicht einmal die 5 cm und mit einem so schmalen Pflug konnte man kaum Furche pflügen. Jedoch war diese Schar schon ur­spriinglich asymmetrisch, die Tülle und auch die Klinge sind asymmetrisch, die rechte Schulter war bedeutend mehr abgenützt. Die Proportionen sind anders wie bei der Schar aus Hahót, die Tülle ist auffallend lang, er­reicht die Hâlfte der Gesamtlànge. Deshalb konnen wir annehmen, daft sie nicht in waagerechter Lage, sondera

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