Zalai Múzeum 8. (Zalaegerszeg, 1997)

Müller Róbert: Die Agrotechnik der Späteisenzeit im Karpatenbecken

Die Agrotechnik der Spâteisenzeit im Karpatenbecken 93 mit der Erdoberfláche Spitzwinkel einschlieftend gear­beitet hat. /. Balassa hielt sie auch fïiir spâteisenzeitlich und gab ihre Lange mit 12 cm an (BALASSA, 1973. 85. und Anm. 69.). In der Wirklichkeit konnen die rich­tigen Mafie das Doppelte des angegebenen Maftstabes sein. Aufgrund der Analogien (MÜLLER, 1982. 213­214.) haltén wir unsere Meinung aufrecht, daii sie wahr­scheinlich ein römerzeitliches Gérât war. Über die im Jahre 1961 im Ung. Nationalmuseum neuinventarisierte (Inv. Nr.: R.o. 61.11.2.), vermutlich aus Nagyberki-Szalacska stammende, asymmetrische Schar hat sich /. Balassa unterschiedlich geàuftert. Er hat sie als wahrscheinlich spâteisenzeitlich (BALASSA, 1973. 85.) gekennzeichnet, aber auch als römerzeitlich veröffentlicht (BALASSA, 1972. Abb. 4L). Die 14,1 cm lange, 8,5 cm breite Schar ist rechtsseitig asymmetrisch, aber ursprünglich besaft sie bestimmt auch an der linken Seite eine Schulter. Wir stellten fest, dali die römerzeit­lichen, asymmetrischen Schare wesentlich gröfter und ihre Proportionen auch anders waren, deshalb hielten wir aufgrund der Analogie aus Nejdek (SACH, 1961. 79. Abb. 58/a.) diese eher für spâtvolkerwanderungs­zeitlich (MÜLLER, 1982. 149.). In Kenntniss des Exemplars aus Hahót könnte diese Schar auch aus der Spâteisenzeit stammen. In Nagyberki-Szalacska wurde auch die grofte Schar - Lange: 25,4 cm; Breite: 18,0 cm - gefunden, über die /. Balassa eben aufgrund des Fundortes annahm, daft sie keltisch sein könnte (BALASSA, 1972. 359. und Abb. 4.). Der Fundort kann aber nicht bestimmend sein, da das keltische Oppidum auch in der Römerzeit dicht be­wohnt war. Die Abmessungen und die Parallelen bewei­sen eindeutig, daft es sich hier um eine römerzeitliche Schar handelt (MÜLLER, 1982. 148.). Wir kennen noch eine weitere Schar aus Nagyberki­Szalacska, die /. Balassa unterschiedlich beurteilte. Er veröffentlichte sie als römerzeitlich (BALASSA, 1972. 366. und Abb. 23.) und setzte voraus, daft sie eventuell aus der Spâteisenzeit stammt (BALASSA, 1973. 85. und Abb. 24/b.). Die Analogien der im Verhàltnis zur Lange auffallend breiten, über gut ausgebildete Schultern verfügenden Schar - Lange: 18,0 cm, Breite: 17,0 cm - deuten darauf hin, daft sie in die Römerzeit zu datieren ist (MÜLLER, 1982. 149.). Aus der Gemeinde Csabrendek sind keltische wie auch römische Funde zahlreich bekannt, aber über die Fundumstânde hat der Sammler K. Darnay nur selten berichtet. Von hier stammt eine verhâltnismâftig kleine, etwas asymmetrische Schar. Die linké Seite der Klinge ist einigermaften starker, die linké Schulter ist gerade, die rechte abfallend. Lange: 17,5 cm; Breite: 12,1 cm. Darnay veröffentlichte sie als römerzeitlich (DARNAY, 1904. 197.), Balassa hielt es für vorstellbar, daft sie aus der Spâteisenzeit stammt (BALASSA, 1972. 360. und Abb, 6.). Ich meinte aus Mangel an keltischen, schaufel­förmigen Pílugscharen, daft sie römerzeitlich sein könn­te, habé aber bemerkt, daft die kaiserzeitlichen Analo­gien aile langer als 20 cm sind (MÜLLER, 1982. 325.). Jetzt muft ich meine Anschauung revidieren, auch diese Schar könnte keltisch sein. /. Balassa hat noch eine Schar veröffentlicht und nur aufgrund des Fundortes an­genommen, daft sie vielleicht keltisch ist (BALASSA, 1972. 360. und Abb. 5.). Der Fundort dieses Gérâtes ist aber nicht Csabrendek, die 21,5 cm lange, 16,3 cm brei­te Schar ist ein Streufund aus Hány (Kom. Somogy) und es besteht kein Grund, sie nicht für römerzeitlich zu be­zeichnen (MÜLLER, 1982. 343.) Mit Hilfe der Schar aus Hahót kann man also nach unserer Meinung über weitere zwei schaufelförmige Pflugschare voraussetzen, daft sie aus der Spâteisenzeit stammen. Von der LT-C 2 Période an kann man damit rechnen, daft die langen, schmalen Schare und die brei­teren, manchmal schon etwas asymmetrischen, schau­felförmigen Schare durch die Kelten parallel benützt wurden. Dieses Zusammenleben der zwei verschiedenen Pflüge erklârte /. Balassa damit, daft die mit langen, schmalen Scharen versehenen Pflüge an frisch gerode­ten Terrains, bei bewurzelten oder steinigen Böden be­nützt wurden, dagegen die Pflüge mit schaufelförmigen Scharen eher zur Bebauung der seit lángerer Zeit be­nützten Àcker geeignet waren (BALASSA, 1973. 85.). Die Abnützungsspuren zeigen, daft mit den Letzteren auch das Beetpflügen versucht wurde. Zusammenfassend können wir feststellen, daft wenn auch die ungarlàndischen Kelten nicht allé Errun­genschaften der Spâteisenzeit kennten und benützten, das Niveau ihrer Agrotechnik doch fortgeschrittener war als wir das bis jetzt angenommen habén. Nach der römischen Eroberung Transdanubiens verbreiteten sich die entwickelteren Agrargerâte relativ rasch, und sie verdrángten die einfacheren, undifferenzierten, spàteisenzeitlichen Formen (MÜLLER, 1994. 191.)

Next

/
Thumbnails
Contents