Zalai Múzeum 8. (Zalaegerszeg, 1997)

Müller Róbert: Die Agrotechnik der Späteisenzeit im Karpatenbecken

ZALAI MÚZEUM 8 1997 Müller Róbert: Die Agrotechnik der Spâteisenzeit im Karpatenbecken Die Erforschung der Spâteisenzeit bedeutet weiterhin in erster Linie die Erschlieliung von Gráberfeldern, nur wenige Forscher hielten für wichtig, systematische Aus­grabungen in den Siedlungen durchzuführen (HORVÁTH, 1978. 21.; DERS., 1987. 59.). Die Er­schlieftung der Siedlungen ergibt nur selten sehenswerte Funde, aber sie körmén mit sehr wertvollen Angaben zur Lebensform und darin zur Agrotechnik dienen. Lei­der wurde paláobotanisches Material bei den Ausgra­bungen kaum gesammelt. Mit den paláozoologischen Funden stehen wir besser, aber derén Mehrheit ist auch noch nicht bestimmt. Tierknochen stammen auch aus Grábern. Die Geflügel- und die Schweineknochen be­weisen, dali die Kelten in standig bewohnten Siedlungen lebten. Aber auf das verháltnismáJiig niedrige Niveau der Tierzucht deutet es hin, dali zwar schon Strabon (V. 1, 8.) über den Rindhandel der Kelten berichtete, doch wurde die körperlich gröliere bos primigenius-Art erst in der Römerzeit in Pannonién verbreitet, aufgrund der Knochenfiinde wurde die körperlich kleinere bos brachyceros-Art in der Spâteisenzeit gezüchtet. Die Bedeutung der Viehzucht konnte in den verschiedenen Siedlungen und Gegenden abweichend gewesen sein. Im Handwerker-Viertel des Oppidums Gellérthegy-Tabán z.B. war die Proportion der Knochen der Jagdtiere auffállig hoch (B. BÓNIS, 1969.). Als ich vor 20 Jahren die eisernen Agrargeráte der ungarischen Museen zusammensammelte, war ich ge­zwungen, auf verháltnismálMg wenig spáteisenzeitliche Gegenstande gestützt die keltische Agrotechnik im Kar­patenbecken zu schildern (MÜLLER, 1982. 543-546.). Diese Geráte stammen teilweise aus âlteren Ausgrabun­gen oder Streufunden aus dem Areal verschiedener Op­pidi (Munkács-Gallishegy-Lovácska, Nagyberki-Sza­lacska, Velemszentvid), teilweise aus verborgenen Ei­sengeràtfunden (Aba, Felsőszentiván, Halimba, Kapos­mérő, Nagyhalász, Petneháza). Mit Hilfe dessen gelang es mir, mehrere Streufunde bzw. Gegenstande ohne Fundort als spáteisenzeitlich zu identifizieren. Die Zahl der charakteristischen Typen war gering und aufgrund dessen schien das Niveau des Ackerbaus der Kelten im Karpatenbecken im Vergleich zu den benachbarten Ge­bieten niedriger zu sein. Ich habé gemeint, dali die hei­mische Forschung die Agrotechnik der ungarlandischen Kelten überwertete, indem sie die Kenntnisse solcher Gegenstande, die bis dorthin nur aus Gebieten von uns nördlich - Spatenbeschlag aus Stradonitz, schaufelför­mige Pflugschar aus Kolin - oder süd-südwestlich ­Schaftlochbeile, Krummesser mit Tülle, Pflüge mit schaufelförmigen Scharen und teilweise mit Sechen aus­gerüstet und lange Sensen aus den Fundorten der Idria­Gruppe - in der Spâteisenzeit bekannt waren, als selbst­verstandlich angenommen hatte, und deshalb kam es ziemlich oft vor, dali römerzeitliche, völkerwanderungs­zeitliche, sogar mittelalterliche Eisengerate als keltisch bezeichnet wurden. Aufgrund der bestimmt keltischen Funde benützte man zu der Rodung Tüllenbeile und Tüllenáxte. Zu die­ser Arbeit konnten auch diese, aus Grábern bekannten langen Messer gebraucht werden, die ursprünglich als Waffen dienten, aber auch im Haushalt eine Rolle spie­len konnten (TAKÁCS, 1966. 32-37.). Der Umbruch des Bodens wurde mit durch Ochsen gezogenen Haken­pflügen durchgeführt. Die aus Holz hergestellten Pflüge wurden mit langen, schmalen Eisenscharen versehen. Die Breite der Klinge ist kaum 1/4-1/5 Teil der Ge­samtlánge. Die Konstruktion der Pflüge konnte ver­schieden sein. Diese Schare, bei denen die Tüllenlappen auffallend láng sind, wurden gewili so auf den Pflug montiert, dali sie einen grölieren Winkel mit der Boden­fláche eingeschlossen haben, hingegen die, bei denen die Tülle nur die Hálfte oder ein Drittel der Gesamtlán­ge war, einen kleineren Winkel eingeschlossen haben, und wurden auf die Pflugsohle montiert. Auf die Benüt­zung der Sohlenpflüge deutet auch die in Nagyberki­Szalacska gemndene Schar mit Doppeltülle hin (DARNAY, 1910. 136. und Abb.22.), ihre Analogie ist aus Puchóv bekannt (MÜLLER, 1982. 364-365.). /. Ba­lassa nahm an, dali die obère Tülle an einer von dem gekrümmten Grindel hinabreichenden Stange, die unte­re Tülle an der Pflugsohle angebracht war (BALASSA, 1973. 78.). Diese Stange konnte einen Winkel von etwa 18-20° mit der Sohle einschlielien. Die Konstruktion dieses Pfluges konnte dem ganz aus Holz hergestellten Pflug aus dem 8.Jahrhundert aus Dabergotz áhnlich sein (BENTZIEN, 1968.). Dies beweist gleichzeitig das lan­ge Weiterleben dieses Typs (Abb.l.). Mit den mit lan­gen, schmalen Scharen ausgestatteten Pflügen wurde der Boden kreuz und quer aufgeackert, deshalb waren auch bei uns, wie in den anderen keltischen Sied-

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