Zalai Múzeum 8. (Zalaegerszeg, 1997)
Ramls, Peter C.: Die hallstatt-/latenezeitliche Siedlungsstruktur in Niederösterreich
ZALAI MÚZEUM 8 1997 Karl, Raimund: Latènezeitliche Siedlungsstruktur in Niederösterreich 1. Einleîtung Fragen zur latènezeitlichen Besiedlung Niederösterreichs wurden seit Jahren in Österreich nur selten gestellt, was zu einer bedauerlichen Liicke im Wissenstand iiber die Latènezeit Europas und einem im Vergleich zu Nachbarlàndern iiberholten Forschungsstand geführt hat. 1 Durch im Augenblick laufende Projekté besteht aber die Hoffnung, daft dieser in naher Zukunft erheblich verbessert werden wird, zusatzlich zu den in den letzten drei bis vier Jahren entstandenen guten Arbeiten zu diesem Thema. 2 Diese Arbeit ist als ein Versuch, diese Liicke ein kleines Stuck weiter zu schliefíen und weitere Arbeiten auf diesem Gebiet anzuregen, zu verstehen. Zu diesem Zweck soil sie den augenblicklichen Stand der Forschung über Flachlandsiedlungen, die in Niederösterreich immer noch etwas stiefmütterlich behandelt werden, zusammengefasst darstellen. Hierzu soil aber gleich vorweg festgestellt werden, daft diese Arbeit eine reine Literaturarbeit ist, und dementsprechend nur so exakt sein kann, wie die ihr zugrundeliegenden Quellenarbeiten. Im speziellen Fall sind dies hauptsâchlich die diversen Berichte in den Fundberichten aus Österreich 3 und einige andere Publikationen, die zur Erstellung der Kartenunterlagen herangezogen wurden, 4 und aus derén Stúdium sich auch die weiteren Ergebnisse ableiten. Es war mir leider nicht moglich, die einzelnen Berichte zu überprüfen, 5 deshalb wurden nur offensichtliche Fehldatierungen geândert und auch nur dann Datierungen zu Quellberichten hinzugefugt, wenn diese aus Abbildungen oder Beschreibungen eindeutig abzuleiten waren. Aus diesen Grundén kann und will diese Arbeit keinen Anspruch auf Vollstandigkeit erheben. 2. Zum Problem der zeitlichen Untergliederung Eines der gröftten Problème, das sich aus der Aufarbeitung der Fundberichte ergibt, ist das der zeitlichen Untergliederung der Latènezeit. Es stellt sich hier das Problem, dali die Heimatforscher, von denen der überwiegende Teil der in den FÖ abgedruckten Berichten stammt, immer noch der veralteten Lehrmeinung anhângen, das der sogenannte Kammstrichhorizont ausschliefilich dem Spâtlatène angehört. Deshalb wird von ihnen jede Fundstelle, auf der sie kammstrichverzierte Keramik ohne andere, gut datierbare Funde finden, automatisch ins Latène D, oder in noch schlimmeren Fallen bis hinauf in die achziger Jahre ins sogenannte „augustâische Spâtlatène" 6 dauert. Da nun aber die Kammstrichkeramik bereits deutlich friiher einsetzt, erschien es notwendig, um nicht ein fast vollstandiges Fehlen von Latène С aufgrund dieser Datierungen zu bekommen, die Stufen Latène С und D zu einem gemeinsamen Abschnitt zusammenzufassen. Dieser lâftt sich meiner Einschátzung nach, eben aufgrund der Quellenlage, im Augenblick nicht nâher untergliedern, auch wenn solche Untergliederungen, die auch sehr gut fundiert sind, bereits existieren. 7 Deshalb ist, in dieser Arbeit, die Latènezeit nur in drei Abschnitte, nàmlich in Latène A, Latène В und Latène C-D unterteilt. 3. Die latènezeitlichen Siedlungen in Niederösterreich Erstes Ziel dieser Arbeit war es, eine Verbreitungskarte der latènezeitlichen Siedlungen in Niederösterreich (Abb. 1) zu erstellen. Zu diesem Zweck wurde der Forschungsstand bis zum Jahr 1990 aufgearbeitet, spàtere Arbeiten wurden nur randlich miteinbezogen. Des weiteren wurde, wo möglich, versucht, die Datierungen zu den Siedlungen anzugeben, und diese ebenfalls auf der Verbreitungskarte der Siedlungen eingetragen (Abb. 2-4). Aus dem auf diese Weise gewonnenen Kartenmaterial wurde anschliefiend versucht, Schluftfolgerungen zu ziehen, die des weiteren erlâutert werden. Doch vorerst soil erst einmal ein Überblick iiber die latènezeitlichen Siedlungen in Niederösterreich gégében werden.