Zalai Múzeum 8. (Zalaegerszeg, 1997)

Ramls, Peter C.: Die hallstatt-/latenezeitliche Siedlungsstruktur in Niederösterreich

52 Karl, Raimund Pol.Bezirk Latène A Latène В Latène C-D Gesamt Amstetten 0 0 1 2 Baden 0 0 0 2 Bruck/Leitha 0 3 4 11 Gànserndorf 0 4 33 58 Hollabrunn 3 4 15 37 Horn 12 18 27 71 Korneuburg 1 0 22 24 Krems 2 3 14 24 Melk 1 1 1 4 Mistelbach 0 2 29 65 Mödling 0 0 2 5 Neunkirchen 0 0 1 1 StPölten 6 9 13 28 Tulln 2 2 6 17 Waidhofen/Thaya 0 1 2 3 Wien 0 0 9 11 Wien Umgebung 1 1 0 2 Wr.Neustadt 0 0 2 3 Zwettl 0 0 0 1 Gesamt 28 47 181 332 Tabelle 1 : Latènezeitliche Siedlungen in Niederösterreich (Datierungen und Gesamtzahl) 3.1. Die Besiedlungsgeschichte Niederösterreichs im Latène A In der Phase Latène A (Abb. 2) breitet sich die Latè­nekultur, vermutlich dem Donaulauf folgend, nach Osten aus, wobei sich rasch die Latèneform annehmen­de, innovative Zentren herauszubilden scheinen, vor al­lém südlich der Donau im Traisental und im Wiener Becken. 8 Von diesen Zentren aus entwickelt sich die La­tènekultur durch den Austausch von Kulturgiitern mit den benachbarten Gebieten. Dieser Austausch ist beson­ders deutlich am Beispiel des Waldviertels zu erkennen, wo die dort ansâssige Spáthallstattkultur durch intensive Kontakté, vermutlich mit dem benachbarten Traisental, langsam zu einer „latènezeitlichen Hallstattkultur", 9 dem Typus Kamegg-Polgen-Maiersch nach H. Maurer 10 umgewandelt wird, wobei dieses Beziehungsverhàltnis scheinbar seinen Ausdruck in der kontinuierlichen Sied­lungsentwicklung im Waldviertel findet. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, daft das leicht zugangliche und fruchtbare Weinviertel zu dieser Zeit noch keine Latèneformen aufweist, was hier wahrscheinlich nicht auf einer Forschungslücke beruht, da im Weinviertel einige sehr aktive Heimatforscher ta­tig sind, sodaii sich die Frage stellt, wie die Besiedlung dieses Gebietes wâhrend des Latène A ausgesehen hat. 11 Ob diese Siedlungsleere mit klimatischen Verhaltnissen, wie von Karl Kaus 12 fur die Hallstattkultur vorge­schlagen wurde, zusammenhangt, oder ob dafiir andere Faktorén ausschlaggebend sind, muli vorerst noch of­fenbleiben. Jedenfalls aber deckt sich das siedlungsleere Gebiet nicht mit dem der Hallstattkultur, sondera geht weit iiber dieses hinaus, indem es so gut wie das ganze Weinviertel umfalit. 3.2. Die Besiedlungsgeschichte Niederösterreichs im Latène В Im Latène В beginnt sich die Besiedlung von den Zentren des Latène A aus immer starker auszudehnen, und auch die Besiedlungsdichte in den Zentralgebieten des Latène A nimmt zu. Dies zeigt sich auch klar an­hand der Verbreitungskarte des Latène В (Abb. 3). Im Waldviertel lebt der Typus Kamegg-Poigen­Maiersch weiter, auch hier ist eine Ausdehnung des Verbreitungsgebietes und eine Zunahme der Besied­lungsdichte festzustellen. Auch im Weinviertel beginnt ein erstes, allerdings noch sehr spárliches Auftreten latènezeitlicher Besied­lung. Im Westen des Weinviertels, im Bezirk Holla­brunn, lassen sich immer noch nur Fundorte des Typs Kamegg-Poigen-Maiersch finden, im Osten hingegen treten erste klassische Latèneformen auf. Die ersten Be­siedlungszentren, die hier zu finden sind, befinden sich interessanterweise eher im nordlichen Weinviertel, vor allem entlang des Verlaufs der March und ihrer Neben­flüsse. Im Augenblick erscheint es also, als ob die Be­siedlung dieses Gebietes von Norden her, also aus dem máhrischen Gebiet her erfolgte. Dies ist allerdings noch mit grolier Vorsicht zu betrachten, hier könnten eventu­ell gezielt Grabungen Aufschluft bringen.

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