Zalai Múzeum 5. (Zalaegerszeg, 1994)

Hänsel, Bernhard–Medovic, Predrag: Bronzezeitliche Inkrustationskeramik aus Feudvar bei Mošorin an der Theissmündung

190 Hansel, Bernhard —Medovic, Predrag in seiner Gesamtheit erst 1993 fertig aufgenommen sein, die kompiette Bearbeitung der groBen Menge an Keramik mit statistischen Methoden wird sich erst daran anschlie­Ben körmén. So sind die hier mitgeteilten Beobachtungen von vorlaufigem Wert, sie wurden wàhrend der Grabung und bei der Aufnahme der wichtigsten Fundstiicke rur die Inventarbücher des Museums gemacht. Es ist wahrschein­lich, daB bei der Durchsicht des gesamten, mehr als 100.000 Fundstiicke umfassenden Bestandes noch das eine oder andere, die hier gemachten Aussagen relativierende GefàBfragment auftauchen wird. Die Tendenz der be­obachteten, hier kurz angerissenen Formenentwicklung dürfte jedoch Bestand haben. Die zeitliche Abfolge und der Befund der Schichten ist folgender : Unter der Grasnarbe direkt liegt eine Siedlungs­horizont mit verhàltnismàBig vielen ganzen GefáBen, der wohl auf eine gewaltsame Zerstörung und Auflassung der letzten Besiedlung zurückgeht. Er gehört in die altère Hallstattzeit zentralmitteleuropàischer Terminologie. Darunter folgen Bebauungsperioden der Zeit der Basarabi-Kultur sowie der mittleren und spâten Urnenfel­derzeit, die nach P. Medovic als Kalakaca-Periode bezeichnet werden soUte. Ohne erkennbaren Bruch geht diese Phase aus einem Schichtenbereich mit schwarzglân­zender, scharfkantig kannelierter Keramik von Gava-Art hervor, die ihrerseits bruchlos aus einem Ablagerungs­abschnitt mit mittelbronzezeitlicher Spàtvattina-Ware er­wàchst. Dieser Besiedlungszeitraum zwischen Reinecke BB 2 und HaAj ist vorwiegend durch Gruben gekenn­zeichnet, die die Flàche sehr stark zerfurchen. Nur gelegentlich gibt es Hausreste in der Form von Herden, FuBböden bzw. derén Resten. Eine genaue, fur die gesamte Grabungsflàche gültige stratigraphische Gliederung fur diese Zeit ist nicht zu geben, wenn auch der Befund der Abfolge insgesamt recht klar ist. Nur an einigen im Befund günstigen Stellen laBt sie sich komplett beschreiben, da der Platz zu dieser Zeit verhàltnismàBig weitflàchig bebaut war und somit groBe Zonen in den ver­schiedenen Perioden often lieB, die lediglich durch weit gestreuten Abfallauftrag eine gewisse Ablagerungsbil­dung erhalten konnten. Ganz anders stellte sich der Befund unter dieser mittel­bis spàtbronzezeitlichen Période dar: Die (im Sinne Reineckes Terminologie) als àlterbronzezeitliche Schichtung zu bezeichnende Ablagerung war wesentlich besser erhalten. Sechs oder mehr Hausbauphasen wurden iibereinanderliegend freigelegt. Zwar durch Gruben gestört aber in ihren FuBböden, mit Herden, Hauswânden bis zu 30 cm erhaltener Höhe und den dazugehörigen Pfostenlöchern klar belegt, zeichneten sich einzelnen Grundrisse von Hàusern ab. Sie lagen dicht beieinander waren rektangular aufeinander bezogene und durch schmale Gassen von meist weniger als einem Meter Breite voneinander getrennt. Dire MaBe betrugen durchschnitt­lich 5—6 m in der Breite und 8—12 m in der Lange. Al­lesamt waren sie bei Brandkatastrophen zugrunde gegan­gen und über den 10 bis 40 cm màchtigen, nach Planierun­gen verbliebenen Brandresten wurde dann ein neues Gebáude errichtet, das den Schutt des Vorgangers gut ver­siegelte und damit eine klare stratigraphische Abfolge fur das in den Hàusern und ihrem Schutt gefundene Material erbrachte. Unglücklicherweise waren die Aufrâumarbei­ten nach den Brànden von recht unterschiedlicher Griind­lichkeit. Es gibt einige Zerstörungsschichten mit viel Fund­einschlüssen, bei anderen sind die Schuttablagerungen aber weitgehend beseitigt worden, so daB nicht gleichmà­Big viel Fundstoff fur jede einzelne Bauphase iiberliefert ist. Im groBen und ganzen wurde beim Wiederaufbau die Parzellierung der einzelnen Gebâude beibehalten, die Hàuser àndern Lage und GröBe nur geringfügig, nicht jedoch die Ausrichtung, die stets gleichblieb. Abb. 5 gibt fur eine der Grabungsflâchen die Grundrisse der drei obersten frühbronzezeitlichen Hausbauphasen exem­plarisch wieder. Die Reihe könnte noch fur drei weitere Bauten nach unten fortgesetzt werden. Ohne hier die Stratigraphie im einzelnen besprechen zu wollen, mufi gesagt werden, daB die klare, durch die Superposition der Hàuser bedingte Schichtengliederung nicht auf allés Fundmaterial anwendbar ist. Die Güte der Stratifizierung kann man in fiinf Klassen einteilen: 1. Gegenstànde von den HausfuBböden und aus dem zu diesen Böden gehörenden Wandverstürzen, aus Herden und anderen Baukörpern. 2. Funde aus Planierungsschichten; diese können auch aus einer friiher entstandenen Ablagerung, also aus âlteren Positionen sekundàr verlagert sein. Die Verlagerungs­möglichkeit beschrânkt sich jedoch nur auf eine oder zwei vorausgehenden Hausbauphasen und ist grundsàtzlich nicht sehr wahrscheinlich. 3. Funde von den StraBen- und Platzbereichen. Sie kön­nen angesichts der stets recht gleichmâBig grauen Fàrbung der StraBenablagerungen jeweils nur mehreren Haus­bauphasen zusammen zugewiesen werden. Nur fur eine kleine Zahl gelingt es, genaue Hausphasen zu ermitteln. Unglücklicherweise ist diese Fundkategorie besonders groB. StraBen, Gassen und Plàtze sind als Abfallzonen gerne benutzt worden. 4. Funde aus Gruben sind grundsàtzlich von stratigraphisch unterschiedlichem Wert, je nachdem, wie der Auffullungsvorgang beobachtet und die Oberkante der Grube in einen Schichtenzusammenhang eingeordnet werden konnte. In einigen Fallen gelang dies den Aus­grábern sehr gut, in anderen iiberhaupt nicht. 5. Funde, deren stratigraphische Zuordnung — aus wel­chen Grundén auch immer — nicht möglich oder gesichert ist. Legt man unterschiedlich strenge MaBstàbe an, so ste­hen unterschiedliche Mengen an Fundstoff zur Verfiigung.

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