Zalai Múzeum 5. (Zalaegerszeg, 1994)

Hänsel, Bernhard–Medovic, Predrag: Bronzezeitliche Inkrustationskeramik aus Feudvar bei Mošorin an der Theissmündung

Bronzezeitliche Inkrustationskeramik aus Feudvar bei Mosorin an der Theifimündung 191 Hier sollen, nachdem die Gesamtdurcharbeitung der Ke­ramik noch nicht abgeschlossen ist, innerhalb der Schichtenabfolge von mindestens sechs Hausbauphasen lediglich allgemeinere Begriffe wie jüngere, mittlere und altère Phase der Hausabfolge innerhalb eines Zeitab­schnitts genutzt werden, der durch die Vattina-Kultur geprágt ist. Für die Vattina-Kultur gilt zwar, daB dies weder ausreichend beschrieben noch unseren heutigen Anforderungen entsprechend gegliedert, noch gegen Nachbarerscheinungen abgegrenzt ist. Dariiber hinaus wird der Begriff in der Literátor nicht einheitlich an­gewandt. 8 Beim derzeitigen Forschungsstand, der durch das jüngst erschienene Buch von T. Soroceanu über die Maros/Mures-Kultor einen Impuis bekommen hat, 9 wird man ganz vernünftig fur den Raum der südlichen TheiB mit dem Begriff , ,Kultor der KantharosgröBe" im Sinne von Bona operieren, 10 ohne eine allzu enge, ethnische Grundvorstellungen oder Vorurteile weckende Kultur­gruppenzuordnung vorzunehmen. Es geht beim gegen­wártigen Forschungsstand bei unseren Kultorgruppen­definitionen um keramische Formenkreise und um nichts mehr. Innerhalb der Hausabfolge von Feudvar bei Mosorin gibt es einen gut stratifizierten und zeitlich eng begrenzten Metallgegenstand, der fur die zeitliche Verankerung wichtig ist. Unmittelbar über dem Gebàudeschnitt der Hausstelle Ш auf Abb. 51. wurde eine Bronzenadel gefun­den (Abb. 61), die den AbschluB der Série kontinuierlich übereinandergebauter Hàuser datiert. Sie gehört ganz an den Anfang der mittelbronzezeitlichen Période im Sinne der Zeitstofe der voll entwickelten Koszider-Bronzen oder anders gesagt an den Anfang von MD П bzw. von Reinecke BBj. Einige lockerer und unregelmáBiger über die Sied­lungsflàche von Feudvar gestreuter Gebàudereste, zu de­nen viele Gruben gehören, sind zeitlich spater als die Nadel, die ganze Sequenz rektangularer und enger Be­bauung (Abb. 5) ist alter. Wann sie beginnt ist beim der­zeitigen Stand der Grabung nicht mit Sicherheit anzuge­ben. Es hat aber den Anschein, als begànne sie nach der Zeit, die durch das Gráberfeld von Mokrin 11 charak­terisiert ist, also im Sinne Reineckes in der entwickelteren Friihbronzezeit, der Stofe BA 2 . Nach heutigen Vorstellun­gen zur absoluten Chronologie, die auf Daten dend­rochronologischer Stodien und auf 14 C-Messungen basieren, 12 könnte die Abfolge der regelmáBigen Be­bauung irgendwann nach der Jahrtausendwende begonnen und etwa um 1500 v. Chr. ihr Ende gefunden haben. Durchschnittlich 40—60 Jahre kommen maximal fur eine Hausbauphase in Betracht. Kommen wir nun auf die Stellung der inkrustierten Ke­ramik innerhalb und auBerhalb dieser Sequenz zu sprechen. Grundsàtzlich ist zu sagen, daB sie innerhalb des nach Vattina-Art gepràgten Milieus eine zahlenmáBig stark untergeordnete Rolle spielt. Unter der Siedlungske­ramik gibt es nur wenige Prozente verzierter Ware — und unter dieser wiederum nur einen kleinen Teil, den man unseren herkömmlich defmierten Kultureinheiten wie südpannonisch inkrustierter Ware, Szeremle-Gruppe, Dubovac-Zuto Brdo und Gîrla Mare zuordnen kann. DaB der fur die südliche Vojvodina und den serbischen Donauraum typischen Inkrustationsstil nach Pancevo— Omoljica-Art seine verhaltnismáBig kurze zeitliche Begrenzung am Ende der Haussequenz, das heiBt am Ende der Phase Reinecke A 2 und im Übergangsfeld zur Mittelbronzezeit (MD I) hat, wurde von uns andernorts bereits dargelegt. 13 Hier sollen andere keramische Stile, die durch die Abbildungen 7 bis 9 repràsentiert sind in ihrer zeitlichen Stellung behandelt werden. Betrachtet man die auf Abb. 7—9 zusammengestellten Stocke, so fallt sofőrt der Unterschied zwischen der Abb. 7 einerseits und 8 und 9 andererseits auf. Scharf profilierte, nahezu dop­pelkonische Tassén mit Trichterhals tragen groBe, alléin stehende und damit recht augenfallig wirkende Kreis­muster (Abb. 7), die allenfalls durch untergeordnetes, gleichfalls alléin stehendes Beiwerk (Abb. 7, 2—4) gar­niert sind. Stratigraphisch gehört diese Ware in eine Zeit der àlteren und vielleicht noch mittleren Hausabfolge, das heiBt in eine Période vor dem Pancevo— Omolj ica-Stil oder vor der Mehrheit der auf den folgenden zwei Abbil­dungen verzeichneten Stücke. Ordnet man sie in die beste­henden Nomenklatoren ein, so müssen sie in ein altères Reinecke A^, in die Phase FD II oder В П nach A. Mo­zsolics bzw. in die mittlere Bronzezeit П nach Bona gehö­ren. In Ungarn haben die Tassén aus Feudvar ihre recht guten Parallelen in dem Gráberfeld von Izsák, Kom. Pest, das Bona als „Vatya-Szeremle— Gráberfeld" anspricht. 14 Auch in der Siedlung von Alpár, Kom. Bács-Kiskun, kommt dieser Zierstil aus der TheiBgegend vor. 15 Man wird diese Art der groBfláchigen, alleinstehenden Kreis­muster als eine spezielle Ziertechnik des Donau— TheiB—Zwischenlandes zu verstehen haben, dessen Zeit­stellung durch die Grabungen in Feudvar am Anfang der Phase mit Inkrustationsverzierungen prázisiert worden ist. Ob damit auch ein Anhaltspunkt für die immer noch ungeklárte innere Gliederung der Vatya-Kultor gégében ist, 16 wird sich zeigen, wenn einmal die Nekropole von Izsák П durchgearbeitet werden sollte. Auf jeden Fali kann man von Feudvar ausgehend sagen, daB der Szeremle-Stil jünger ist als jene groBen Kreismuster. Intéressant ist, daB in Feudvar eine ganze Reihe von Gefáfitypen das Kreisor­nament tragen: Doppelkonische Tassén (Abb. 7,1—3,5), kleine Nápfe (Abb. 7,7), Schulterbereiche groBer engmun­diger GefaBe mit steilem Trichterhals (Abb. 7,8) und breite KnickwandgefáBe mit einem grofien Trichterrand (Abb. 7,6). Man sollte aus dieser das bessere Gebrauchsreper­toire an Keramik abdeckenden Formenvielfalt schliefien, daB die zahlenmáBig marginalen Stücke in Feudvar doch keine Importe sind, sondern vor Ort oder in der Um-

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