Ljudje ob Muri. Népek a Mura Mentén 2. kötet (Zalaegerszeg, 1998)

Peter Krenn (Graz): Die gescheiterte Rückeroberung von Kanischa 1601 und ihre Auswirkungen auf das Landeszeughaus in Graz

Die gescheiterte Rückeroberung von Kanischa 1601 und ihre Auswirkungen auf das Landeszeughaus in Graz seinem Landesherrn, wenn er persönlich in den Krieg zog, Gefolgschaft zu leisten hatte. Insgesamt kam eine Streitmacht von ca. 24.000 Mann zusammen. Den nominellen Oberbefehtl führte Erzherzog Ferdinand. Doch der 23-jährige Regent war ganz und gar keine Führernatur, hatte von militärischen Dingen keine Ahnung und war daher völlig unfähig, die unterschied­lichen Truppenkontingente mit ihren verschiedenen Befehlshabern zusammenzuhalten. Bei den Ereignissen während der Belagerung war Ferdinand kaum mehr als ein passiver Zuschauer, dem es gar nicht in den Sinn gekommen wäre, selbst in das Geschehen einzugreifen. Er verleg­te sich darauf, wie er es selbst ausdrückte, alles mit Geduld zu ertragen und vertraute schier unerschütterlich auf Gottes Hilfe. Dieser Mangel einer zentralen Führungsinstanz ließ den Erfolg der mit viel Eifer gestarteten militärischen Aktion von Anfang an zweifelhaft erscheinen, um so mehr als man zu spät damit begann. Es war schon der 23. August als Ferdinand mit seinem Bruder Maximilian nach einem feierlichen Gottesdienst im Grazer Dom zum Feldzug aufbrach. Auf der Murinsel, also am Zusammenfluß von Mur und Drau, errichtete man ein Lager, wo alle Truppenteile zusammentrafen. Am 9. September erreichte der Vortrab des Belagerunsheeres Kanischa. Bei der nun folgenden Errichtung des Lagers sowie der Planung der Belagerungsaktionen wurden etliche gravierende Fehler gemacht, die kriegserfahrene Beobachter in Erstaunen versetzten. So versäumte man es z.B., das eigene Lager so anzulegen, daß dem Türken die Zufuhr von Truppen, Proviant und Munition in die Festung unterbunden würde. Am hellen Tage, so wird berichtet, konnte der Feind Reisigbündel und Futter für seine Pferde holen, in seinem Bau stets ein- und ausgehen wie es ihm beliebte. Eine weitere Dummheit war es auch, Ferdinands Zelt an der Spitze des Lagers aufbauen zu lassen, dort wo dem Fürsten am meisten Gefahr drohte. Aber Ferdinand setzte in die Anordnungen der italienischen Heerführer, die die Belagerung leiteten, unbedingtes Vertrauen. Besonders gravierend war aber, daß deren Unkenntnis des Geländes und die falsche Einschätzung des Feindes gepaart mit mangelndem Angriffsgeist viel Zeit verstreichen ließ, bis dem Türken, der sich unter dem gefinkelten Hassan gut zu verteidigen wußte, ernstlich mit Geschützbeschuß zugesetzt wurde. Zu einem herzhaften Sturmangriff ließ man sich erst sehr spät, nämlich am 28. Oktober herbei, doch verpufften alle Anstrengungen auf geradezu lächerlich anmutende Weise, weil die eingesetzten Sturmleitern zu kurz waren, sodaß die Angreifer bis zum Hals im Moor versanken, das die Festung umgab, und von den Türken von oben herab leicht beschossen werden konnten. Dazu muß freilich auch gesagt werden, daß diese Belagerung noch unter einem anderen Unstern stand, nämlich dem katastrophal schlechten Wetter. Jetzt rächte sich der späte Aufbruch, das lange Zögern mit dem Sturm auf die Festung. In der Nacht vom 25. auf den 26. September setzten nämlich schwere Regenfalle ein gefolgt von einem empfindlichen Temperatursturz. Kälte und Hunger setzten fortan den armen Soldaten schwer zu, von denen viele kein Zelt hatten und hunderte erbärmlich erfroren. Die Italiener, an diese Temperaturen natürlich nicht gewöhnt, desertierten scharenweise und der Allgemeinzustand des Belagerungsheeres verschlechterte sich zur Freude der Türken von Tag zu Tag. Nicht einmal die Nachricht der Kaiserlichen bei Stuhl-Weißenburg am 15. Oktober konnte Hassans Moral trüben, der offenbar erkannt hatte, daß sein Gegner harmlos war. Durch geschickte Verteilung seiner Geschütze und Truppen, die ca. 1.500 Mann betrugen, setzte er den Belagerern empfindlich zu. Da half auch nichts mehr, daß Ferdinand seine Pferde für Kriegsführen hergab, Zelte für die Herstellung von Sandsäcken opferte und außerdem Geld aus seiner Privatschatulle zuschoß. 199

Next

/
Thumbnails
Contents