Ljudje ob Muri. Népek a Mura Mentén 2. kötet (Zalaegerszeg, 1998)

Peter Krenn (Graz): Die gescheiterte Rückeroberung von Kanischa 1601 und ihre Auswirkungen auf das Landeszeughaus in Graz

Peter KRENN Am 14. November trafen die siegreichen kaiserlichen Truppen von Stuhl-Weißenburg kommend und geführt von Feldmarschall Rußworm, in Kanischa ein, um die Belagerer zu verstärken. Es hatte inzwischen zu schneien begonnen und die Verluste bei den Soldaten wie auch Pferden, die dem Wetter schutzlos ausgeliefert waren, gingen in die Tausende. Graf Hermann Christoph von Rußworm, damals 36 jährig, stammte aus Thüringen und war ein hochbegabter Militär, der sich am ungarischen Kriegsschauplatz gegen die Türken schon mehrmals bewährt hatte. Als er sich von den Belagerungsanstalten und den dafür verantwortlichen italienischen Befehlshabern ein Bild gemacht hatte, war er entsetzt über soviel Stümperhaftigkeit, Ignoranz und Ratlosigkeit. Vom Erzherzog um ein Gutachten gebeten, nahm er sich kein Blatt vor den Mund, sondern stellte die begangenen Fehler schonungslos heraus: man habe die ganze Zeit da schönes Wetter war nichts erreicht und dem Feind keine Streichwehr genommen; man habe die Festung am stärksten Ort, nämlich den zwei Rondellen angegriffen, was verkehrt war; man habe dem Feind die Zufahrtswege zur Festung nicht versperrt, daher sei die ganze bisherige Mühe umsonst gewesen. Wollte man noch entwas ordentliches ausrichten müßte man von vorne beginnen und zwar auf ganz andere Weise. Das sei aber jetzt bei so fortgeschrittener Jahreszeit nicht mehr möglich. Und wie bisher weiter zu tun hieße das Kriegsvolk vorsätzlich auf die Fleischbank zu führen. Man könne noch ein Winterlager einrichten oder aber die Belagerung ganz aufgeben und abziehen. Ferdinand entschied sich sofort für den Abzug, der am 16. November vor sich ging. Die Italiener verlangten den Vortrab und hatten es besonders eilig wegzukommen, wobei sie sich um ihre Kranken und Verwundeten überhaupt nicht kümmerten. Ferdinand bat Rußworm und Herberstein die gefährdetere Nachhut zu bilden, was von ihnen als große Ehre betrachtet wurde. Rußworm bemüht sich das Geschütz, insgesamt 42 Kanonen, mitzuführen, doch mangelte es an Zuggeschirr, sodaß er die Stücke sprengen lassen mußte. Die Zelte wurden verbrannt, Lagergeräte, Belagerungswerkzeuge, 14.000 Flinten und das Silbergeschirr aus des Erzherzogs Zelt wurden eine Beute des Feindes. Besonders schlimm war es, daß auch die ca. 6.000 Verwundeten und Kranken, die man mangels Wagen doch nicht mitnehmen konnte, dem Feinde in die Hände fielen, der sie alle töten ließ. Für Feldmarschall Rußworm, der diese gründlich verpatzte Kriegsunternehmung auch nicht mehr hatte zum besseren ändern können, wurde Kanischa zur schicksalhaften Wende in seinem noch jungen Leben. Die Italiener, die in der kaiserlichen Armee damals eine starke Lobby bildeten und auch einige Räte am Grazer Hof beschuldigten ihn, er habe frühzeitig die Aufhebung der Belagerung veranlaßt und damit einen Erfolg der Kaiserlichen verspielt. Diese geradezu lächerlichen Vorwürfe fanden jedoch Gehör bei dem ehrgeizigen Erzherzog Matthias, der für die Italiener Partei ergriff. Durch geschicktes Intrigieren gelang es ihnen dem armen Rußworm einige Delikte in die Schuhe zu schieben, die schließlich 1603 zu seiner Hinrichtung führten. Und Erzherzog Ferdinand: nun er zeigte sich über den unglücklichen Ausgang seines Kriegsunternehmens geraume Zeit niedergeschlagen und stumm, um so mehr als die Lutherischen seinen Mißerfolg als augenscheinliche Strafe und Warnung des Himmels ausriefen. Es war Wolf von Eggenberg, der ihm bei der Tafel mit den Worten tröstete: „Von den großen Potentaten hat keiner ohne Rückschläge regiert und erst im Unglück könne man seine Beständigkeit und Vernunft erzeigen. Außerdem wollen Eure Durchlaucht sich trösten, nicht der Feind, das Unwetter hat sie von der Belagerung zum weichen gebracht." Kanischa 200

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