Ljudje ob Muri. Népek a Mura Mentén 2. kötet (Zalaegerszeg, 1998)

Peter Krenn (Graz): Die gescheiterte Rückeroberung von Kanischa 1601 und ihre Auswirkungen auf das Landeszeughaus in Graz

Peter KRENN Graf Mansfeld die Festung Gran/Esztergom den Türken zu entreissen. Dieser Sieg wurde aber noch überstrahlt von der Rückeroberung der Festung Raab 1598, durch den Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen in Ungarn, Adolf von Schwarzenberg sowie Niklas Palffy. Da der Festung zur Sicherung des Hauptweges nach Wien größte Bedeutung zugemessen wurde, löste dieser Sieg große Erleichterung und Begeisterung aus. Nun aber waren wieder die Türken am Zug und bemächtigten sich im Jahre 1600 der Festung Kanischa. Damit wären wir also am Ort des Geschehens, das im Brennpunkt dieser Ausfuhrungen liegen soll. Kanischa, 1566 von Kaiser Maximilian IL von der Witwe des Thomas Nádasdy erworben und in morastigem Gelände zur Festung ausgebaut, bildete das wichtige Verbindungsstück von der zwischen Save und Drau gelegenen windischen Grenze zu der nördlich daran anschließenden und bis zur Donau reichenden ungarischen Grenze, der es auch angehörte. Sie galt als wichtigste Flankensicherung der Steiermark im Osten und darüberhinaus sogar als „Schlüssel Deutschlands". Wegen ihrer Bedeutung hatten sich die Steirer, Kärntner und Krainer sogar bereitgefunden mit dem Kaiser die Kosten für ihren Unterhalt zu teilen. Der Verlust dieser Festung, so meinte man deshalb, würde das Land in die schlimmste Gefahr stürzen. Freilich, die Befürchtungen waren durchaus berechtigt gewesen, denn obwohl man schon seit Monaten von der Absicht des Feindes erfahren hatte, waren die Vorbereitungen zur ausreichenden Versorgung der Festung nur sehr schleppend vor sich gegangen. Ihr Kommandant, Oberst Paradeiser, hatte vergeblich um Verstärkung gebeten und mußte letztlich mit c. 600 Mann Besatzung die ihm anvertraute „Schlüsselfestung" gegen ein von Wesir Ibrahim Pascha befehligtes, an die 100.000 Mann starkes türkisches Belagerungs­heer verteidigen. Ein Entsatzversuch kaiserlicher Truppen unter dem Oberkommando des Feldmarschalls Herzog von Mercoeur scheiterte an Versorgungsschwierigkeiten und man mußte die bedrängte Festung und ihre Besatzung sich selbst überlassen. Deren weiteres Schicksal ist bekannt. Oberst Paradeiser, von den eigenen Leuten gedrängt, übergab in aussichtsloser Lage die Festung am 20. Oktober nach 1 monatiger Belagerung an den weit überlegenen Feind. Wie schon dem Grafen Hardegg so wurde auch ihm der Prozeß gemacht und alles deutet daraufhin, daß er weniger wegen militärischer Fehler verurteilt wurde sondern weil er Protestant war. Am 19. Oktober 1601, als der Entsatzversuch noch im Gange war, wurde er in Wien öffentlich durch das Schwert hingerichtet. Den Verlust Kanischas empfand die gesamte Christenheit als großes Unglück. Während in Konstantinopel das Ereignis vier Tage lang gefeiert wurde, beklagte der Papst „mit weinenden Augen" die Niederlage der christlichen Waffen. Eine Rückeroberung zum ehest möglichen Zeitpunkt wurde geplant, um diese kritische Situation zu bereinigen und tatsächlich kam es zu einer beachtlichen internationalen Solidaritätsaktion der katholischen Länder. Der Papst schickte ca. 8.000 Mann unter dem Kommando seines Neffen, des Fürsten Francesco Aldo Brandini; der Großherzog von Toskana ein Kontingent unter dem Befehl seines Bruders Giovanni di Medici; der Herzog Vincenco von Mantua, mit dem steirschen Ferdinand blutsverwandt kam mit Reitern und Fußvolk; 6.000 Mann Hilfstruppen, vorwiegend Deutsche, schickte Spanien unter dem Kommando von Gaudenz von Madruz; 1.000 deutsche Arkebusiere sandte der Kaiser; die steirischen Gültpferde, um 1.000 verstärkt, führte Siegmund von Herberstein; freiwillige der windischen Grenze der kroatische Ban; weitere Soldaten aus der kroatischen und -Meergrenze sowie Innerösterrreich befehligte Hans Friedrich von Trautmannsdorf; nicht zu vergessen den persönlichen Zuzug des Adels, der nach alter Sitte 198

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