Ljudje ob Muri. Népek a Mura Mentén 2. kötet (Zalaegerszeg, 1998)
Othmar Pickl (Graz): Das Grenzverteidigungssystem gegen die Türken in Ungarn. Nationale Unterschiede in Strategie und Taktik der Osmanen-Abwehr
Othmar PICKL Der Banus von Kroatien, Graf Niclas Zrínyi, setzte jedoch seinen Plan durch, schon Ende Jänner 1664 einen Winterstreifzug bis Fünfkirchen/Pecs und 60 km weiter zur „langen Brücke" bei Esseg/Osijek zu unternehmen. Dazu wurden ihm Rheinbundtruppen unter Graf Hohenlohe (6.000 Mann zu Fuß und 1.100 Reiter) zugewiesen. Diese Truppen mußte Montecuccoli von der Hauptarmee an der Donau abgeben. Vom 20. Jänner bis 5. Februar 1664 unternahm Graf Zrínyi mit ca. 19.000 Mann seinen großen Steifzug. Er eroberte die Kastelle Bersencze, Babocsa und Bares zurück und besetzte schließlich am 28. Jänner die Vorstädte und am 29. Jänner 1664 die Stadt Fünfkirchen/Pecs, die 150 km Luftlinie von Cakovec entfernt liegt. Die türkische Besatzung aber konnte sich in der Festung halten. Nicht zuletzt hatte der eroberte Wein verhindert, daß man die Zitadelle von Fünfkirchen nicht im ersten Ansturm erobern konnte. Während das Fußvolk die Zitadelle einschloß, zog Graf Zrínyi gegen Osijek, um die berühmte „lange Brücke" zu zerstören. Diese hatte eine Länge von 7 km und galt als der zweitwichtigste strategische Punkt in Ungarn nach Ofen/Buda. Sämtliche türkische Großangriffe gegen Mitteleuropa wurden von 1526-1683 über diese Brücke vorgetragen. Zrínyi zerstörte die Brücke durch Brand, doch konnte sie von den Türken innerhalb kürzester Zeit wieder aufgebaut werden. Jedenfalls konnte der Großvesir Köpröli schon im Mai 1664 mit dem türkischen Hauptheer darüber vorrücken. Sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückzug wurden von Zrínyi 500 bis 800 Dörfer niedergebrannt. Darüberhinaus hatte man 12.000 Stück Vieh aus den niedergebrannten Dörfern weggeführt. In Flugblättern wurde dieser Streifzug als einmaliger Erfolg der christlichen Seite gerühmt und auch die Reichsstände waren fasziniert von der Leichtigkeit, mit welcher der edle und abenteuerliche Ritter Zrínyi so reiche Beute machen konnte. Montecuccoli verurteilte hingegen den Streifzug Zrínyi vor allem deshalb, weil die meisten Bauern in den verwüsteten Gebieten Christen waren und ihnen die Brandschatzung und Plünderung mehr schadete als den Türken. Nach diesem Erfolg schien die Rückeroberung der Feste Kanischa ein bloßer Spaziergang zu sein. Vor allem glaubten die Reichsstände zu Regensburg, daß ein greifbarer Erfolg nicht so sehr durch die Hauptarmee an der Donau, sondern viel eher am Südflügel bei Zrínyi errungen werden könne. Dadurch verlagerte sich das Schwergewicht des Kriegsgeschehens nunmehr an die Donau bzw. an die Murmündung in diesen Fluß. Durch Zrínyis Steifzug war die ursprüngliche Feldzugsplanung an der Donau über den Haufen geworfen worden und jene Summen und Truppen verloren, die nun der Hauptarmee fehlten. Denn die Reichstruppen Hohenlohes waren durch den Steifzug Zrinys auf die Hälfte reduziert. Auch die von Zrínyi geforderte und von den Reichsständen unterstützte Belagerung der Festung Kanischa scheiterte schließlich, weil der Großvesir die nur teilweise zerstörte „lange Brücke" aufgebaut hatte und mit dem Hauptheer heranrückte. In der Folge geriet das Korps des Grafen Zrínyi an der Mur in eine äußerst gefährliche Situation, als er das von ihm errichtete und bloß durch Pallisaden geschützte Kastell Neu-Serinwar verteidigen wollte. Die Lage wurde so kritisch, daß der Kaiser Feldmarschall Montecuccoli an die Mur schickte, um hier eine Katastrophe zu verhindern. Als Montecuccoli einen Angriff gegen das türkische Hauptheer über die Mur hinweg durchaus zurecht nicht riskierte, und die unbedeutende Feste Serinwar fiel, verließ Zrínyi mit seinen Truppen grollend das Heer. Von seiner Burg Tschakathurn versandte er Klageschreiben über Montecuccoli in alle Welt. Dabei hatte 188