Ljudje ob Muri. Népek a Mura Mentén 2. kötet (Zalaegerszeg, 1998)
Othmar Pickl (Graz): Das Grenzverteidigungssystem gegen die Türken in Ungarn. Nationale Unterschiede in Strategie und Taktik der Osmanen-Abwehr
Das Grenzverteidigungssystem gegen die Türken in Ungarn Montecuccoli am Südflügel eine militärische Katastrophe verhindert. Es war dann gleichfalls Montecuccoli s Feldherrnkunst und sein militärischer Verdienst, daß die kaiserliche Armee den Wettlauf zur Raab gegen die Türken gewann und schließlich bei Mogersdorf am 1. August 1664 den berühmten Sieg über den türkischen Großvesir Köpröli erringen konnte. 30 Die leichte Reiterei der Magnaten Nadasdy und Batthyány hatten zwar die Türken am 26. und 27. Juli daran gehindert, über die Raab zu kommen, doch an der Entscheidungsschlacht von Mogersdorf/St. Gotthard am 1. August 1664 nahm das Korps Nadasdy, das raababwärts am linken Flügel ganz in der Nähe stand, nicht teil. Der General-Quartiermeister der Reichskaiserarmee, Johann von Stauffenberg, bemerkte das in seinem Schlachtbericht sehr verärgert und bedauerte auch, daß das Königreich Ungarn nicht einmal ein Korps von 5.000 Mann auch nur ein Monat lang im Feld halten könne. Gegen das türkische Hauptheer waren aber Erfolge nur durch ein reguläres und nach den Regeln der Kriegskunst geführtes Heer zu erzielen. Stauffenberg berichtet anderseits auch über das tief eingewurzelte Mißtrauen der Ungarn gegenüber den Deutschen und umgekehrt. Hätten doch die deutschen Truppen an vielen Orten nicht besser gehaust als die Türken und Tataren, „außer, daß sie die Leute nicht so niedersäbelten und gefangen hinwegführten''. 31 Es waren eben der nationale und vom Wiener Hof zweifellos unverstandene Freiheitsdrang der Ungarn einerseits sowie die absolutistische und konfessionelle Strenge des Wiener Hofes anderseits, was neben den Ausschreitungen der Festungsbesatzungen nun den „Deutschenhaß" schürte, der im 17. Jh. den „Türkenhaß" abgelöst hatte. Als der Friedensschluß von Vasvar/Eisenburg (1664) so erfolgte, als ob der Sieg von Mogersdorf gar nicht errungen worden wäre, vertraten viele Ungarn die Ansicht, daß die Autonomie Ungarns unter der Oberherrschaft der Türken leichter zu erreichen sei als unter den Habsburgéra. Für den so unbefriedigenden Frieden von Vasvar/Eisenburg war jedoch außer der Erschöpfung der Erblande sowie dem schlimmen Zustand des Heeres nach dem Feldzug von 1663/64 und dem Mißtrauen Wiens gegenüber den Ungarn vor allem maßgebend, daß sich der Kaiser in Hinblick auf eine bevorstehende Auseinandersetzung mit den Franzosen im Osten Ruhe verschaffen mußte. Für diesen Aspekt der Reichspolitik des Kaisers hatte man in Ungarn natürlich kein Verständnis. Daß der Friedensschluß von Vasvar/Eisenburg in Ungarn entschieden abgelehnt wurde, ist absolut verständlich, daß man auf ungarischer Seite hingegen nicht erkannte, daß Ungarn auch 1664 nur durch fremde Truppen gerettet worden war, ist hingegen ebenso unverständlich. Es kam in der Folge sogar zu jenen Verhandlungen der Ungarn mit Frankreich, in deren Verlauf Katharina Zrínyi Ludwig XIV die Krone Ungarns anbot und zur Adelsverschwörung. Daß Kaiser Leopold I. nach der Niederschlagung des Aufstandes in Ungarn den Absolutismus einfuhren wollte, bewirkte geradezu zwangsläufig den Kuruzzenaufstand vom August 1672. 32 Die Führung der aufständischen Kuruzzen übernahmen im August 1678 Emmerich Thököly. Nun sah sich Kaiser Leopold I. 1681 auf dem Reichstag von Ödenburg zu seinen Zugeständnissen gezwungen, die in Staats- und verfassungsrechtlicher Hinsicht einen vollen Rückzug der Krone bzw. des Kaisers bedeutete. Der absolutistische Vorstoß der Habsburger wurde damit feierlich abgetan, doch wurden die Ergebnisse des Reichstages von 1681 durch den großen Türkenkrieg von 1683 rasch überholt. Im Türkenjahr 1683 stellte sich Thököly offen auf die Seite der Türken und selbst 189