Ljudje ob Muri. Népek a Mura Mentén 2. kötet (Zalaegerszeg, 1998)
Othmar Pickl (Graz): Das Grenzverteidigungssystem gegen die Türken in Ungarn. Nationale Unterschiede in Strategie und Taktik der Osmanen-Abwehr
Das Grenzverteidigungssystem gegen die Türken in Ungarn Durch den 15jährigen Krieg waren die Finanzen der Habsburger erschöpft worden, weshalb der Sold und auch die Zahl der Grenzwächter drastisch verringert werden mußte, wodurch das Verteidigungssystem erheblich geschwächt wurde. 26 Auch vom ungarischen Adel wurde die Grenzverteidigung seit dem Bocskai-Aufstand (1605/1606) - und dies nach dem Urteil ungarischer Historiker (Salamon) - vernachlässigt. Von 1609-1647 wälzte der ungarische Adel die Kosten der Landesverteidigung vollständig auf die Bauern ab und entzog sich auch der Verpflichtung zur Stellung stehender Truppen in den Grenzfestungen. Da auch der Kaiser während und als Folge des 30jährigen Krieges die Besatzungen nicht in voller Stärke erhalten und voll bezahlen konnte, wurden die Husaren und Haj ducken der Grenzfestungen zur Plage der Umgebung und Schrecken der Bauern. 1641 sollten in den sechs Grenzabschnitten 5.300 Husaren und 16.900 Haj ducken stehen; davon rund 70% Ungarn, 14% Deutsche und 16% Kroaten, doch diese S o 1 1 - Stärke existierte bloß auf dem Papier, die I s t - Stärke betrug höchstens 1/3 und selbst diese Truppen wurden nur ungenügend besoldet und verproviantisiert. 27 Die Mängel der ungarischen Landesverteidigung mußten daher durch die Heranziehung von nicht-ungarischen Truppen aus den Regimentern des kaiserlichen Heeres ausgeglichen werden. 1662 lagen etwa 18.000 Mann kaiserlicher Truppen in den Grenzfestungen des Restkönigreiches. Diese fremden, überwiegend deutschsprechenden Truppen verübten natürlich auch Gewalttätigkeiten und räuberische Streifzüge, doch diese wurden natürlich viel schärfer verurteilt als die Untaten der eigenen Soldateska. 28 Das bewirkte nun einen Deutschenhaß", der gleichsam den ungarischen „Türkenhaß" des 16. Jdhts. ablöste. Auf ungarischer Seite verwies man darauf, daß die dauernde Anwesenheit dieser fremden Truppen gegen die Rechte und Privilegien Ungarns verstoße. Befürchtete man doch nicht unberechtigt, daß die Habsburger mit ihrer Hilfe den Absolutismus und die katholische Gegenrestauration durchfuhren wollte. So stand sich der formale Rechtsstandpunkt der Magyarn und die militärische Notwendigkeit diametral gegenüber. 29 Ab 1661 standen sich im kaiserlichen Feldherren Montecuccoli und dem Grafen Nicolaus Zrínyi zwei Männer gegenüber, die völlig gegensätzliche Auffassungen über die Art und Weise der Kriegführung gegen die Türken vertraten. Montecuccoli war als Methodiker des Krieges zugleich ein Meister der Kriegskunst. Er suchte den Feind lieber auszumanövrieren, als auf den zweifelhaften Ausgang einer Feldschlacht zu setzen. Der kühne und impulsive Zrínyi hingegen war für seine überraschenden Streifzüge weit ins türkische Gebiet hinein berühmt. Das aber entsprach in keinster Weise der streng methodischen Strategie und Taktik Montecuccolis, der erkannte, daß das türkische Hauptheer nur von einer strategisch geführten Armee besiegt werden kann. Die ungarischen und kaiserlichen Truppen im Türkenjahr 1663/64 Am Beispiel dieses Feldzuges von 1664 kann die grundverschiedene Einstellung zum Kampf und ebenso verschiedene Kampfesweise gegen die Türken der Ungarn einerseits und der kaiserlichen bzw. österreichischen Truppen anderseits aufgezeigt werden. Für den Feldzug des Jahres 1664 hatte man das kaiserliche Heer immerhin auf eine Stärke von 36.000 Mann zu Fuß und 15.000 schwere und leichte Reiter gebracht. Die Hauptarmee sollte nach dem Plan von General Montecuccoli entlang der Donau vorstoßen und die Festung Gran erobern. 187