Ljudje ob Muri. Népek a Mura Mentén 2. kötet (Zalaegerszeg, 1998)
Othmar Pickl (Graz): Das Grenzverteidigungssystem gegen die Türken in Ungarn. Nationale Unterschiede in Strategie und Taktik der Osmanen-Abwehr
Das Grenzverteidigungssystem gegen die Türken in Ungarn Zalaegerszeg. Die Gesamtstärke des Entsatzheeres ohne die ungarischen und anderen Hilfskontingente betrug 17.000 Mann, darunter 3.000 zu Pferd, Ihnen standen mindestens 40.000 Türken gegenüber. 21 Zu diesem Zeitpunkt beschossen die Türken nach 15tägiger Belagerung die Festung Kanischa bereits aus 9 Schanzen und am 25. September um 7.00 Uhr früh erfolgte der erste türkische Generalsturm gegen die Festung Kanischa von drei Seiten, der aber glücklich abgewehrt werden konnte. In der folgenden Nacht explodierten in der Festung durch Unvorsichtigkeit des Zeugwarts 70 Zentner Pulver, was zu einer fürchterlichen Explosion führte, die ein Drittel des Schlosses zerstörte und etwa 150 Mann verschüttete. In den folgenden Tagen wurde die Festung von der türkischen Artillerie schwer beschossen, doch hoffte die Besatzung auf das Heranrücken des Entsatzheeres, das am 3. Oktober in Letenye an der Drau (das ist ca. 18 km von Kanischa entfernt) eintraf und vom 6. bis 7. Oktober gegen das Lager der türkischen Belagerungsarmee vorrückte. In schweren Gefechten erlitten die Türken am 7. und 8. Oktober zwar hohe Verluste, doch gelang kein entscheidender Erfolg. Als in der Nacht auf den 9. Oktober 3000 Mann des ungarischen, kroatischen und windischen Landvolkes desertierte und der Proviantmangel dazu führte, daß bereits viele Soldaten an Entkräftung starben, forderten die Obersten von Herzog Mercoeur den Abzug der Armee, damit diese nicht den Türken gleichsam auf die Schlachtbank geliefert werde. Durch einen inzwischen eingetroffenen Versorgungskonvoi mit 300 Wagen Brot und 80 Wagen Hafer konnte jedoch nur etwa die Hälfte der Mannschaft und der Pferde versorgt werden. Daher entschloß man sich am 10. Oktober zum Rückzug, der in harten Kämpfen gegen die nachstoßenden Türken immerhin erfolgreich durchgeführt werden konnte. Als sich die Armee am 16. Oktober auf der Murinsel (Muraköz) sammelte, hatte sie nur mehr die halbe Stärke (d.h. etwa 9.000 Mann). Der Entsatzversuch, der schon von allem Anfang an unter einem denkbar ungünstigen Stern gestanden hatte, war damit - vor allem wegen des Mangels an Proviant - endgültig gescheitert. 22 Dem Herzog Mercoeur als Oberkommandierenden des Entsatzheeres war durchaus klar, daß damit wohl auch die Festung Kanischa verloren sein müßte. In der Festung selbst hatte man am 15. Oktober nur mehr 25 Zentner Pulver und angesichts des heftigen Beschüsses und der forcierten Schanzarbeiten erklärten am 20. Oktober abends die ungarischen Truppen erstmals, sie könnten wegen des unaufhörlichen Beschüsses die äußersten Bollwerke nicht mehr halten, begaben sich aber auf die Ermahnungen Paradeisers dennoch nocheinmal auf ihre Posten zurück. Paradeiser versuchte durch seinen ungarischen Diener Janusch Diak Herberstein über die Lage in der Festung zu informieren. Diak wurde jedoch von den Türken gefangen und am 19. Oktober gezwungen, von den Belagerungsschanzen aus die Besatzung zur Übergabe zu überreden. Diese Übergabeaufforderung sei jedoch abgewiesen worden. Als man am 21. Oktober - offenbar wegen Mangels an Pulver - ein Schießverbot erließ, das nur bei äußerster Gefahr übertreten werden durfte, wurden die ersten Forderungen nach Kapitulation laut, denn auch die Befehlshaber zweifelten daran, daß die Festung noch länger gehalten werden könne. Als die Gefahr bestand, daß der Türke jeden Augenblick über den schon eingeebneten Graben setzen könnte, forderte „ein Schwall ungarischen und deutschen Kriegsvolks" unter ihrem Anführer Peter Chey den Kommandanten Paradeiser auf, die Festung „Kanischa den Türken auf Treu und Glauben zu übergeben". Die deutschen Knechte erklärten dazu „was den Ungarn billig sei, wäre ihnen auch recht". Dennoch habe Paradeiser auch jetzt einer Übergabe noch 185