Ljudje ob Muri. Népek a Mura Mentén 2. kötet (Zalaegerszeg, 1998)
Leopold Toifl (Graz): Kurioses und Makabres von der Militärgrenze
Leopold TOIFL gekennzeichnete Eilbriefe. Unterhalb der Empfangeranschrift war der mehrmalige Vermerk „Cito", also „Eile", geschrieben, der mitunter durch einen stilisierten Galgen ergänzt wurde. Der Verlust solcher Schreiben konnte die Todesstrafe für den Boten nach sich ziehen. Trotz aller Bemühungen der steirischen Landschaft, das Postwesen so straff als möglich zu organisieren und klaglos aufrecht zu erhalten, funktionierte die Beförderung der Schriftstücke nicht immer nach Wunsch. Ein Beispiel aus dem Jahr 1555 vermag dies deutlich und sogar in belustigender Weise zu demonstrieren. Am 15. September verfaßte nämlich Landeshauptmann Hans Ungnad eine Beschwerde an den Bestandsinhaber von Spielfeld, Gregor Stadler. Darin bemängelte Ungnad, daß Gerüchten zufolge die beiden Murfähren in Spielfeld und Ehrenhausen nur sehr schlecht funktionierten, aber trotzdem Überfuhrgeld von den das Transportmittel benutzenden Postreitern verlangt werde. Außerdem kämen die Briefsendungen immer häufiger verspätet in ihren Bestimmungsorten an. In einer von steigender Türkengefahr gekennzeichneten Zeit könne dieser Zustand nicht geduldet werden. Unverblümt forderte Ungnad den Gregor Stadler auf, künftig auf die Einhebung des Überfuhrgeldes bei landschaftlichen Postsendungen zur und von der Grenze zu verzichten und zudem den Fährbetrieb in tadelloser Weise aufrecht zu erhalten. 13 Gregor Stadler, sichtlich nicht auf den Mund gefallen, ließ sich mit der Antwort nicht lange Zeit und den Landeshauptmann am 18. September wissen: es entspreche keinesfalls der Tatsache, daß die beiden Murfähren „zerbrochen worden" sind. Vielmehr würden sowohl die Hölzer des Plättenbodens als auch die Zugseile „bei Tag und Nacht" gewartet. Eine eventuelle Inspektion werde dies beweisen. Nach dieser einleitenden Feststellung begann Stadler die tatsächlichen Gründe für das Zustandekommen der Verzögerung bei der Briefbeförderung darzulegen. Seinen Recherchen nach übergab der an der Landschabrücke stationierte Postmeister Heinrich (Mair) 14 die Briefsendungen an vertrauenswürdige Leute, nicht ohne diesen auch ein „kleines Trinkgeld" zuzustecken. Offenbar sollte diese monetäre Zuwendung als Anreiz zur rascheren Weiterbeförderung der Schritstücke dienen, doch wie so oft, verkehrten sich auch hier hehre Motive ins Gegenteil. Es stellte sich nämlich heraus, daß die Boten das Trinkgeld allzu wörtlich nahmen und „offt ainhalben vnnd gannzen tag ettwo bei ainer Preeß" in den Windischen Büheln 15 saßen und mitunter erst spät Abends „voll angetrunken" zur Murfähre kamen, wenn diese wegen Dunkelheit nicht mehr verkehrte. Mitunter arteten die Saufgelage sogar in handfeste Schlägereien aus: selbst Heinrich Mair soll sich, wie andere Postreiter auch, „dermassen vberweint, volgundts mit Pauern geraufft vnd geschlagen" haben, daß er mehrmals blutend und verwundet an die Fährstation kam. Stadler beobachtete dieses Treiben des öfteren selbst und verhängte sogar Strafen, doch bewirkten solche keinerlei Besserung. Das Problem der BriefVerspätungen wäre nicht akut, „wenn sich die Postreiter vom Wein nicht aufhalten Hessen", klagte Stadler. 16 Abschließend nahm Stadler Stellung zu dem Überführgeld, das künftig einzuheben ihm von Ungnad untersagt worden war. 17 Er wies darauf hin, daß die Instandhaltung der Fähre jährlich mit großen Unkosten verbunden ist. Zudem müßten die aus der Fähre resultierenden Einkünfte ohnedies versteuert werden. Wenn nun kein Benutzergeld mehr verlangt werden dürfe, sei die Aufrechterhaltung des Fährbetriebes unrentabel und könne nicht mehr gewährleistet werden. Abschließend, und unter Hinweis, daß die ohnedies gut besoldeten Postreiter auch andernorts derlei Abgaben zu leisten hätten, richtete Gregor Stadler namens seiner Frau Elena und seiner Kinder an Hans Ungnad das Ersuchen, auch weiterhin 174