Ljudje ob Muri. Népek a Mura Mentén 2. kötet (Zalaegerszeg, 1998)

Leopold Toifl (Graz): Kurioses und Makabres von der Militärgrenze

Kurioses und Makabres von der Militärgrenze Benützungsgebühr für die Murfáhre einheben zu dürfen. 18 Die Bitte Stadlers blieb unerfüllt, denn am 14. Oktober 1555 forderten die steirischen Verordneten abermals eine gebührenfreie Benutzung der Fähre in Ehrenhausen, soferne auf ihr landschaftliche Post befördert würde: 19 ein Ansinnen, gegen das Elena Stadler zwei Tage später heftigen Protest einlegte. 20 Wie die Angelegenheit endete, entzieht sich leider unserer Kenntnis. Dem Überbegriff „Makabres" zugeordnet werden kann eine Begebenheit, die sich Ende 1543 zutrug und für den Betroffenen nichts anderes als ein Horrorerlebnis gewesen sein kann. Am 13. Dezember informierte Georg von Wildenstein die Landschaft von Krain, daß in den zur windischen Grenze gehörenden Festungen Krizevci und Koprivnica vier fur die Türken spionierende Uskoken gefangengesetzt worden waren. . Von den Burgkommandanten verhört, hatten die Gefangenen Aussagen über geplante türkische Unternehmungen gemacht und zudem auch ihren Auftraggeber genannt: den Uskokenhauptmann Frania Vlysgaritzsch. Die Verhörprotokolle schickte Wildenstein ebenfalls nach Krain. 21 Gleichzeitig verpflichtete er den Hans von Werneck, Hauptmann von Kostanjevica, zur Verhaftung und peinlichen Befragung Vlysgaritzsch's. Werneck folgte der Anweisung Wildensteins und verhörte den „Frane", wie er Vlysgaritzsch fortan bezeichnete. Der Gefolterte wies trotz aller ihm zugefugten Schmerzen jede Schuld von sich und leugnete vehement, die in Krizevci und Koprivnica inhaftierten Uskoken zur Spionage für die Türken angestiftet zu haben. Vielmehr hätte er allen Grund, die Türken zu hassen. Nach der Ursache befragt, gab er folgendes an: schon seit mehreren Jahren leiste er in Windischland treue Dienste gegen die Osmanen und habe sich stets „für vnnd fur erlich vnnd woll gehalten". Vor einiger Zeit ­nähere Angaben fehlen - sei er zusammen mit seinem ebenfalls in Kriegsdiensten stehenden Bruder von den Türken gefangengenommen worden. Dabei hätten die Feinde seinen Bruder ermordet, und ihn, „Frane" gezwungen, des Getöteten Fleisch zu essen. Warum also sollte er mit den Türken kooperieren? Diese Offenbarung brachte Werneck in Verlegenheit, weshalb auch er den Krainer Landeshauptmann Anton von Thurn über die Angelegenheit informierte und ihn um weitere Verhaltensmaßregeln ersuchte. 22 Thurn brachte schließlich den ganzen Fall vor einen Untersuchungsausschuß, der im Jänner 1544 den Beschluß faßte, die vier gefangenen Uskoken nochmals in Laibach/Lubljana verhören zu lassen. Außerdem sollten sie dem Frania Vlysgaritzsch gegenübergestellt werden. 23 Leider brechen damit die im Steiermärkischen Landesarchiv befindlichen Akten zu diesem Fall ab, ohne weitere Hinweise auf das Schicksal der Spione und „Franes" zu bieten. Immerhin gewähren sie aber interessante Einblicke in menschliche Tragödien während der Mitte des 16. Jahrhunderts. An dieser Stelle sei kurz auf eine Kuriosität hingewiesen, die von dem windischen Grenz­obristen Hans Lenkowitsch vor die steirischen Verordneten gebracht wurde. In einem längeren Kundschafterbericht, beinhaltend Nachrichten von kleineren Scharmützeln mit den Türken und feindlichen Angriffsplänen, informierte Lenkowitsch die Steirer auch über zwei Christen, die zum Erbfeind übergelaufen waren. Den Ausfuhrungen des Obristen vom 15. September 1551 nach hatten die beiden Abtrünnigen, früher Steffan und Fraune Possedärßkhy, jetzt Schäfferbeg und Khurttabeg genannt, bereits längere Zeit an Hof Sultan Suleimans II. gedient. Im Sommer 1551 waren sie jedoch an die Militärgrenze zurückgekehrt und hatten in ihrem Hof zu 175

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