„Stephan Dorffmaister pinxit”. Dorffmaister István emlékkiállítása (Zalaegerszeg, 1997)
Buzási Enikő: Die Bildnisse und Auftraggeber Dorffmaisters
im 17. Jahrhundert - unter den ungarischen Städten alleinstehend - die Anfertigung von Bildnissen von Verstorbenen auf der Bahre ein starke Tradition hatte. Das Bildnis des Bürgermeisters Kristóf Lackner (1631) und des Pfarrers György Zichy (1674) auf der Bahre sind Gesten der Verehrung für den Verstorbenen von evangelischer beziehungsweise katholischer Seite. 34 Auf diese etwas konservative, amtliche Form der Repräsentation im Zusammenhang mit dem Verstorbenen griff der Auftraggeber des Bildnisses Katalin Jankovich zurück, und hinter dieser Geste braucht man nicht unbedingt emotionelle Motive zu suchen. Es war bis jetzt nicht bekannt, daß Katalin Jankovich-Kiss vor ihrem Tode eine Stiftung zum Zweck der Erziehung der Kinder der Familie ins Leben rief, die noch Anfang unseres Jahrhunderts funktionierte. Die Repräsentative Komposition, der offizielle Charakter der Ausführung des Bildes erlaubt den Schluß, daß es sich dabei um die Huldigung der Erben vor der Gründerin der Familienstiftung handelte. Die Annahme bezüglich des Charakters des Auftrags wird auch durch den Umstand untermauert, daß der Bildtyp, die Komposition „offiziellen" Vorbildern nachempfunden ist. Und zwar 1790 veröffentlichten Stichen, die die damals verstorbenen Mitglieder der Herrscherfamilie, Kaiser Joseph II. und die erste Gattin des Erzherzogs Franz - des späteren Franz I. -, Elisabeth Wilhelmine von Württemberg auf der Bahre zeigten. 35 Dorffmaister mußte diese Darstellungen von Trauerfällen gekannt haben, auf denen der/die Verstorbene in beiden Fällen - wie auf dem Bildnis Jankovich - auf einem stufenförmigen Gestell aufgebahrt ruht und die Kerzen auf den Treppenstufen angeordnet sind. Wie an den vorher besprochenen Bildnissen bei der Wahl des Porträttyps eine deutliche Absicht des Auftraggebers zum Ausdruck kam, so darf man im Falle einiger weiterer Arbeiten Dorffmaisters mit der „schöpferischen Teilnahme" des Dargestellten rechnen. In diese Reihe gehört das weiter oben ihm zugesprochene Rudererbildnis des György Niczky von eindeutig privatem Charakter, aber auch noch ein zweites Bild von ihm, inhaltlich wohl das am meisten zusammengesetzte unter den Porträts von Dorffmaister. (Verzeichnis: Nr. 29) Auf den verschleierten Sinn der repräsentativen Darstellung, einer sitzenden Figur nach der Ikonographie der Wissenschaftler- und Amtsträgerbildnissen, die im Schaffen Dorffmaisters in mehrerer Hinsicht als außerordentlich gelten darf, ferner auf die gegenständlichen Hinweise durch Architekturzeichnung und Zirkel auf die Eigenschaft des György Niczky als Freimaurer hat Géza Galavics bereits bei der ersten Veröffentlichung des Bildes hinge wiesen. 36 Wir müssen zugeben, daß in den Hinweisen des Bildnisses die Zugehörigkeit des György Niczky zur geheimen Gesellschaft zum Ausdruck kommt, selbst wenn dies nicht die einzige Aussage der Darstellung ist. Die betont eingesetzte Architekturzeichnung wäre an sich nicht als Hinweis auf die Freimaurerei zu verstehen, da sie nicht zu den Freimaurersymbolen gehört, es handelt sich dabei um das Requisit einer wohl komponierten „Scheinsituation". Niczky imitierte die Tätigkeit des „Architekten" und wollte dadurch, neben dem Zirkel in seiner Hand - tatsächlich eines der wichtigsten Symbole der Organisation -, eben durch diese angenommene Haltung und Erscheinung, die am Symbolsystem der Geheimgesellschaft anknüpfen, auf sein Freimaurertum hinweisen. Er tat dies, indem er eine selbstgeschaffene Gelegenheit nutzte und in der Zeichnung den Fassadenentwurf des Familienschlosses Nebersdorf darstellen ließ. Es läßt sich kaum mehr feststellen, welchen Anteil an diesem „Entwurf" die Vorhaben des Bauherrn bezüglich des etwaigen Umbaus des damals bereits bestehenden Schlosses beziehungsweise die Phantasie des Malers hatten. Es steht jedenfalls fest, daß die Fassade - in der Form wie sie auf der Zeichnung zu sehen ist - nicht verwirklicht wurde. An dem um 1770 errichteten und in seinem heutigen Zustand viel einfacher ausgeführten Schloß sind von der Zeichnung nur der ovale Portikus mit den vier Paar toskanischen Säulen am Mittelrisalit beziehungsweise die zweiläufige Treppe zum Obergeschoß vorhanden. 37 Csatkai erwähnt an einer Stelle, daß sich Dorffmaister 1790 - im Entstehungsjahr dieses Bildnisses - „aus unbekannten Gründen in Ligvánd [Nebersdorf] aufhielt". 38 Da das Bildnis laut Signatur in Sopron ausgeführt wurde, geht man vielleicht nicht fehl in der Armahme, daß der Zweck des Besuchs die „Vermessung" der bereits ausgeführten Teile des Schlosses für die Zeichnung gewesen sein könnte. Unter den Bildnissen Dorffmaisters ist dies das einzige Werk, bei dem man die Mitwirkung des ältesten Sohnes, József Dorffmaister, mit gutem Grund annehmen kann, vor allem in der Ausführung der Hintergrundarchitektur, aber eventuell auch in anderen Details. Obwohl das Gemälde in der Lösung des Hintergrundes die Wandgestaltung des Festsaals von Schloß Nebersdorf imitiert - die Wandspiegel, das Pilasterkapitell und die Verzierung des Gesimses stimmen auf dem Bild fast völlig mit denen an Ort und Stelle überein 39 - zeigt er kaum Unterschiede von den gemalten Architekturen einiger seiner Spätwerke. So hat das durch stufenweise vorspringende Faszien und Zahnschnitt gegliederte Kranzgesims im Gemälde die gleiche Form wie die Umrahmung des Kuppelfreskos in der Pfarrkirche von Szigetvár, und einer ähnlichen 160