„Stephan Dorffmaister pinxit”. Dorffmaister István emlékkiállítása (Zalaegerszeg, 1997)
Buzási Enikő: Die Bildnisse und Auftraggeber Dorffmaisters
Lösung begegnet man auch in der Stiftungsszene für die Zisterzienserabtei von Szentgotthárd. Dort sind nicht nur der Architrav des Triumphbogens hinter König Béla, sondern auch die von den Voluten des ionischen Kapitells herabhängende Zier die gleichen. Da auf den späten Werken die architektonischen Details nicht selten von József Dorffmaister gemalt wurden - in der Signatur des Kuppelfreskos hat er seine Mitwirkung am Werk des Vaters auch in diesem Sinne festgehalten 40 - ist es naheliegend, seine Mitwirkung auch an der Ausführung des Porträts Niczky anzunehmen. Umso mehr als die lebhafte, kalte Farbenwelt, die harte Gestaltungsweise, die mit nicht wenig Akribie behandelte Dekorativität sowie die historisierenden Detailmotive des Bildes eine spätere Phase der klassizistischen Auffasssung vertreten als die malerischen Lösungen und der Stil der Spätwerke des älteren Dorffmaisters. Wie wir gesehen haben, vermengt sich im Bildnis des György Niczky eine nicht näher bestimmbare Rolle eines Mäzens oder Bauherrn mit dem Ausdruck der Zugehörigkeit zur Freimaurerorganisation. Es ist nicht das einzige bekannte Werk im Porträtschaffen des Malers, bei dessen Entstehen und Programm der Freimaurergedanke, der das geistige und kulturelle Leben im ausgehenden 18. Jahrhundert prägte oder eher organisierte, zugegen war. Diesen Schluß erlaubt der Inhalt eines Panneaus, der einst den achteckigen „Bilder-Saal" in Hegyfalu schmückte. Vom vernichteten Gemälde besitzen wir die Beschreibung von Dorffmaister selbst (beziehungsweise eine ungarische Nachdichtung von Ferenc Czinke), wonach es ein Bild der wahren Freundschaft war, auf dem sich die beiden Herren Horváth und Gludovácz in ungarischer Tracht die Hand reichten. (Verzeichnis: Nr. 35) Die vermutlich ganzfigurige Darstellung von Zsigmond Horváth und József Gludovácz richtete sich nach der Beschreibung zu urteilen nach den bildlichen Formen des Freundschaftskultes der Aufklärungszeit, 41 aber die begleitenden Motive der Szene und die Motive des Deckenfreskos verweisen auf eine weitere, deutlicher erkennbare Absicht, auf den Ausdruck der Freimaurerfreundschaft und -brüderschaft. Diese Bedeutung der allegorischen Darstellung wird durch die zu den bedeutenderen Freimaurersymbolen gehörenden verschlungenen Hände, durch die in der Beschreibung erwähnte Säule, ferner durch die sich in den Schwanz beißende Schlange auf der Decke (ein „Schlangenring, welcher vorstellt den ununterbrochenen Zusammenhang") beziehungsweise das heimische Efeu (bei Czinke, Lorbeer in der Beschreibung von Dorffmaister selbst) gleicherweise Freimaurersymbole. Bezüglich der etwaigen Zugehörigkeit des József Gloduvácz zum Freimauerertum verfügen wir über keine Angaben, aber Zsigmond Horváth war Mitglied der Wiener Loge „Zur Beständig keit". 42 Abafi, der Bearbeiter der Geschichte des Freimaurertums in Ungarn erwähnt, daß in Horváths Schloß in Tétény (Nagytétény) „auch heute noch ein kapellenförmiger Saal zu sehen ist, der die masonischen Symbole trägt und laut Tradition eine Freimaurerkapelle war". 43 Abafis Mitteilung hat auch aus dem obigen Gesichtspunkt eine besondere Bedeutung. Wir haben nämlich guten Grund anzunehmen, daß die Dekoration des „Bilder-Saals" nicht - wie bis jetzt in der Literatur angenommen - im Auftrag des József Gludovácz entstand, sondern für den Gutsherrn von Hegyfalu, Zsigmond Horváth, der laut übereinstimmender Beschreibungen Dorffmaisters und Czinkes auf dieser Darstellung mit seiner Familie zu sehen war, was wiederum dafür spricht, daß wir in ihm den Auftraggeber und den Schöpfer des Programms zu sehen haben. Nach der topographischen Literatur war Hegyfalu nämlich im Besitz der Familie Horváth, 44 während József Gludovácz weiter entfernt in Keled seinen Gutssitz hatte, - übrigens eine Zeitlang gemeinsam mit der Familie Horváth. 45 Hinsichtlich dieses letzteren Umstands sind keine familiengeschichtlichen Gründe bekannt, eine etwaige verwandtschaftliche Verbindung könnte jedenfalls eine gewisse Erklärung dafür bieten, wieso Dorffmaister in seiner Einleitung József Gludovácz als Eigentümer des „Bilder-Saals" betrachtete, während er sonst seine Beschreibung „den beyden gnädigen Herrschaften" widmete. Im Titel und im Text ist immer nur vom „Bilder-Saal" die Rede, ohne jeglichen Hinweis auf das Schloß selbst. Ferenc Czinke, der Dorffmaisters Text frei ins Ungarische übersetzte und aufgrund seiner persönlichen Erlebnisse und der unmittelbaren Kenntnis des Werks den Text ergänzte und das Werk interpretierte, verrät mehr über die Umgebung und teilt bemerkbare Einzelheiten mit. Nach der Zusammenfassung des Programms (es laufe auf eines hinaus, auf die Freundschaft) schließt er seine Einleitung mit folgenden Worten: „Komm, wenn es dir danach verlangt! Ich führe dich in den Bildersaal... Gehen wir ins Freie! Bleib stehen! Du sollst weiter weg stehen bleiben und es so betrachten! Was vor uns liegt, ist die Natur, beschönigt durch menschliche Künste!" - Wenn man bedenkt, paßt diese Beschreibung eigentlich eher auf einen künstlichen Park und ein darin stehendes selbständiges Gebäude (wie wir wissen, war der Saal achteckig, hatte also eine zentrale Form wie ein Gartenpavillon!) als auf irgendeinen Saal eines Schlosses. Obwohl die Forschung auf den fallweise Zusammenhang der Baudenkmäler der 161