„Stephan Dorffmaister pinxit”. Dorffmaister István emlékkiállítása (Zalaegerszeg, 1997)

Buzási Enikő: Die Bildnisse und Auftraggeber Dorffmaisters

die Autorschaft Dorffmaisters - vorerst hypothe­tisch - mit Recht aufgeworfen werden darf. (Angang: Nr. 25-26) Eines der wichtigsten Argumente liefert die praktisch übereinstimmende Komposition der Bildnisse Niczky und József Cziráky. Beide weisen nämlich das gleiche Milieu auf, in dem sich nur in geringfügigen Details Unterschiede beobachten lassen. Der gemeinsame Ursprung läßt sich - wie Zoltán Székely, der Bearbeiter der Ahnengalerie treffend festgestellt hat 27 - in einem gestochenen Dreiviertelbildnis finden, der Rigauds um 1728 gemaltes Bildnis des Philipp Ludwig Sinzendorf vervielfältigte, und zwar in zweierlei Varianten, in der Ausführung von Claude Drevet beziehungsweise Johann Ernst Mansfeld. 28 An beiden Gemälden erscheinen der architektonische Hintergrund mit den kannelierten Pilastern, die in ähnlicher Form befestigte Draperie mit dem darunter angeordneten Tisch beziehungs­weise Steinpostament genau wie im Stich. Während aber die toskanische Säule, die die Komposition von links flankiert, jenes Detail also, das die kompositionelle Übernahme wirklich bezeugt, im Stich hinter der Figur als Bestandteil der Hintergrundkulisse erscheint, tritt sie in den beiden Gemälden, miteinander übereinstimmend, im Vordergrund gleichsam als Detail eines Portals auf. Dieser vielleicht belanglos anmutende kompo­sitioneile Unterschied zwischen der Stichvorlage und beiden danach entstandenen Gemälden, die übereinstimmende Art der Änderung, der „indivi­duellen Umgestaltung" der Komposition, zeugt nach meinem Empfinden von der Hand desselben Malers. Die nachträgliche Übernahme der Kompo­sition des für Bjelovar bestimmten und vermutlich bald nach Vollendung auch dorthin gekommenen Niczky-Bildnisses kommt nämlich kaum in Frage. Richtet man sich nach dem Bildnis István Niczky, wäre es logisch, auch die Cziraky-Bildnisse auf die Zeit um 1776 zu datieren, aber die malerische Eigenart läßt eher einen späteren Zeitpunkt annehmbar erscheinen. Besonders, wenn man nach dem weniger übermalten weiblichen Bildnis zu urteilen versucht, dessen nächste Verwandte unter den Arbeiten Dorffmaisters in einem auf 1790 datierten verschollenen weiblichen Bildnis entdeckt werden kann. Die Bestimmung der Entstehungszeit wird aber nicht nur durch den unrestaurierten Zustand erschwert, sondern auch durch den unterschiedlichen Charakter der beiden Gemälde, die die Lösungen verschiedener Gattun­gen aufweisen. Die Darstellung der Borbála Barkóczy ist ein „rundlich" geformtes Rokoko­bildnis in hellen, lebhaften Farben, in dessen Hintergrundkulisse und in den Vordergrund herabfallende Draperie Dorffmaister anscheinend seine Erfahrungen als Kulissenmaler einfließen ließ. Das weibliche Bildnis, das sich genauer nach den Vorbildern ausrichtet, ist trotzdem ein „authentisches Porträt" geworden, ganz im Gegensatz zur Darstellung des József Cziráky, dessen bis zur Schwerfälligkeit vereinfachte Figur und als „Typus" behandelte Gesichtszüge jegliche persönliche Note und Porträthaftigkeit vermissen lassen; er könnte direkt von den „martialischen" Figuren der monumentalen Szenen Dorffmaisters abstammen. Die Czirákys gehörten zu jenen Familien, die ­allerdings eher durch Daten bezeugt - Dorffmaister regelmäßig beschäftigten. 1779 ließen sie ihn die Kirche in Kenyéri ausmalen, zuvor hatte er aber im Dorf Lovasberény, das ebenfalls zu ihrem Besitz gehörte, an einem nicht näher zu bestimmenden Auftrag schon für sie gearbeitet. 29 Sie gaben ihm das einstige Altarbild der Kirche von Cirák in Auftrag, 30 außerdem war der Maler wahrscheinlich auch 1785 für die Familie tätig, da er in einem Brief an Bischof János Szily bezüglich der Arbeiten in der Kirche von Kemenesmihályfalva erwähnt, daß er zur Zeit beim Grafen Cziráky in Kenyéri wohne. 31 Der Auftraggeber war in all diesen Fällen László Cziráky, der ältere Sohn des József Cziráky, der bei ihm auch die Bildnisse bestellte. Er wollte damit seinen Eltern, vor allem dem Vater ein Denkmal setzen, der für die Familie den Grafentitel erworben hatte. Die Bildnisse folgen entsprechend dieser Bestimmung dem repräsentativen Typ der Ahnenportäts, es ist heute nur eine Annahme, daß sie einst für das Schloß Lovasberény bestimmt waren. Nicht nur, weil Lovasberény 1730 als Erwerb des Vaters, József Cziráky, in den Besitz der Familie gelangt war, 32 sondern auch deshalb, weil es den Anschein hat, daß das 1763 erweiterte Schloß nach dem Tod des früheren Besitzers György Cziráky, ab 1776 die Residenz der Familie und der hauptsächliche Aufenthaltsort des László Cziráky geworden ist. 33 Überblickt man das Porträtschaffen Dorffmais­ters, begegnet man Werken und Auftraggebern, die in ziemlich unterschiedlicher Weise mit der ungarischen Bildnistradition verbunden sind. Das retrospektive Ahnenporträt sowie das im Typ und in den Lösungen damit fast übereinstimmende offizielle Bildnis stammen gleicherweise aus dem Erbe des 17. Jahrhunderts, wie auch das Bahrenbild, von dem Dorffmaister 1792 - im ungarischen Kunstschaffen auf einzigartige Weise ­eine Kabinettvariante ausführte. Im Gemälde Katalin Jankovich geb. Kiss auf der Bahre läßt sich ein eigenartiges Gemisch der Wirkung der Tradition und des aktuellen Bezugs beobachten. (Verzeichnis: Nr. 31) Es ist bekannt, daß in Sopron 159

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