„Stephan Dorffmaister pinxit”. Dorffmaister István emlékkiállítása (Zalaegerszeg, 1997)

Buzási Enikő: Die Bildnisse und Auftraggeber Dorffmaisters

sich in die Reihe der zeitnahen authentischen Werke Dorffmaisters - Bildnis Artner und Gattin (1776, 1777), Bildnis Franz Desfours (1783) ­stilistisch nicht eingliedern. Die grätig, mit weichen Konturen, etwas fleckenhaft gemalten Detailformen des Budapester Niczky-Porträts weichen maltech­nisch wie in der Behandlung der Formen gleicher­weise von den zeitgleichen, aber auch von sämtlichen Bildnissen Dorffmaisters deutlich ab. Solange kein schlagkräftiger Beweis zum Vorschein kommt, glaube ich, daß es nicht begründet ist, dieses Gemälde weiter für das Schaffen des Meisters in Anspruch zu nehmen. Nichtsdestoweniger hat die Familie Niczky den Maler regelmäßig beschäftigt, und zwar in mehreren Fällen als bisher bekannt war. Nach der Ausführung des Deckengemäldes im Schloß der Familie in Nebersdorf erfolgte dies zum Beispiel im Jahr 1776, als Dorffmaister das Bildnis des älteren Sohnes von Kristóf Niczky, des István Niczky malte (Verzeichnis: Nr. 11). Die im Oeuvre nur vereinzelt vorkommende ganzfigurige Darstellung wurde in der Literatur bisher nach Marianna Schneider als Bildnis von Ivan (das heißt Johann) Rauch, Obergespan der Komitate Körös/Kreutz und Zágráb/Agram und gleichzeitg Vizebanus von Kroatien behandelt. Dieser Bestimmung fehlt aber jegliche tatsächliche Grundlage. Der einzige Anhaltspunkt war ein zwanzig Jahre älteres authentisches Bildnis Rauchs, mit wenig überzeugender Ähnlichkeit des Dargestellten, dafür aber mit dem - für die Bestimmung wesentlichen ­Unterschied, daß Rauch laut Inschrift des Halbfigurenporträts im Jahr 1755 für seine Verdienste im Amt von Maria Theresia mit einer diamantenbesetzten Goldmedaille ausgezeichnet wurde, die auf diesem Bild auch verewigt wurde, aber auf dem ganzfigurigen Bildnis nicht vorhanden ist. 23 Gegen die Gleichsetzung des Dargestellten des Dorffmaister-Bildnisses mit Johann Rauch liefert der Umstand das wichtigste Argument, daß das 1776 gewiß in offiziellem Auftrag ausgeführte Repräsentationsbild aus dem Komitatshaus von Bjelovar Jahrzehnte nach Rauchs Amtszeit entstand, nachdem er 1756 nachweislich von beiden seiner Obergespansämter abgedankt hatte - und vermutlich auch ebenso von seinem Amt des Vizebanus. 24 Dagegen spricht auch der Texi der Signatur, wonach das Bildnis von Dorffmaister in Sopron ausgeführt wurde, und dieser Umstand ließe sich mit der Person Rauchs ebensowenig verbinden (von ihm sind übrigens gar keine Lebensdaten bekannt, auch das Sterbejahr nicht) wie mit dem Zustandekommen des Auftrags. Aufgrund all dessen bin ich der Meinung, daß das Bildnis für das Komitatshaus den zur Entstehungszeit des Gemäl­des amtierenden Obergespan, also István Niczky darstellt, der von 1775 bis 1777 dem Komitat vorstand. 25 Eine authentische Darstellung des István Niczky ist nicht bekannt. Früher war sein Name ­wie es sich inzwischen herausstellte fälschlich - mit einem Bild verbunden, das mittelbar aus dem Besitz der Familie in die Historische Bildergalerie des Ungarischen Nationalmuseums gelangt war. 26 Das Halbfigurenbildnis zeigt einen jungen Mann mit Ruder in auf graugrünem Grund blau gestreifter Kleidung, der die Gesichtszüge von István Niczkys jüngerem Bruder György Niczky trägt. Gegen die frühere Bestimmung spricht auch die Kleidung, die sich erst in den Jahren nach 1780 verbreitete, während István Niczky bereits 1777 starb. Das Rudererbildnis, das sich als Jugendbildnis des György Niczky bestimmen läßt - und in der Literatur bis jetzt als Werk eines unbekannten Malers geführt wurde -, glaube ich aufgrund von stilistischen Gesichtspunkten unter die Werke Dorffmaisters einreihen zu dürfen. (Angang. Nr. 18) Diese Attribution wird durch zeitnahe, signierte Porträts mit Ähnlichkeiten in der Auflassung und in den Details mehr oder weniger untermauert. An erster Stelle durch das möglicherweise zeitgleiche, nur von einem Foto bekannte Doppelbildnis des Franz Desfours und seines Sohnes (1783), das mit seinen ähnlich kargen Lösungen, mit der für Dorffmaister bezeichnenden schwerfälligen Gestal­tung der Hand und dem belaubten Hintergrund viele Übereinstimmungen aufweist. (Angang: Nr. 21) Den zuletzt erwähnten Details begegnet man auch an den Bildnissen Artner und Adam Orsich in gleicher Lösung. Die vorherrschenden kalten Grau-, Grün- und Blautöne des Ruderer-Bildnisses nehmen hingegen die Farbenwahl der Spätwerke (Katalin Jankovich geborene Kiss auf der Bahre, 1792, Verzeichnis: Nr. 31) vorweg. Hinsichtlich der Attribution sind auch die regelmäßig zu nennenden Beziehungen der Familie mit Dorffmaister nicht zu vernachlässigen, für die die spätere Darstellung des György Niczky aus 1790 das bekannteste Beispiel abgibt. (Verzeichnis: Nr. 29) Wir sind in der Lage, das an repräsentativen Bildnissen ziemlich arme Lebenswerk Dorffmais­ters mit zwei weiteren, im Typ der ganzfigurigen Darstellung des István Niczky folgenden Bildnissen zu ergänzen. Die beiden anspruchsvollsten Stücke der Ahnengalerie der Familie Cziräky, die Bildnisse des József Cziráky und seiner Gattin, Borbála Barkóczy, die bislang als Werke eines unbekannten Malers galten, weisen - selbst in ihrem gegen­wärtigen restaurierungsdürftigen Zustand - derart viele augenfällige Übereinstimmungen vor allem mit dem Bildnis Niczky, aber auch mit weiteren Arbeiten, zum Teil aus anderen Gattungen auf, daß 158

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