A Veszprém Megyei Múzeumok Közleményei 17. (Veszprém, 1984)

Hudi József: Reguly Antal utazásai 1839-ben

JÓZSEF HUDI DIE REISEN VON ANTAL REGULY IM JAHRE 1839 Antal Reguly (1819—1858), der in ganz Europa be­kannte ungarische Philologe und Ethnograph, ging dank seiner Eltern nach der Beendigung seines Univer­sitätsstudiums am 18. Juli 1839 auf eine Reise nach Deutschland» von der er reich an Erfahrungen in seine Heimat zurückkehren sollte. Als Reguly seine Reise begann, unterschied er sich so gut wie nicht von seinen Zeitgenossen, die ebenfalls mit dem Ziel auf eine Studienreise ins Ausland gingen, die modernen bürgerlichen Gesellschaften kennenzuler­nen, deren Verfassungen, Institutionen und das Leben der verschiedenen gesellschaften Schichten zu stu­dieren. Für sie waren die westlichen Staaten — Frank­reich, England, die deutschen Staaten und besonders der führende Staat des anderen Kontinens, Amerika — die Musterstaaten der bürgerlichen Demokratie. Auf ihren Reisen suchten sie in diesen Staaten all das, was man auf die spezifischen ungarischen Verhältnisse an­wenden konnte: jene Prinzipien, Methoden und Insti­tutionen wollten sie kennenlernen und in ihren Schrif­ten popularisieren, die bei der bürgerlichen Umwand­lung Ungarns helfen, sie beschleunigen und reibungslos machen sollten. Zahlreiche bedeutende Persönlichkei­ten der revolutionären Generation von 1848 bereiste in diesen Jahren die westliche Welt: László Szalay, Berta­lan Szemére und viele andere. Reguly bereiste seinen ursprünglichen Plan entspre­chend zuerst die Tschechei und Kähren, dann Öster­reich und fuhr dann über Bayern nach Sachsen und von dort nach Preußen. Seine Fahrten führte er in mehreren Abschnittes war Preßburg —Prag, die des zweiten Prag — Dresden und die des dritten Dresden —Berlin. Beim vierten Abschnitt suchte er die Seebadeorte Pommerns auf. Über seine Fahrt führte er von Anfang an Tage­buch, aber seine Reisebeschreibungen und Reisenotizen sind nicht erhalten geblieben. In der Handschriften­sammlung der Ungarischen Akademie der Wissen­schaften und in der Denkmalsbibliothek „Antal Re­guly" (Zirc, Komitat Veszprém) werden jedoch mehre­re Briefe von Reguly aufbewahrt. Diese Briefe, die er seinen Eltern schrieb, berichten mehr oder weniger ausführlich über seine Reise. Der Autor faßt mit ihrer Hilfe die Reisen von Reguly im Jahre 1839 zusammen. Antal Reguly änderte seinen ursprünglichen Plan — der Besuch ausschließlich Deutschlands und Rückkehr Anfang November — schon im vierten Abschnitt sei­ner Reise. Er entschloß sich, noch eine kleinere, etwa anderthalb Monate dauernde Reise in Dänemark, Schwe­den und Rußland zu unternehmen. Seine Wahl war nicht zufällig: infolge seiner Studien war schon vor Jahren sein Intéressée an der Geschichte und Gegen­wart Skandinaviens geweckt worden. Jetzt wollte er diese Länder näher kennenlernen, besonders Finnland. Bisher lebte in der wissenschaftlichen Meinung Un­garns in Bezug auf den Beginn der Laufbahn Regulys die allgemeine Ansicht am stärksten, daß der junge Reisende die Erforschung der finnisch —ungarischen Sprachverwandtschaft von Anfang an in sein Prog­ramm aufgenommen hatte und entsprechend diesem Plan in die baltischen Staaten reistea. Aus den Briefen Regulys, von denen der Autor drei Briefe als Ergän­zung dieser Arbeit veröffentlicht, geht deutlich hervor, daß Reguly im Sommer 1839, zu Beginn seiner Reise, kein festgelegtes Programm besaß. Zum Nachweis der Verwandtschaft zwischen den finnischen und der unga­rischen Sprache und zur ethnographischen und anthro­pologischen Untersuchung der mit den Ungarn ver­wandten Völkern des Wolgagebietes und Westsibiriens entschloß er sich erst in Schweden, nachdem er in Stockholm den finnischen Bibliothekar Arvidson ge­troffen hatte, mit dem er gemeinsam die vergleichende Untersuchung der ungarischen und der finnischen Spra­che begann. Reguly war von da an bewußt bestrebt, eine entsprechende theoretische (philologische, histo­rische, ethnographische, anthropologische) Vorbildung zu erlangen, um danach — seinen Ausflug zu einer wis­senschaftlichen Expedition ändernd — seine prakti­schen Forschungen beginnen zu können. Es gelang ihm, diese große Unternehmung zu erfüllen, jedoch nicht in einigen Monaten, sondern in einigen Jahren, zwischen 1839 und 1846, und zwar mit aktiver Unterstützung der ungarischen Akademie. Die einführende Studie verfolgt mit der Analyse der brieflichen Berichterstattungen Regulys jenen Prozeß, während dessen sich das nationale Sendungsbewußtsein des jungen Forschers herausbildete, verfestigte und sein wissenschaftliches Programm sich abzeichnete. Das Wesen dieses Programms war, daß Reguly mit philolo­gischen und ethnologischen Methoden versuchte, Ant­wort auf die Fragen der Prähistorie Ungarns zu suchen. (Später, in den 50iger Jahren des 19. Jahrhunderts, wendete sich sein Interesse immer mehr der Anthropo­logie zu.) Die weiteren Stationen seiner wissenschaftlichen For­schungen und seiner Laufbahn sowie sein gesamtes Le­benswerk werden die weiteren Forschungen aufdecken.

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