Veszprém kora középkori emlékei (Veszprémi Múzeumi Konferenciák 5. 1994)
Kovács Éva: Gizella királyné keresztjének feliratai és ikonográfiája
Éva Kovács INSCHRIFTEN UND IKONOGRAPHIE DES GISELA-KREUZES Das goldene Gedenkkreuz wurde von der Gemahlin König István des Heiligen auf das Grab ihrer Mutter, der Burgundischen Gisela in Regensburg/Niedermünster (+1006) geschenkt. Auf dem Kreuz ist ihre, als Nonne verstorbene Mutter und sie selbst mit Krone abgebildet (München, Schatzkammer der Residenz). Die in der deutschen Fachliteratur übliche Datierung nach der Zeitabgabe des Versterbens, sowohl auch die Lokalisierung nach Regensburg ist von Weitem nicht so einfach und selbstverständlich. Das Kreuz weicht nämlich sehr von den Ottonischen Werken ab, vor allem, was die recht sonderbare Farbegestaltung des Gesamtbildes anbelangt. Der plastische Korpus auf der Vorderseite mit seiner unglaublich schlichten und eleganten Gestaltung weicht von den immer rustkaleren analogen Gedenkstücken ab und gleicht viel mehr der protoromanischen Stilisierung der Gestalt Christi am großen Bronzekreuz aus Werden. Die Grundtype der Korpusse entwickelten sich in der byzantinischen Kunst, so können fast alle Elemente des Gisela-Kreuzes: die reichliche Anwendung von Emailmotiven, geschliffenen Steinen, Perlenreihen und Wellenbandverzierungen, die geritzten Wellenranken auf dem punzierten Grund der Rückseite, die getriebenen Inschrifte, die Proportionen, Aufbau und Einrahmung des Kreuzes auf byzantinische Kunst zurückgeführt werden, mit der Beschränkung, daß es jedoch kein einziges Denkmal gibt, wo all das gemeinsam auffindbar wäre. Erst unlängst stellte es sich heraus, daß der plastische Korpus auf der Vorderseite mehrere kleine Reliquienhüllen und ein Kreuz-reliquienpartikel enthält. Als ikonographische Besonderheit gilt auf der Hinterseite der auch zum zweiten Mal abgebildete, eingravierte Christuskorpus, diesmal umgeben von vier Lebenswesen. Aufgrund der Inschriften, der Reliquien und der zwei in verschiedener Weise abgebildeten Gekreuzigten kann die Ikonographie des Kreuzes folgenderweise „gelesen werden": die Quelle des Heils des Lebens und des ewigen Lebens ist der Tod Christi, das Mittel dazu ist das Kreuz, an dem Jesus den Tod besiegte. Von diesen Christus32