Gizella és kora (Veszprémi Múzeumi Konferenciák 4. 1993)

Egon Boschof: Die bayerisch-ungarischen Kontakte zur Zeit Giselas

Aura, der die Eheschließung sogar von der Bedingung der vorausgegenge­nen Taufe Stephans abhängig macht. Das sind sicher Übertreibungen, die bereits den Weg zur Legende geebnet haben. Der den Ereignissen näherste­hende Hermann von der Reichenau bleibt in seinem Urteil vorsichtig, wie­wohl auch er, indem er von Gisela sagt, daß sie als eine „Geisel des Glau­bens" (obses fidei) nach Ungarn geschickt worden sei, den Zusammenhang von Ehebündnis und Christianisierung aufzeigt. Die Biographie Stephans berichtet nur in allgemeinen Worten über die Tätigkeit der Königin: Ihre Sorge galt der Ausstattung der neuerbauten Kirchen mit liturgischem Gerät und kirchlichen Gewändern. Anscheinend hat das Königspaar die Liebfrau­enkirche in Stuhlweißenburg besonders gefördert. Stephan hat sie zur Krö­nungs- und Grabeskirche seiner Dynastie gemacht. Für dieses Gotteshaus stifteten er und Gisela 1031 die prunkvolle, mit Goldfaden und Perlen be­stickte Glockenkasel, die später zum Krönungsmantel der ungarischen Herrscher umgearbeitet wurde. Die Stickereien wurden offenbar in einer Technik angefertigt, die in Regensburg üblich war. Daher vermutet man, daß bayerische Nonnen an der Arbeit beteiligt waren. Das wäre ein - wenn auch nur schwaches - Indiz dafür, daß die Königin sich gerade bei der Ausstattung der neu zu errichtenden Kirchen aus ihrer bayerischen Heimat Unterstützung geholt hat. Ob dies auch der Fall war, als sie - wie die Bio­graphie Stephans sehr bestimmt aussagt - den Dom von Veszprém von Grund auf bauen und mit allem Nötigen in Gold, Silber, Gewändern und Gerät versehen ließ, läßt sich nicht feststellen. Mit der Regierungsübernahme durch die Salier verschlechterte sich das deutsch-ungarische Verhältnis. Im Sommer 1030 war Konrad II. mit star­ker Truppenmacht, zu der sogar Lothringer aufgeboten worden waren, in Ungarn eingerückt. Dem Feldzug waren ungarisch-bayerische Feindselig­keiten vorausgegangen. Das Unternehmen scheiterte jedoch völlig, und im Gegenzug besetzte Stephan Wien. Die Hintergründe für diese Ereignisse sind nur schwer zu erhellen. Es scheint, daß sich Stephan durch die Außen­politik Konrads bedroht fühlte: In Venedig hatte der Salier die Stellung der Orseoli geschwächt, der Doge Otto Orseolo aber war mit einer Schwester Stephans verheiratet. Auch das Bemühen Konrads um eine byzantinische Prinzessin für seinen Sohn Heinrich konnte dem Arpaden gefählich erschei­nen; denn Byzanz war nach der Niederwerfung des Bulgarenreiches unmit­telbarer Nachbar Ungarns geworden. Folgt man dem schon zitierten Aven­tin, so war der gescheiterte Anspruch Stephans auf das bayerische Herzog­tum der Kriegsgrund. Das läßt sich von zeitgenössischen Quellen her nicht belegen. Wipo, der Biograph Konrads, sieht die Ursache des Konfliktes in bayrisch-ungarischen Grenzstreitigkeiten, an denen er den Bayern die Schuld gibt. Wie dem auch sei, der Thronfolger Heinrich III. hat 1031 — wohl auf Anraten des Bischofs Egilbert von Freising - ohne Wissen des 84

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