Gizella és kora (Veszprémi Múzeumi Konferenciák 4. 1993)

Egon Boschof: Die bayerisch-ungarischen Kontakte zur Zeit Giselas

zur Zeit der Römer und Gépiden, die der Kirche von Lorch (Launacum) unterstanden hätten, und bittet um Übersendung des Palliums, das seine Vorgänger als Zeichen der Metropolitanwürde immer getragen hätten. Dieses Schreiben gehört in den Umkreis der berüchtigten Fälschungen Pilgrims, die vor allem das Ziel verfolgen, mit Berufung auf die Lorcher Tradition Passau zum Metropolitansitz zu erheben und aus der Salzburger Kirchenprovinz herauszulösen. Es ist wohl nie an den Papst abgeschickt worden, und es fragt sich, ob der Passauer Bischof wohl ernstaft an die Er­richtung einer Passauer Kirchenprovinz mit ungarischen Suffraganbistü­mern hat denken können. Aber ganz so überspannt, wie seine Vorstellun­gen auf den ersten Blick erscheinen mögen, waren sie sicher nicht. Immer­hin war erst 968, also wenige Jahre vor Pilgrims Pontifikatsbeginn, Magde­burg zum Erzbistum erhoben worden, und 975/76, also zu der Zeit, als zu­mindest ein Teil der Pilgrimfälschungen entstanden sein dürfte, wurden die Bistümer Prag und Olmütz/Mähren errichtet. Die Umwälzungen im Osten mochten mancherlei Möglichkeiten der Gestaltung bieten, die ein tatkräfti­ger und entschlossener Geist nutzen konnte, zumal auch die Reichsgewalt an der Anknüpfung guter Beziehungen zu den Ungarn interessiert war, nachdem im März 973 eine ungarische Gesandtschaft auf dem Hoftag Ot­tos I. in Quedlinburg erschienen war. Bereits vor diesen offiziellen Kontak­ten hatte der Mönch Wolfgang Anfang 972 eine Missionsreise zu den Un­garn unternommen. Nach kurzem, wenig erfolgreichem Wirken berief ihn Pilgrim zu sich. Die Überprüfung seiner Person in Passau überzeugte den Bischof zwar, daß er es hier nicht mit einem Abenteurer, sondern mit ei­nem standfesten Glaubensboten zu tun habe, aber er ließ ihn dennoch nicht an seine ungarische Wirkungsstätte zurückkehren, sondern setzte sich mit Erfolg für seine Erhebung auf den gerade vakant gewordenen Regensbur­ger Bischofsstuhl ein. Offenbar wollte er auf diese Weise in einem Gebiet, das nach seiner Auffassung in den Zuständigkeitsbereich seiner Kirche ge­hörte, jegliche missionarische Aktivität unterbinden, die nicht von ihm au­torisiert worden war. Die hochfliegenden Pläne Pilgrims haben sich nicht verwirklichen las­sen. Natürlich hat man in Salzburg Gegenmaßnahmen getroffen und die Zuständigkeit für ganz Ober- und Unterpannonien für sich reklamiert; vor allem aber konnte Stephan selbst, als er nun an den Aufbau der ungarischen Kirche ging, kein Interesse an einem zu starken bayerisch-deutschen Ein­fluß haben. Wie stark also die Unterstützung von Seiten der Reichskirche tatsächlich war, läßt sich nicht feststellen. Daß Gisela das Missionwerk energisch gefördert hat, betont der Chronist Sigebert von Gembloux, der ei­nige Jahre nach den hier geschilderten Ereignissen schrieb. Er führt den Übertritt Stephans und des ungarischen Volkes zum Christentum direkt auf Giselas Initiative zurück, ähnlich wie der spätere Chronist Ekkehard von 83

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