Gizella és kora (Veszprémi Múzeumi Konferenciák 4. 1993)
Egon Boschof: Die bayerisch-ungarischen Kontakte zur Zeit Giselas
beginnende Gesetzgebung offenbar Einflüsse des bayerischen Stammesrechtes, der Lex Baiuwariorum also, und die Münzprägung, die mit Stephan einsetzt, richtet sich an den Regensburger Halbdenaren des Herzogs Heinrich aus. Auch beim Aufbau der Kanzlei hat Heinrich seinen Schwager unterstützt. Die Bedeutung der bayerischen Verbindung für den ungarischen König wird schließlich an der Namensgebung für seine und Giselas Kinder deutlich. Wir wissen, daß Gisela mehreren Kindern das Leben geschenkt hat; sie sind früh gestorben, und nur zwei sind uns mit Namen bekannt: Emmerich (d.i. Heinrich) und Otto. Das aber sind die Leitnamen der deutschen Königsdynastie der Liudolfinger/Ottonen, der auch die bayerische Herzogsfamilie als Nebenlinie zugehörte. Indem Stephan nicht Namen aus der eigenen Dynastie der Arpaden, sondern aus der Familie seiner Gemahlin wählte, bekannte er sich nach mittelalterlicher Sitte dazu, daß auch er diese als die vornehmere ansah. Wenn wir einer Nachricht Avantins Glauben schenken dürfen, dann hat Stephan im Jahre 1027 oder 1029 auf einem Reichstag zu Regensburg das bayerische Herzogtum für seinen Sohn Emmerich als Enkel Heinrichs des Zänkers, des Vaters der Gisela, gefordert. Anderseits hat der Thronfolger um 1020 eine Dame aus byzantini-schem Adel geheiratet, vielleicht die Tochter des 1028 zum Kaisertum aufsteigenden Romanos III. Argyros (1028-1034). Es schien sich eine neue Perspektive ungarischer Politik zu eröffnen: eine Mittlerstellung zwischen griechischem Osten und lateinischem Westen. Der tragische Tod Emmerichs im September 1031 machte diese Möglichkeit zunichte. Man wird davon ausgehen können, daß Stephan beim Aufbau der ungarischen Landeskirche geistig-geistliche Unterstützung von der Reichskirche, und dabei im besonderen von den bayerischen Bistümern, erhielt. Von engeren Beziehungen zeugt die Teilnahme des Metropoliten Anastasius von Gran an den für die Gründung des Bistums Bamberg entscheidenden Ereignissen der Synode von Frankfurt 1007 und der Weihe des Bamberger Domes im Jahre 1012. Im übrigen hat die bayerische Kirche sich schon bald nach der Lechfeldschlacht den im Südosten auftuenden Missionsaufgaben gestellt, und es war gerade der Bischof Pilgrim von Passau, der hier auch eine Chance der Rangerhöhung sah und zu nutzen versuchte. In einem Schreiben an den Papst Benedikt VI. oder VII. bittet er mit Hinweis auf seinen neuen Aufgabenbereich um Verständnis dafür, daß ihm bisher ein ad limina-Besuch in Rom nicht möglich gewesen sei. Angeblich ist er von den Ungarn selbst eingeladen worden, das Evangelium zu predigen, und er hat dann geeignete Männer, Mönche und Kleriker aller Grade, mit dieser Aufgabe betraut. Der Erfolg war überwältigend, und das ist Grund genug, dem Papst nun die Ordination von Bischöfen im Missionsgebiet vozuschlagen, weil er allein die Aufgaben nicht mehr bewältigen kann. Dabei beruft er sich auf die Existenz von sieben Bischofssitzen in Pannonién und Moesien 82