Gizella és kora (Veszprémi Múzeumi Konferenciák 4. 1993)

László Solymosi: Gesellschaftstruktur zur Zeit des Königs István des Heiligen

László Solymosi Gesellschaftstruktur zur Zeit des Königs István des Heiligen Zur Zeit der Tausendjahrwende herrschten in West-Europa zwei Auffas­sungen über die Gesellschaft. Die eine betrachtete die rechtliche, die ande­re jedoch die funktionalle Gegliedertheit der Gesellschaft als entscheidend. Die erste hat die Gesellschaft als ein bipolares System aufgefasst, d.h. sie betrachtete sie nach antikem Muster als ein Konglomerat von Freien (libe­ri) und Dienern (servi). Laut der zweiten Auffassung bestand die Gesell­schaft aus Gruppen mit verschiedenen Funktionen, aus „Ständen" (ordi­nes): den Betenden (oratores), Kämpfern (pugnatores oder bellatores) und aus Arbeitenden (laboratores). Der Abt Abbon aus Fleury hat am Ende des 10-ten Jahrhunderts diese dreifache Gliederung mit einer alten kirchlichen Auffassung kombiniert, die die Gesellschaft auf „Stände" der Kleriker und Laien teilt. Die Betenden teilte er in zwei Teile: den „Stand" der Mönchen und der Kleriker und innerhalb „des Standes" der Laien unterschied er die Kämpfer (agonistae) und die Landbauer (agricolae). Diese Einteilung in „vier Gruppen" galt jedoch als Ausnahme. Im 10-ten Jahrhundert und auch zur Zeit der Tausendjahrwende war die Theorie der drei „Stände" allge­mein verbreitet. Der Bischof aus Laon Namens Adalberon hat in seinem Gedichtbrief an den französischen König Robert II. (Frommen) in den Ja­hren zwischen 1025-1031 die Gesellschaft ähnlicherweise gegliedert. Der Frieden in der Gesellschaft wurde durch die Erfüllung der Berufe, der Har­monie zwischen den „Ständen", die gegenseitige Abhägigkeit und Solida­rität gesichert. Der König, der aufgrund seiner privilegierten Lage auch in­nerhalb der Kirche eine regierende Macht hatte, garantierte das Gleichge­wicht, die Harmonie zwischen den Gesellschaftgruppen. Die rechtliche oder funktionelle Gliederung der Gesellschaft - trotz ihres ideologischen Inhalts - ging so sehr aus der Realiät aus und war eine derar­tige allgemeine Erscheinung, daß man sie auch in dem ungarischen Quel­lenmaterial aus der Zeit der Jahrtausendwende entnehmen kann. Aus der Zeit des Königs István des Heiligen blieb keine einzige originale Quelle er­halten. In Duplikaten jedoch kennen wir die „Mahnungen" von István des Heiligen an seinen Sohn, den Thronfolger Imre (Emerich), weiterhin ken­nen wir die in zwei Gesetzbüchern vorfindbaren Paragraphen der Gesetzge­bung. Was die Authentizität dieser anbelangt, gibt es keinen Zweifel, best­reiten könnte man höchstens - im Falle der Gesetze - die Originalität der Textvarianten. Ganz anders ist die Lage mit den Urkunden. Aus der Zeit 59

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