Gizella és kora (Veszprémi Múzeumi Konferenciák 4. 1993)

Praznovszky, Mihály: Königin Gizella in den ungarischen historischen Dramen

hat, und der in seinem Namen Entscheidungen traf, eventuell auch ohne sein Wissen. Und diese Person konnte keine andere, als Königin Gizella gewe­sen sein, die unmittelbare Gefährtin des Königs, die noch dazu auch eine Fremde im Lande war! In der Wirklichkeit aber ist es nicht zu bezweifeln, daß König István die Entscheindungen traf. Der zur Seite gestellte Vazul hatte einen Aufstand gegen den König geplant. Seine Strafe konnte keine andere sein, als was die Gesetzte des Königs István vorgeschrieben haben, d.h. die damalige gültige Rechtspraxis gefordert hatte, und was für die Zeitgenossen ganz selbsverständlich war. Hóman Bálint schreibt: „die Verblindung und die Verstümmelung war im 10-11-ten Jahrhundert in ganz Europa eine übliche Strafe gegen die Fürstenangehörigen, die sich dem gesetzlichen Herrscher wiedersetzten, Eid gebrochen oder einen Aufstand angestiftet haben. ' ' Mit Ausnahme des Bleigießens, denn das konnte nur erfunden worden sein. Das falsche Bild von Gizella mag auch eine andere Ursache haben, da zur Zeit der Verfassung dieser Urchroniken eben die Nachfolger des Va­zulzweiges herrschten und es wäre sehr peinlich gewesen, anzuerkennen, daß ihre Herrschaft eigentlich mit einem Rebellen und sich gegen den Thron wiedersetzenden Vorfahren begann, d.h. ihr Herrschen wäre so zu sagen illegitim. Das musste man ein bißchen verfeinern und verfälschen und diese Kleinigkeit betimmte dann Jahrhunderte hindurch die Beurtei­lung einer historischen Persönlichkeit. Kehren wir nun auf die vielen Dramen zurück und erwähnen wir von ih­nen als erstes das Drama von Katona József, obwohl das eigentlich nur eine Korrigation war. Es ist ein Werk des schon früher erwähnten Girzik, dessen wahrer Name eigentlich Frantisek Xaver Jirik und der ein böhmischer Schauspieler und Sänger war, und in den Jahren 1789-1813 in Buda (Ofen) im deutschen Theater gespielt hat. Er schrieb Librettos zu Mozart-Opern und übersetzte auch andere zeitgenössische Schauspiele, Librettos u.s.w. Dieses Drama hat Katona József in wesentlicher Weise umgeschrieben und dies wurde von der ungarischen Schauspielergesellschaft am 19-ten August 1813 in der Rondelle in Pest aufgeführt. Das Stück - dessen einzel­ne Züge schon auf den „Bánk Bán" hinweisen - hatte zwei interessante Markmale. Die Hauptrolle, „den István, den letzten Herzog, später König des Ungarnlandes" hat selbst Katona József gespielt, die bayerische Prin­zessin, die Gemahlin von István hatte - nach dem Spielplan - Déryné ge­spielt. (Katona war damals hoffnungslos in die berühmte Schauspielerin verliebt und so konnte er sich besonders gut in die Rolle des königlichen Gemahls einleben.) Das Stück spielt vor der Krönung von István, zur Zeit, als István vor der tragischen Wahl stand: Europa oder die Tradition. Es „stellt István, den Apostel der europäischen Zivilisation und des Christentums Kupa gegen­104

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