Vállalkozó polgárok a Dunántúlon a dualizmus korában. Konferencia Veszprémben, 1994. október 13-14. (Veszprém, 1995)
Hannes Stekl: Unternehmer in Klein- und Mittelständten Österreichs (1848–1918)
Entschluß zur Übernahme eines Unternehmens oder zu einer selbständigen Firmengründung gestanden sein mochte — nahezu übereinstimmend betonten besonders Industrielle (und zwar unabhängig von ihrer Konfession) zwei Erfordernisse: Erstens die Notwendigkeit einer soliden fachlichen Qualifikation in Form von häuslicher Ausbildung, Tätigkeit bei Verwandten oder Geschäftsfreunden oder im Verlauf von Reisen; zweitens die Bedeutung von Pflichterfüllung, Selbstüberwindung und die Hochschätzung von rastloser Arbeit. Die Erhaltung des Betriebes im Interesse der Familie ging — unabhängig von der Rechtsform — stets vor kurzfristigen individuellen Neigungen. Der einfache Färbermeister Georg Schicht (1820-1887) erzog seine Kinder mit Redensarten wie „Der Leib ist ein fauler Knecht, dem man Gewalt antun muß", „Früh auf und spät nieder, bringt verlorene Güter wieder" oder „Narren halten offene Tafel, kluge Leute speisen daran". Sein Sohn Johann hielt auch noch als Großindustrieller an diesen Erziehungsmaximen fest, wenn er 1897 schrieb: „Wer aus seinen Kindern etwas machen will, muß sie zum standhaften Ertragen von Mühseligkeiten erziehen." Und in einem Brief von 1899 heißt es: „Unsern Erfolg danken wir uns selbst, unserer Umsichtigkeit und einigen wichtigen Verbesserungen, sowie dem Vertrauen, das wir uns durch unser einfaches Leben erwarben." 27 Für die meisten Unternehmer standen zudem Selbständigkeit, individuelle und selbstverantwortliche Leistung, Weitblick sowie der Glaube an einen kontinuierlichen persönlichen und gesellschaftlichen Fortschritt im Vordergrund. Besonders Autodidakte unterstrichen darüber hinaus den Wert einer umfassenden, über berufsspezifische Belange hinausreichenden universalen Bildung (Lektüre, Pflege von Musik oder Begeisterung für Malerei und Theater). Ein solcher Tugendkatalog besaß keine berufsspezifische Ausprägung; er galt vielmehr als Weg zur Selbstverwirklichung und schien in der Utopie einer allumfassenden bürgerlichen Gesellschaft universell erfüllbar. In Glaubensfragen waren viele Unternehmer von einer liberalen Weltsicht geprägt, welche freilich keineswegs mit religiöser Indifferenz gleichzusetzen ist. Weiters begegnet man individuell unterschiedlich facettierten Weltbildern und Idealen, welche in engem Zusammenwirken mit prominenten Sympathisanten als Einstellungsmuster publizistisch propagiert wurden. 60