Vállalkozó polgárok a Dunántúlon a dualizmus korában. Konferencia Veszprémben, 1994. október 13-14. (Veszprém, 1995)
Hannes Stekl: Unternehmer in Klein- und Mittelständten Österreichs (1848–1918)
men Ausgreifen auf das akademisch gebildete Bürgertum sowie eine konfessionelle Bindung an katholische bzw. protestantische Kreise, ähnlich den Gepflogenheiten jüdischer Familien. In Mittel- und Kleinstädten bemühte man sich um Eheverbindungen mit anderen Unternehmern oder mit städtischen Honoratioren, mochten diese zum „alten" oder „neuen" Stadtbürgertum zählen. Lange überwogen bei der Partnerwahl ökonomische Interessen oder familiale Entscheidungen. Mit einer reinen Liebesheirat konnte sich die ältere Generation noch im beginnenden 20. Jahrhundert nur schwer abfinden. Der Textilindustrielle Friedrich Pacher von Theinburg (Sollenau/ Niederösterreich-Wien) 24 betonte noch 1912 in seiner „Hauschronik": „Wir müssen — so bitter es sein mag — zufrieden sein, wenn sie (die Töchter, H.S.) glücklich sind u. glücklich bleiben. Ob es uns recht ist, ist ja Nebensache, Beide kommen sie in die bescheidensten Verhältnisse, haben fast ganz vermögenslose Männer geheirathet, sind nur und ausschließlich ihren Neigungen gefolgt, ganz unbeeinflußt von Erwägungen äußerlicher Natur. Sicherlich ist ja das an sich das richtige, aber die Sorgen desjenigen, der ... weiß, welche Rolle die materiellen Dinge auch ... in dem Bestand des inneren Glückes zu spielen pflegen, wird jeder verstehen, der in die eigene Vergangenheit zurückblickt..." 25 Auch für die Unternehmer in Klein- und Mittelstädten war die Familie in der Regel Hort der Privatheit, der Emotionalität, der Erholung. Allerdings sind dabei Differenzierungen nach Größe, Struktur und Art des Betriebes angebracht. Vor allem „Landbürger" hielten, wie Beispiele von steirischen Eisenindustriellen und niederösterreichischen Müllerfamilien zeigen, lange an ihrer berufsspezifischen Traditionspflege und an patriarchalischem Auftreten fest. 26 Auch in den Städten blieb die Frau von kleineren Unternehmern noch stärker in die Arbeitssphäre eingebunden. Bei größeren Firmen dagegen läßt sich eine unterschiedliche Entwicklung feststellen: Teils vollzog sich, dem Konzept der Geschlechtscharaktere entsprechend, ein Rückzug der Frau auf den häuslich-privaten und geselligen Bereich; teils gelang es den Frauen, sich sowohl in kritischen Situationen als Beraterin und Helferin des Gatten zu bewähren als auch individuelle Freiräume zu bewahren. Wichtiges vergesellschaftendes Element der verschiedenen bürgerlichen Formationen von Klein- und Mittelstädten war eine von anderen Schichten unterscheidbare Lebenseinstellung, welche auf bestimmten Wertorientierungen beruhte. Welches Motiv auch immer hinter dem 59