Vállalkozó polgárok a Dunántúlon a dualizmus korában. Konferencia Veszprémben, 1994. október 13-14. (Veszprém, 1995)

Hannes Stekl: Unternehmer in Klein- und Mittelständten Österreichs (1848–1918)

Liberaler mit einer großen Wertschätzung von Bildung und Wissenschaft sowie als Förderer der Interessen von Stadt, Handel und Kleingewerbe durch seine maßvolle kapitalistische Unternehmensführung. Der Konflikt hatte für die Parteigänger Werndls keine negativen Folgen: Neuwahlen im August 1876 brachten einen vollen Erfolg der Liberalen. 10 Hinter der Kritik am Wirken von Einzelpersonen und hinter den pole­misch geführten Diskussionen standen offenbar nicht nur die wirtschaft­lichen Gegensätze zwischen Klein- bzw. Mittelbetrieben und Großindustrie, sondern auch ideologische Differenzen mit jeweils unter­schiedlichen Konfliktlinien zwischen Klerikal-Konservativen, Christlich­sozialen, Liberalen bzw. Deutschnationalen. Ökonomische Kriterien, kontroversielle Themen der Landes- und Reichspolitik, unterschiedliche Auffassungen über kommunale Projekte sowie Parteistrategien lösten die Gemeinsamkeit stadtbürgerlicher Interessen auf und trugen zum Zerfal­len der traditionellen Einheit stadtbürgerlicher Oberschichten bei. Dieses Phänomen läßt sich besonders deutlich in der Gründung von politisch konkurrierenden Geselligkeitsvereinen verfolgen. 11 Eine individuell unterschiedlich intensive Mitwirkung in den Handels­und Gewerbekammern war vor allem für größere Industrielle nur schwer zu umgehen; für Gründungsaktivitäten erwies sich eine Mitgliedschaft oft als unabdingbar notwendig. Ähnliches gilt für die Übernahme von Funk­tionen im Auftrag von Vereinen, Interessenvertretungen oder von staat­lichen Stellen. Einer Nominierung als Kandidat für den Landtag bzw. Reichsrat leisteten Unternehmer gewöhnlich erst dann Folge, wenn sie die Geschäftsführung vorübergehend der nachfolgenden Generation oder kompetenten Angestellten übertragen konnten. Vor allem in den Anfangsphasen des Parlamentarismus entwickelten sie als Abgeordnete Sympathien für die verfassungstreuen Liberalen und damit für ein zen­tralistisches, deutsch geprägtes Staatswesen. Überwiegend beschränkten sie sich nicht auf eine passive Rolle, sondern entfalteten in Ausschüssen und Kommissionen eine rege Tätigkeit. Ihre Wirksamkeit in den politi­schen Gremien erforderte freilich den Erwerb von zusätzlichen Sachkom­petenzen, die Ausbildung von Diskussionsfähigkeit sowie beträchtliche Anpassungsleistungen im Umgang mit Vertretern anderer gesellschaftli­cher Gruppen. Der aus einfachem handwerklichen Milieu stammende Aussiger Tex­tilindustrielle Carl Wolf rum 12 wurde 1859 als Vertreter der Handelskam­mer Reichenberg in die neu konstituierte Landtags-Kommission zur 54

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