Vállalkozó polgárok a Dunántúlon a dualizmus korában. Konferencia Veszprémben, 1994. október 13-14. (Veszprém, 1995)
Hannes Stekl: Unternehmer in Klein- und Mittelständten Österreichs (1848–1918)
In den Gemeinderäten vertraten zahlreiche Unternehmer einen mehr oder weniger klar ausgeprägten Liberalismus; vor allem manche Gewerbetreibende blieben lange vom frühliberalen Ideal einer mittelständischen Bürgergesellschaft auf patriarchalischer Grundlage geprägt, verstanden sich aber ebenso wie Großunternehmer meist als das eigentlich dynamische Element der Stadtgesellschaft. Wer leitende Funktionen in der Gemeindeverwaltung übernahm, trachtete dort den Prinzipien von Effektivität (Vereinfachung der Verwaltung), Modernität (etwa Gründung von Sparkassen, Ausbau der städtischen Infrastruktur und des Verkehrswesens), universaler Bildung (Schulbauten) und Rentabilität (Stabilisierung der kommunalen Finanzen) Geltung zu verschaffen. Dies führte nicht selten zu Konflikten mit den etablierten konservativen Führungsgruppen. Oft lassen sich daher Versuche von Unternehmern nachweisen, die wirtschaftlich weniger einflußreichen Gruppen innerhalb der Stadtbevölkerung in ihre politische, finanzielle und soziale Abhängigkeit zu bringen. Die seit 1866 zunehmenden Nationalitätenkonflikte sahen die Unternehmer überwiegend auf der Seite von Zentralismus und deutscher Kulturnation. Die zunehmende politische Polarisierung und vor allem die Entstehung von Massenparteien blieb auch auf lokaler Ebene nicht ohne Folgen. Besonders im Verlauf von harten Wahlkämpfen wurde die Verschränkung von wirtschaftlicher Führungsposition und politischer Machtstellung zum Gegenstand von Auseinandersetzungen, welche durch die Dichte des sozialen Lebens in Kleinstädten oft äußerst heftig waren. Derartige Konflikte beeinträchtigten nicht selten die Handlungsfähigkeit der politischen Vertretungsorgane nachhaltig und konnten sogar zum Rückzug von Unternehmern aus der Politik führen. Der Waffenindustrielle Josef Werndl, seit 1860 Gemeinderat der Stadt Steyr, 1867-1869 als Vertreter der Handels- und Gewerbekammer Abgeordneter im oberösterreichischen Landtag, wurde 1876 zum Angriffsobjekt in der Agitation der klerikalkonservativen Kreise gegen die politisch führenden Liberalen. Im Zuge einer intensiven Pressekampagne wurde dem Unternehmer wegen angeblicher Verwendung von schlechtem Material die Schuld am Ausbleiben lukrativer Aufträge aus Frankreich angelastet. Werndl nahm diesen Vorwurf zum Anlaß, seinen Rücktritt von der Funktion eines Gemeinderats zu erklären. Er präsentierte sich in diesem „Kampf zwischen Fortschritt und Rückschritt" als überzeugter 53