Vállalkozó polgárok a Dunántúlon a dualizmus korában. Konferencia Veszprémben, 1994. október 13-14. (Veszprém, 1995)

Hannes Stekl: Unternehmer in Klein- und Mittelständten Österreichs (1848–1918)

Der Unterstützung von städtischen Bauvorhaben oder Stiftungen von Unternehmern beschleunigten den Wandel von noch stark dörflich ge­prägten Gemeinden zu Siedlungen mit städtischem Charakter. Die Er­richtung von Feuerwehrhäusern, die Anlage von Schulen, Kindergärten, Armen- sowie Krankenhäusern in den Stilformen des Historismus kon­frontierten die Bevölkerung mit zeitgemäßen funktionalen Standards so­wie mit neuen ästhetischen Qualitäten. Als Paul Kupelwieser 6 1876 die Leitung der Eisenwerke im mähri­schen Witkowitz (Vitkovice) übernahm, ließ er sofort eine Reihe von Ver­änderungen vornehmen: „Werkshotel und Werkspital sollten gründlich gereinigt werden, was großes Aufsehen in Witkowitz erregte und durch­aus nicht leicht war. Ich mußte lachen, als mir der sonst ganz geschickte Hotelier mit entrüstetem Stolz versicherte, daß in seinem Hause 40 Jahre nicht gewaschen worden sei, weder Fußböden, noch Fenster, noch Wände, noch Decken." 7 Prägend für das Stadbild von Klein- und Mittelstädten sowie für die Landschaft der Umgebung erwiesen sich auch die Wohnhäuser von Un­ternehmern. In den Sektoren Handel und Gewerbe blieb die traditionelle Einheit von Wohnort und Betriebsstätte noch lange bestehen. Die teils äl­teren und adaptierten, teils in Stilformen des Historismus neu errichteten Objekte befanden sich in sozialtopographisch bevorzugten Vierteln der Städte (Marktplatz, Ausfallstraßen). Sie verbanden die funktionalen Er­fordernisse von Produktion bzw. Distribution mit einem bescheidenen repräsentativen Ambiente. In den Industriegemeinden löste sich die Un­ternehmervilla nur langsam aus dem Verband der Fabrikanlagen und fand ihren neuen Platz inmitten großzügiger Parks oder Gärten. In diesem va­riantenreichen Bautyp verbanden sich romantische Naturbegeisterung mit Repräsentationsbestrebungen und neuen Ansprüchen von Hygiene und Komfort. Eine weitere repräsentative Zurschaustellung von unternehmerischen Qualitäten im öffentlichen Raum ermöglichten Grabkult und Denkmäler. In der Grabkunst zeichnete sich in der Vielfalt künstlerischer Lösungs­möglichkeiten vor allem seit den 1890er Jahren eine Tendenz zu szeni­schen Kompositionen ab, welche mit figurenreichen Handlungsabläufen auf Leistungen und Tugenden des Verstorbenen anspielten. Derart auf­wendige Grabmonumente waren außerhalb der Großstädte allerdings ebenso selten wie öffentliche Denkmäler für Unternehmer. In Wort und Ikonologie verewigten auch Reliefs, Büsten oder figurale Erinnerungs­51

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