Stach Reinhard – V. Fodor Zsuzsa (szerk.): Német iskolai faliképek 1880–1980 között. Kiállítás a Duisburgi egyetem általános főiskolai karának iskolatörténeti gyűjteményéből (Veszprém, 1989)

wußtsein zu entwickeln, benutzte man in der Schule die Jahreszeitenbilder. Neben dem Zeitverlauf repräsentierten die Jahreszeitenbilder auch die Lebens­welt, die vor hundert Jahren in den me­isten Landesteilen noch agrarisch orien­tiert war. Zeitbewußtsein und Raum­vorstellung konnten an diesem Medium vom Schüler gewonnen werden. Die Winckelmannsche Serie „Bilder für den Anschauungs- und Sprach­unterricht" erschien im Jahre 1861 und umfaßte sechs .lahreszeitenbilder, von denen wir vier (Abb. 11-14) ausgewählt haben. Das erste Bild der Serie „Der Mensch und die Haustiere" zeigt im Vordergrund den Wirtschafts­bereich eines Cutshofes, dessen Her­renhaus im Hintergrund in einem schloßähnlichen Park liegt. Beide Bereiche dieser sozialunterschiedlichen Lebenswelt sind durch einen Zaun getrennt. Ohne daß das typische Topoi, die blühenden Bäume auf dem Bild enthalten ist, veranschaulicht es den Frühling. Die Störche bauen ihr Nest, die Schafe haben Lämmer gebo­ren und die Stute hat gefohlt. Die Kinder sind in diesen Alltag einbezo­gen. Sie helfen bei der Arbeit oder spielen — wie auf dem Winterbild zu sehen ist — im Schnee. Zum Kreislauf des Jahres gehören auch die wiederkehrenden Feste. Ein für die Christenheit bedeutsames und für die Kinder erwartungsfrohes Ereig­nis ist das Weihnachtsfest. Gertrud Caspari (1873—1948), eine namhafte Kinderbuchillustratorin, hat die weih­nachtliche Szenerie eindrucksvoll im Bilde eingefangen. Nicht alle Wand­bildmaler besitzen eine solche Aner­kennung als Künstler. Auch das zweite Bild (Abb. 17) veranschaulicht ein Thema der Weihnachtszeit. Noch heute ist es in vielen Orten üblich, daß Kinder am Dreikönigsfest heilwünsch­hend und singend von Haus zu Haus ziehen. Das Bild ist die Reproduktion eines Gemäldes von Ludwig Richter (1803-1884). Beide Bilder sind um 1920 erschienen. Unter dem Einfluß der Kunsterziehungsbewegung besaß die ästhetische Erziehung damals noch ein deutliches Gewicht in den Schulen. Der Unterricht sollte die Schüler schon früh an echte Kunstwerke heranführen. Zur Einführung in die Lebenswelt gehört heute mehr denn je die Ver­mittlung von Angeboten zur Freizeit­gestaltung. Zwei Wandbilder aus den letzten Jahrzehnten dokumentieren diesen Trend. Das Bild „Im Zoo" (Abb. 15) zeigt in einer kindertüm­lichen Weise alle möglichen Tiergehe­ge. Obgleich strukturiert, ähnelt die Darstellung einem Suchbild, das nach ordnender Versprachlichung verlangt. Ästhetisch ansprechender gestaltet ist das Bild „Zirkus" (Abb. 16). Die Auflösung der Konturen verdeutlicht das Geheimnisvolle, das einmalige Geschehen in der Manege. Lebensw a U repräsentiert allerdings auch das Bild vom Leipziger Bahn­hof (Abb 19). Neben Industrieanlagen werden um die Jahrhundertwende die Bahnhöfe prägende Bilder einer Groß­stadt. Auf ihnen und in ihrer Nähe pulsiert das Leben, blühen Handel und Wirtschaft. Sie sind die neuen Monu­mente der alten Handelsmetropolen. Manche Themen des Deutschunter­richts sind zugleich Inhalte des Anschauungsunterrichts. Die Vermitt­lung der Elementartechniken des Le­sens und Schreibens sind ein notwen­diger Bestandteil des Unterrichts im ersten Schuljahr. Unser Bild (Abb. 21) zeigt einen Knaben am Teich. Die Gänse machen ihm den Ch-Laut vor. Er kann ihn auch im Unterricht nicht vergessen, weil das Bild ihn erinnert. Auch die Fabeln (Abb. 24) und Märchen besitzen ihren Platz im Lehr­plan der ersten Schuljahre. Das Buch „Fünfzig Fabeln für Kinder" von Wilhelm Hey (1789-1854) mit den Bildern von Otto Speckt er (1807­1871) erschien erstmals im Jahre 1833. Fabeln und Bilder fanden das Interesse des Lesepublikurns und wur­den bald Lesegut in den Volksschulen. Rund fünfzig Jahre später erschienen die ersten Wandbilder zu den Hey­schen Fabeln. Auch sie fanden eine weite Verbreitung und wurden mehr­mals neu verlegt. Sie waren im gesam­ten europäischen Raum verbreitet. Die Fabel lautet: Fischlein Fischlein! Fischlein! du armer Wicht, Schnappe nur ja nach der Angel nicht, Geht dir so schnell zum Halse hinein, Reißt dich blutig und macht dir Pein. Siehst du nicht sitzen den Knaben dort? Fischlein, geschwinde schwimme fort. Fischlein mocht es wohl besser wissen. Sähe nur nach dem fetten Bissen, Meinte, der Knabe mit seiner Schnur Wäre hier so zum Scherze nur. Da schwamm es herbei, da schnappt' es zu. Nun zappelst du, armes Fischlein du. Wandbilder zu den deutschen Märchen erschienen erst relativ spät. Im Jahre 1904 begann der Verlag Meinhold in Dresden eine Serie ,,Märcheinbilder für Schule und Haus". Die ersten drei Bilder veran­schaulichen „Rotkäppchen" (Abb. 25), „Dornröschen" und „Frau Hol­le". Der Maler ist J. Felix Elßner. Die Meinholdschen Märchenbilder besitzen eine einheitliche Flächengestaltung. Die Hauptfläche in der Bildmitte gibt den zentralen Gedanken wieder. In geordneter Folge sind um die Grund­fläche herum weitere Motive des Märchens szenisch dargestellt. Die flächenmäßige Aufteilung und ihre Betonung durch bewegte und ge­schwungene Linien tragen Elemente des Jugendstils. Die Bevorzugung der Kunstrichtung ist gewollt- denn die Bilder dienten nicht nur zur Infor­mation, sondern auch zur ästhetischen Erziehung. Die Wandbilder zur lyrischen und dramatischen Dichtung und zur Lite­raturgeschichte waren Medien für den Deutschunterricht der Volksschulober­stufe und der höheren Schulen. 28

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