K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 2005/9. (Veszprém, 2005)

OTTOMÁNYI, KATALIN: Römerzeitlicher Vicus in Budaörs

Östlich von hier gibt es mehrere alleinstehende Gebäude aus dem 4. Jahrhundert (mit Vorgängen im 3. Jahrhundert), die allerdings keine ähnliche Anordnung zu dem westlichen Halbkreis zeigen, Ld. I-III. Steingeb. L/32 Obj. usw. Aus dem Gesichtspunkt der erdvertieften Objekte der späten Römerzeit war dieses Gebiet schwächer besiedelt. Gruben, Öfen und Brunnen können in kleineren Gruppen hauptsächlich in der Umgebung je eines Steingebäudes beobachtet werden. Einer der am dichtesten besiedelten Teile im 4. Jahrhundert war der nördliche NO-Teil. Hier fanden wir viele Gruben, Schlackenabfallgruben, Lehmgruben, Öfen und zwei Steinbrunnen. In dem einen Brennofen standen auf das Ausbrennen wartende Webstuhlbeschwerer, die mit Münzen der Constantinus Dynastie datiert sind. In der Mehrheit gab es auch Material aus dem 3. Jahrhundert, es könnte hier also ab der Zeit von Severus bis zum Ende des 4. Jahrhunderts ein funktionierendes Handwirtschaftsviertel gestanden haben. Am Ende des 4. und Anfang des 5. Jahrhunderts bestattete man manchmal schon in die aufgegebenen Gruben. Wir fanden sogar auch einen Toten, der mit einem geglätteten schwarzen Krug und einem Eisenmesser bestattet wurde. In dieser Epoche wohnte man nur an wenigen Stellen. z.B. wird auf das Gebäude mit dem mittleren Flur ein Häuschen mit Pfostenkonstruktion auf die früheren Mauern gebaut. Heizungsspuren, Fußbodenheizug oder Heizungskanäle konnten nur an wenigen Stellen beobachtet werden. In diesen Fällen wurde der Grund der Heizungskanäle mit Ziegelsteinen ausgelegt (v/10, L/577 Obj.). Hypocaustum-Säulen gelangten nur vereinzelt an die Oberfläche. Die Dächer der Häuser waren mit tegula oder imbrex gedeckt. Einige Wände waren mit Fresken oder Stuck verziert, doch die blieben uns nur in Bruchstücken erhalten. Ein Bad fanden wir nicht. Die in römischer Technik gebauten Steinhäuser werden von der Forschung meistens als Gutshöfe gedeutet. Aufgrund des oben Beschriebenen geht klar hervor, daß die Siedlung von Budaörs nicht in die Reihe der Gutshöfe der Umgebung von Aqiuncum gehört, sondern eine an einem Ufer gelegene und wahrscheinlich eine sich längs an einer Straße erstreckende Siedlung ist und vicus genannt wird. Diese Siedlung hatte eine große Ausbreitung und es gelang uns, den sehr reichen Teil des Zentrums der früheren Epoche aus dem 2. Jahrhundert auszugraben. Das Zentrum könnte die mit Steingebäuden im Halbkreis umgebene westliche Hälfte gewesen sein, die östliche mit den erdvertieften Häuserreihen. Im 3.-4. Jahrhundert war allerdings der SO-Teil das mit gepflasterten Straßen umgebene Zentrum, obwohl auch die Gebäude im Westen bis zum Ende des 4. Jahrhunderts standen. Das „Gewerbe-Viertel" lag damals schon weiter entfernt an der N-NO-Seite. Hier wurde auch das Gräberfeld angelegt, ungefähr 50 m vom Rand der Siedlung entfernt. Dieser vicus ist die von den Römern - irgendwann in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts - angelegte Siedlungsform, die in ihrem Namen noch das Andenken an die keltische Urbevölkerung bewahrt. Die in den Provinzen befindlichen vici sind für gewöhnlich, ähnlich wie die italienischen dem pagus eingegliedert. Die pagi gehören widerum zu einer res publica (Stadt). In unserem Fall war der vicus von Budaörs Aquincum angeschlossen. Die vici waren den verstreuten, kaum besiedelten früheren Dörfern der

Next

/
Thumbnails
Contents