K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 2005/9. (Veszprém, 2005)

FEHR, HORST: Die römerzeitliche Villa von Ahrweiler: Bestand - Konservierung - Museum

überdeckte einen kleinen Raum am Ende zweier Korridore. Von dem Raum sind nicht nur der Grundriß mit verschiedenen Wanddurchlässen und einem großen Fenster sicher belegt, sondern seine Raumhöhe konnte auf Grund gesicherter Funde auf den Zentimeter genau rekonstruiert werden. Daher sind wir sicher, daß sich der Nachbau der Tonne mit ihrer Ausmalung wieder am ursprünglichen Ort befindet. Und der Museumsbesucher kann hier einen allseits geschlossenen Raum in seinen originalen Ausmaßen studieren. Wegen der ungewöhnlich guten Erhaltung des römerzeitlichen Gebäudes sind eine Fülle von bautechnischen Details überliefert, die man bis dahin nördlich der Alpen zum Teil noch gar nicht kannte. So konnte z.B. für einen großen Raum ein breites, zweiflügeliges Schiebefenster nachgewiesen werden, für das es sogar in den städtischen Ansiedlungen Süditaliens keine bekannten Parallelen gibt. Auffallend viele Räume sind mit einer Hypokaustanlage versehen, die z. T. vollständig intakt sind, so daß sie unter Umständen wieder beheizt werden können, um ihre Funktionsweise zu demonstrieren. Von den technischen Installationen eines solchen Gebäudes ist z. B. eine Küche vollständig mit ihrem Herd, Backofen und kleiner Räucherkammer erhalten. Das am Silberberg in so einmaliger Weise überlieferte römische Landhaus bietet heute dem Besucher die Möglichkeit, gehobene Lebensweise romanisierter Einheimischer - denn hier auf dem flachen Land wohnten keine „Römer" - und deren Wohnkultur zu studieren. Dabei kann deutlich werden, welchen hohen Standart sowohl römerzeitliche Bautechnik als auch künstlerische Ausschmückung eines Hauses des 2. und 3. Jh. s auch in den Provinzen fem der römischen Kemlande erreicht hatten. Alle diese zivilisatorischen Errungenschaften sind mit dem Zusammenbruch des römischen Reiches und der völligen Auflösung seiner Infrastruktur im späten 5. und 6. Jh. in Vergessenheit geraten und haben erst wieder viele Jahrhunderte später im ausgehenden Mittelalter ähnliche Ausprägung bei uns erreicht. Schon die Testgrabung 1980 legte viele Quadratmeter originalen Estrich und vor allem laufende Meter römischen bemalten Wandverputz in situ frei, und dem Ausgräber und Denkmalpfleger stellte sich selbstverständlich die Frage, wie diese Befunde ohne Schaden zu nehmen, die umfangreichen Straßenbauarbeiten unter Einsatz schweren Gerätes und den nächsten Winter überstehen könnten. Zum Schutz über der Fläche aufgestellte Zelte erwiesen sich als nicht ausreichend, da sie unter Eis- und Schneelast zusammenbrachen. Als Frostsicherung hatten wir die freigelegten Räume volständig mit gepressten Strohballen verfüllt, die sich im Laufe der nassen Jahreszeit mit Wasser vollsogen, was wiederum erhebliche Schimmelbildung auf den bemalten Wandverputzen förderte. Die Fülle negativer Auswirkungen der bis dahin gebräuchlichen Schutzmaßnahmen, haben uns veranlaßt, nach dem ersten Winter die im kommenden Jahr zur Untersuchung anstehende Fläche mit einem festen Schutzbau zu überbauen. Dieser Bau wurde von Kampagne zu Kampagne erweitert, so daß während 10 Jahre nur unter Dach d. h. witterungsunabhängig ausgegraben wurde (Abb. 3). Unsere Erfahrungen sprechen eindeutig dafür, ähnlich sensible Objekte in unseren Breiten nur unter einem festen Schutz gegen die Einflüsse mitteleuropäischen Klimas freizulegen. Grabungszelte, auch beheizt, sind hierfür wenig geeignet. In Ahrweiler

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