K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 2005/9. (Veszprém, 2005)

FEHR, HORST: Die römerzeitliche Villa von Ahrweiler: Bestand - Konservierung - Museum

hatten wir schließlich ca. 3000 m 2 unter einem einzigen Dach gegen jegliche äußere Einflüsse, nicht nur der Witterung sondern auch etwaiger Vandalen geschützt. Während des Museumsbaues hat dann unser Schutzbau das römische Herrenhaus wie eine Museumsvitrine umgeben und so jeglichen Schaden durch die Bauarbeiten verhindert (Abb. 4). Nach Fertigstellung des Museumsbaues befanden sich, wie bei der bekannten russischen Puppe, ein römerzeitliches Haus in einem schützenden Grabungsbau und diese wiederum in einem riesigen Museumsbau. Bereits nach der ersten Grabungskampagne hat sich die Frage nach einem dauerhaften Schutz der in situ befindlichen Wandverputze als vordringlich erwiesen (s. o. Strohver­füllung). Die bis dahin übliche Abnahme der Verputze von der darunterliegenden Wand wurde von Archäologen und Restauratoren heftig diskutiert und schließlich ausgeschlossen, da bei diesem Vorgehen zu viele irreparable Schäden zu erwarten waren. Wir haben uns dann sehr früh für ein Verbleiben an der Wand und einen Schutz vor Ort entschlossen. Als „vorläufig" konservierende Maßnahme haben wir dann vor den verputzten Wandflächen im Abstand von 10 cm Holztafeln aufgestellt und den Zwischenraum mit gewaschenem und getrocknetem Quarzsand verfüllt. Dabei dürfen weder die Wand noch die Holzwand mit Folie bedeckt werden, um Staunässe und somit Schimmelbildung zu vermeiden. Der eingefüllte Sand bewirkt ausreichenden Druck auf die Malschicht und verhindert so die Bildung von Verputztaschen; er ist eine ausreichende Frostsicherung und als wichtigsten Effekt nimmt der getrocknete Sand die im Mauerwerk aufsteigende und durch den Verputz diffudierende Feuchtigkeit vollständig auf ohne daß sich auf der Malschicht Sinter bildet. Diese Notsicherung hat sich über 11 Jahre hervorragend bewährt (Abb. 5). Als Folge davon befinden sich im Museum Roemervilla nach wie vor alle ausgegrabenen Wandverputze noch in situ und werden an Ort und Stelle sukzessive konserviert. Schon nach wenigen Grabungskampagnen wurde immer deutlicher, daß die hier ausgegrabenen Befunde von hohem wissenschaftlichem Wert und ebenso wichtig als Information für den interessierten Laien sind. Daher haben wir allenthalben die Idee propagiert, das Innere des Straßenohres soweit zu überbauen, daß der vollständige Grundriß des Herrenhauses unter einem Dach geschützt würde und museal genutzt werden könnte. Ein solcher Bau konnte dann 1993 der Öffentlichkeit als Museum übergeben werden. Er wird seitdem jährlich während sieben Monaten Öffnungszeit von 34 000 Besuchern genutzt. Die Gebäudehülle ist eine reine Holz-Glas-Konstruktion: Die großzügige Anordnung von Glasflächen läßt den Baukörper transparent und leicht erscheinen und gewährt ein Optimum von Tageslicht in seinem Inneren. Das mehrfach gefalltete, mit Titanzink gedeckte Dach überdeckt die gesamte ehemalige Ausgrabungsfläche mit Stützweiten bis zu 35 m. Dabei wurden im Innern des Museums und somit auch innerhalb des römischen Hauses keine stützenden Elemente eingebracht, um den Raumeindruck des römischen Hauses nicht zu stören. 13 unterspannte Brettschichtholzbinder bilden allein das Primärtragwerk. Auf diese Weise konnte eine Grundfläche von immerhin 2300 m 2 überbaut werden, ohne die ausgegrabene römerzeitliche Bausubstanz zu tangieren (Abb. 6).

Next

/
Thumbnails
Contents