K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 2004/8. (Veszprém, 2004)

ALFÖLDY, GÉZA: Die Inschriften des Hügelgrabes von Baláca - A balacai halomsír feliratai

der Filiationsangabe Ti(berii) f(ilius) Söhne von Ti(berii) Claudii, also offensichtlich Nachkommen römischer Bürger waren. Zum anderen findet sich in unseren Inschriften überhaupt keine Spur für den Gebrauch vorrömischer Personennamen. Die Individualnamen, die sich nachweisen oder mit einiger Wahrscheinlichkeit wiederher­stellen lassen, so Április, Honorata (?), Honoratiana (?), Sabinus (?), Victorinus (oder Victor), sind gewöhnliche lateinische Cognomina. Die Nomenklatur uns bekannter Personen in der Region, die die civitas Romana selbst als Neubürger unter Claudius erhielten, ist von derjenigen der Claudier von Baláca ganz verschieden, wie dies Beispiele für ihre Nomenklatur wie Ti. Cl(audius) Cato Lucconis f. 72 oder K(laudia) Namusonis f. Ressona 73 mit einheimischen Personennamen und mit dem Namen des noch peregrinen Vaters in der Angabe der Filiation zeigen. Die Claudii von Baláca gehörten dagegen der bereits voll romanisierten Elite einheimischer Herkunft Pannoniens an. Das zeigt sich nicht nur durch ihre Namengebung und ihre Inschriften, sondern auch durch ihren jeweils von italischen Vorbildern motivierten Anspruch ei­nerseits auf ein ganz außergewöhnliches Grabmonument und auf die in Pannonién kaum weniger außergewöhnlichen Grabaltäre, 74 andererseits auf eine bereits seit dem Beginn des 2. Jahrhunderts mit Malereien ausgestattete Luxusvilla. 75 Wo die Heimat der Claudier von Baláca lag, ist kaum zu ermitteln. Sie können durch­aus in dieser Gegend zu Hause gewesen sein, denn Bürgerrechtsverleihungen im Kreis der Eliten der einheimischen Bevölkerung nördlich vom Plattensee unter Claudius sind zu belegen. 76 Allerdings sprechen die epigraphischen Quellen dafür, dass die ci­vitas Romana unter diesem Herrscher, wenn auch nirgends massenweise, auch in anderen Teilen Pannoniens, u. a. im Nordwesten der Provinz in der Gegend der damals gegründeten Kolonie von Savaria und im Gebiet der civitas Boiorum, vergeben wurde. 77 Die Kontakte der Claudii von Baláca gerade zu dieser Region waren, wie die Tätigkeit des Ti. Claudius Ti. f. Április und eines anderen Mitglieds der Familie in der Kommunalverwaltung von Savaria und Carnuntum bezeugen (siehe die Inschriften I und III), sehr eng. Somit kann nicht ausgeschlossen werden, dass sie aus der Region von Savaria und Carnuntum, also aus dem Gebiet des keltischen Stammes der Boier, stammten und von dort kommend ihr Familiengut nördlich vom Plattensee, in einer ebenso fruchtbaren wie fast mediterran anmutenden Landschaft, erwarben. Nicht schlüssig beantwortet werden kann auch die Frage, was die Familie dazu motivierte, auf ihrem Gut in Baláca ein nach italischen Vorbildern konstruiertes, mo­numentales Hügelgrab bauen zu lassen und dieses Grab ebenfalls nach italischen Mustern u. a. mit Grabaltären auszustatten. Man könnte höchstens spekulieren, dass ein Mitglied der zweifellos sehr wohlhabenden Familie, der für sich und seine Nachkommen nach einer bei den einheimischen Eliten im nordwestlichen und nordöstlichen Pannonién weit verbreiteten Praxis einen Tumulus errichten ließ, 78 mit diesem ebenso monumentalen wie luxuriös ausgestatteten Grabdenkmal alle in seiner Heimat bisher bekannten Grabdenkmäler übertreffen wollte und hierfür auf italische Vorbilder zurückgriff. 79 Möglicherweise hatte dieser Mann die Gelegenheit, beispiels­weise als Mitglied einer Gesandtschaft der Kolonie von Savaria, die bei einem Herrscher in Rom vorstellig geworden ist, italische Rundgräber persönlich zu sehen und sich von ihnen beeindrucken zu lassen.

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