K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 2004/8. (Veszprém, 2004)

ALFÖLDY, GÉZA: Die Inschriften des Hügelgrabes von Baláca - A balacai halomsír feliratai

Nach bisheriger Auffassung wurde der Tumulus von Baláca frühestens um die Mitte, wahrscheinlich erst in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts oder am ehesten sogar erst nach den Donaukriegen Mark Aurels am Ende des 2. Jahrhunderts errichtet und diente bis um die Mitte des 3. Jahrhunderts für Bestattungen. 80 Der Terminus post quem ergibt sich nach Palágyi aus einer Pferdebestattung in der Form eines Bustums unter dem Tumulus, das ebenso wie ein diesem unmittelbar benachbartes zweites Bustum mit der Bestattung eines Hundes dem Bau des Hügelgrabes vorausging und nach Palágyi frühestens in die hadrianische Zeit zu datieren ist. Den Grund für diese Datierung erblickt Palágyi in der Entstehungszeit der Bronzebeschläge des Pferdegeschirrs: Während die tauschierten Stücke nach ihr an die Wende vom 1. zum 2. Jahrhundert oder an den Anfang des 2. Jahrhunderts gehören, datiert sie die durch­brochenen Stücke und ein peltaförmiges Stück frühestens in die Zeit Hadrians oder in den Zeitraum zwischen der Regierungszeit dieses Kaisers und der Mitte des 2. Jahrhunderts. 81 Fitz, der aufgrund seiner Rekonstruktion der Inschriften mit vier Generationen der im Tumulus bestatteten Familie rechnete, wies die Inschriften dementsprechend dem Zeitraum zwischen der Mitte oder der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts und der Mitte des 3. Jahrhundert zu. 82 Ertel glaubte diese Datierung angesichts der Form der Altäre mit doppelten Profilleisten, zu der sie auf den Votivaltären Pannoniens und z. T auch der Nachbarprovinz Noricum vor allem aus der zweiten Hälfte des 2. und der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts Parallelen fand, bestätigen zu können. 83 M. E. wirft die aufeinander abgestimmte Argumentation der genannten Forscher Probleme methodischer Natur auf, welche die erwähnte Datierung in Frage stellen. Um mit der Datierung der Inschriften zu beginnen: Fitz hat natürlich erkannt, dass die sehr regelmäßige Paläographie der Inschriften, deren Überreste außerdem nicht eine einzige Ligatur enthalten, für eine frühere Zeit als für die zweite Hälfte oder das Ende des 2. Jahrhunderts, geschweige denn des 3. Jahrhunderts sprechen müsste. Er glaubte jedoch dieses Problem mit der Annahme eliminieren zu können, dass die seiner Ansicht nach aus Picenum nach Pannonién ausgewanderte Familie in ihrer epigraphi­schen Praxis eine „archaische" - besser gesagt: „altertümliche" - Tradition ihrer itali­schen Heimat bewahrt habe. 84 Wir haben freilich gesehen, dass von Einwanderern aus Picenum in Baláca keine Rede sein kann. Davon abgesehen wies in der zweiten Hälfte des 2. und in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts der Schriftcharakter der Inschriften in Italien einen ähnlichen Wandel auf wie in den Provinzen; es lässt sich überhaupt nicht nachweisen, dass man dort in dem erwähnten Zeitraum früheren, „altertüm­lichen" Vorbildern gefolgt wäre. 85 Jeder Epigraphiker ist sich freilich dessen bewusst, dass die Datierung der Inschriften anhand paläographischer Kriterien mit großen Schwierigkeiten und Gefahren verbunden ist. 86 Sehr oft sind in der Paläographie der Inschriften regionale oder lokale Entwicklungen und Besonderheiten zu erkennen, die von der unterschiedlichen Stärke des römischen Einflusses, von der Vorliebe für eine bestimmte Schriftform, von speziellen Traditionen einzelner Werkstätte, von der Fähigkeit einzelner Steinmetzen usw. abhängig waren. Die großen Züge der allge­meinen Entwicklung der Paläographie auf beschrifteten Steindenkmälern sind jedoch hinreichend bekannt. Gewisse Grundtendenzen, so etwa der weitgehende Verzicht auf

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