K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 1997/5. (Veszprém, 1997)

HUDECZEK, ERICH: Frühe Grabhügel aus dem Gräberfeld Deutschlandsberg/Leibenfeld im Territorium von Flavia Solva - Korai halomsírok Flavia Solva territóriumához tartozó Deutschlandsberg/Leibenfeldből

Vergesellschaftungen nur mit nicht italischem frühem einheimischem Material, das von uns eben allgemein als „römerzeitlich" angesprochen wird, das aber durchaus auch älter sein könnte, wie wir etwa am Leibenfelder Grab 19 erkennen können, blieben bei Garbsch und sind auch im allgemeinen noch immer undatierbar. Es liegt also durchaus im Bereich des möglichen, daß die Frühformen dieser ja kontinuierlich aus Latène-Formen herausent­wickelten Fibeln einmal noch früher als augusteisch oder allgemein 1. Hälfte des 1. Jh.n.Chr. angesetzt werden können. Speziell für die Hügelgräberforschung liegt die Bedeutung der zwei Leibenfelder Gräber in der (vielleicht noch nicht letzten) Beantwortung der Frage nach ihrem Beginn. Fragen nach der Herkunft dieser Bestattungssitte, deren vielleicht gar nicht so plötzliches Aufleben jetzt zumindest in augusteische Zeit, also etwa um die Zeitenwende datiert werden kann, stellen sich im Zusammenhang mit den oben genannten Problemen erneut. Schließlich werden auch Romanisierungsfragen berührt. Denn wenn Urban feststellt, daß laut Aussage der Terra sigillata-Funde die frühesten Hügelgräber claudisch und vor allem in Nordburgenland zu finden seien, 23 so heißt dies lediglich, daß die ersten bei den Hügelgrä­berbestattungen erkennbaren Romanisierungserscheinungen in claudischer Zeit und eben vor allem im Bereich des nördlichen Burgenlandes auftreten. 24 In vorclaudischer Zeit war die Bevölkerung, die in Hügelgräbern bestattete, offensicht­lich noch nicht so weit romanisiert, daß sie am damals sicher noch etwas spärlichen Import von Terra Sigillata teilgehabt hätte bzw. die importierten „Nobelstücke" als Grabbeigaben verwendet hätte. In der steirischen Gruppe um Flavia Solva scheint die Romanisierung einfach ein bißchen später beziehungsweise wenigstens in der Anfangsphase schwächer als im Burgenland, das über die Bernsteinstraße besser aufgeschlossen war, einzusetzen. 25 Daß gerade hier aber jetzt beson­ders frühe (bezogen auf die Römerzeit derzeit die frühesten) Hügelgräber auftauchen, spricht meines Erachtens doch eher dafür, daß die sogenannten norisch-pannonischen Hügelgräber ihre Entstehung nicht der Begegnung der einheimischen Bevölkerung mit der römischen Zivilisation und dem Vorbild monumentaler römischer Grabarchitektur verdanken. Diesen Einfluß gibt es natürlich auch, doch ist er eigentlich erst ab dem 2. Jh.n.Chr. greifbar. 26 Das Augustusmausoleum, das immer wieder als Beispiel für italische Vorbilder für unse­re Hübelgräber herangezogen wird, hat zur Zeit, als der Leibenfelder Tumulus Nr. 19 errich­tet wurde, wahrscheinlich noch gar nicht existiert. Es ist auch unwahrscheinlich, daß der Einfluß römischer Zivilisation und Kultur gerade in dem aus römischer Sicht total entlege­nen „hinterwäldlerischen" Gebiet in der Weststeiermark so stark und früher als in anderen aufgeschlossenen Gebieten Noricums seine Wirkung tat. 27 Ich sträube mich einfach, anzu­nehmen, daß die einheimischen Kelten den überwältigenden Eindruck römischer Architek­tur brauchten, um auf die Idee zu kommen, über einer Bestattung einen absolut schmucklo­sen, bescheidenen Erdhügel wie etwa den Leibenfelder Tumulus 19 aufzuschütten. ABKÜRZUNGEN ARTNER GARBSCH 1992. 1965. HEBERT 1991. RADIMSKY-SZOMBATHY ARTNER, W.: Eine Notgrabung im Gräberfeld West der Villa Rustica von Bergla. Gem. St. Martin i. S. Weststeiermark. Nachrichtenblatt Arch. Ges. Graz 4. 1992. GARBSCH, J.: Die norisch-pannonische Frauentracht im 1. und 2. Jahrhundert. MBV 11. München 1965. HEBERT, B.: Neuefunde aus der Steiermark. Specimina nova 1991. RADIMSKY, U. - SZOMBATHY, J.: Urgeschichtliche Forschungen in der Gegend von Wies in Mittelsteiermark III. MAG 18. 1888.

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