K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 1997/5. (Veszprém, 1997)
NAGY, MIHÁLY: Ethnische Komponenten der pannonischen Hügelbestattungen - A pannóniai halmos temetkezések etnikai elemei
des ersten und zu Beginn des zweiten Jahrhunderts, befindete sich keine Waffe. 19 Die Streitäxte kommen sehr selten in den Gräbern der ersten zwei Jahrhunderte beiderseits des Limes vor. Während der Römischen Kaiserzeit war die Streitaxt Bestandteil der germanischen Bewaffnung. 20 Das Krummschwert (sica) ist von thrakisch-dakischer Ursprung und kann als keine einheimisch keltische oder römische Waffe betrachtet werden. Alle Analogien zum Krummschwert von Kálóz stammen unserem heutigen Wissens nach aus dem dakischen Bereich. 21 Nach dem revidierten Standpunkt von Bona soll ein beträchtlicher zeitlicher Unterschied zwischen den originalen keltisch-römischen Waffen und ihren barbarischen Nachahmungen bestehen. Wir kennen aber die Größe dieser zeitlichen Verschiebung nicht. Piotr Kaczanowski beantwortet diese Frage in einem seiner neulich publizierten Artikel folgenderweise: „Es ist aber wohl zu vermuten, daß der Prozeß der Verbreitung von neuen frührömischen, kräftig profilierten Waffenformen in demselben Rhythmus beiderseits des Limes vor sich ging, und daß die Funde aus dem Barbaricum nicht sekundär bzw. als eine gewissermaßen zeitlich verspätete Widerspiegelung jener „römisch-keltischen" Bewaffnung zu betrachten sind." 22 Die auf der Klingenfläche des zweischneidigen Schwertes im Grab A von Kálóz erkennbaren Streifen, werden von Bona als Kennzeichen der Damaszierungstechnik gedeutet. 23 Kaczanowski macht uns darauf aufmerksam, daß „die Produktion solcher Schwerter begann im Römischen Reich erst im 2. Jh." 24 Es ist bekannt, daß der Doppelgrab von Kálóz eine Streitaxt, die Brandbestattung von Kemenesszentpéter-Pagony dagegen zwei, eine größere und eine kleinere enthielt. Schon Sylvia Palágyi betonte, daß die nächste Analogie des Axtpaares von Kemenesszentpéter sich im Doppelgrab von Kálóz befindet. 25 Ich möchte noch eine andere ebenfalls wichtige Analogie erwähnen, das Axtpaar, das aus dem Brandgrab von Kleinwarasdorf stammt. 26 Auch hier ist ein grösseres und ein kleineres Stück vorhanden. Im Grab wurde auch eine eiserne Pferdetrense gefunden, die ebenso wie der Sporn im Grab von Kemenesszentpéter, und auch vielleicht eine Trense im Grab von Kálóz beweist, daß in diesen Fällen berittene Krieger bestattet wurden. In der Brandbestattung von Kleinwarasdorf fand Alphons Barb zwei Münzen, eine trajanzeitliche und eine des Aeilus Caesar, und er datierte die Bestattung auf die Mitte des 2. Jarhunderts. Otto-H. Urban reiht dieses Grab nicht zu den germanischen Waffengräbern, sondern er hält es für einheimisch-boisch. 27 Aus der Kaiserzeit sind die Streitäxte als Bestandteile der Bewaffnung nur aus dem mittleren Oder- und Neißegebiet bekannt, und Dietrich Bohnsack betrachtet diese Waffenbeigabe als ein sicheres „Zeichen eines burgundischen Grabes". 28 Im Mittelelbegebiet erscheinen Äxte zusammen mit Schild, Schwert, oder Lanze als Waffenbeigaben erst in der zweiten Hälfte der Stufe B2, also vor dem Markomannenkrieg des Marcus Aurelius. 29 Aus den Funden von Kleinwarasdorf, Kemenesszentpéter-Pagony, Kálóz und Inota können wir auf einen Horizont folgern, der in Pannonién in der ersten Hälfte des 2. nachchristlichen Jahrhunderts erscheint, in dessen Gräbern reiche, berittene Krieger bestattet wurden. Die Reiterausrüstung ist ein auffallender Charakterzug dieses Horizontes. Zum mit Bronzeblech bedeckten eisernen Schildbuckel von Kemenesszentpéter kann man nur spätere Analogien finden, z.B. den konischen Schildbuckel aus dem spätrömerzeitlichen Skelettgrab von Csongrád-Berzsenyi Strasse 4, „dessen Oberfläche mit Bronzeblech bedeckt ist". 30 In dieser Hinsicht möchte ich andere Fundstücke aus dem 3. und 4. nachchristlichen Jahrhunderte erwähnen, z.B. den mit vergoldetem Silberblech bedeckten eisernen Schildbuckel von Lilla Harg aus Östergötland in Schweden; 31 den mit vergoldetem Silberblech bekleideten eisernen Schildbuckel aus dem Hügelgrab von Jászalsószentgyörgy; 32